Atem

Meditation über das Leben an sich

Meditation über das Leben an sich

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Seit etwa 1000 Jahren verwendet man in der deutschen Sprache das Wort Leben, um damit zu beschreiben was einem Menschen während seiner irdischen Existenz mitgeteilt wird, von Geburt an bis zu seinem Tod, durch sein Aufnehmen und Abgeben, sein Wachstum und seine Vermehrung, die erfreulichen und weniger erfreulichen Umstände, auf seinem Weg durch Raum und Zeit als Erlebnis, Erfahrung und Erkenntnis seiner Seele.

Vier Angelegenheiten sollten einen hier beim Lesen beschäftigen: der Zeitaspekt dessen was kommt und geht, die Kreisläufe von Werden und Vergehen in Zeit und Unbeständigkeit, das Erfahren von Licht und Finsternis und schließlich die Einflüsse des Ewigen.

Selbst und Gleichheit

Alles ist lebendig. Doch was lebt das stirbt auch. Was lebt durchläuft Werden und Vergehen, wobei sich jedoch ein Teil auflöst. Aber da ist eine Essenz die weder das Eine noch das Andere berühren und worin alles in Einem existiert: Gutes wie Böses, Helles wie Dunkles, Günstiges wie Ungünstiges, Wertvolles wie Schlechtes, Schönes wie Hässliches, Glückliches wie Trauriges, Nützliches wie Unbrauchbares – untrennbar über ein unsichtbares Band ineinander verwoben und miteinander verbunden.

Was in der Welt ist kommt aus der Einheit. Und was daraus sich löste, sich und seinen Ursprung durch sein Geborenwerden entzweite, verfielfältigt sich, bis es in immer kleinere Teile zerfällt und sich dabei auflöst. Was diesen Vorgang jedoch bewirkte bleibt und kehrt wieder zurück zu seinem Ursprung.

Was in der Welt ist wird aus dieser Einheit geboren, nimmt etwas Äußeres an, verwickelt sich und entwickelt sich wieder, spannt sich auf in die Pole des Zeitlichen. Sie aber sind nicht gentrennt, sondern bilden Anfang und Ende in einem Lebenslauf, der entlang der Bahnen eines riesigen Kreises verläuft, wo Ursprung und Ende das Selbe sind, wo gemachte Erfahrungen einen Bogen spannen zu den gesetzten Zielen im Leben eines Menschen.

Dabei sind diese Pole nicht das Selbe.

Die zwei Pole sind wie Original und Spiegelbild, die nicht gleich sind, doch von selber Abkunft. Man denke hier etwa an den Atem. Einatmen und Ausatmen sind verschiedene Vorgänge. Man atmet entweder ein oder aus. Beides gleichzeitig ist unmöglich. Als solche aber sind sie Teil eines einigen Atems, wo jedes Einatmen ein Geborenwerden ist, denn man schließt aus dem Ganzen, der umgebenden Atmosphäre einenen Teil aus und in der Lunge ein.

Sobald das Kind auf die Welt kommt, erlernt es die Fähigkeit zu atmen, um außerhalb des Leibes seiner Mutter leben zu können.

Stirbt ein Mensch ist Ausatmen sein letzter Akt, womit die Luft ausgehaucht und wieder Teil der Atmosphäre wird.

Atem und Seele aber ähneln sich. Denn so wie sich die Lunge einen belebenden Atem für ihren Körper aus der umgebenden Luft "borgt", so "borgt" sich auch die Seele ihre körperliche Hülle, um dereinst wieder an ihren Ursprung zurückzukehren. Doch was in beiden Fällen dahinter steht, ist die göttliche Absicht zu Erfahren. Die Seele kleidet sich in den irdischen Körper um darin zu leben, sich darin zu läutern. Sie gleicht dem Atem Gottes, der in den Körper einzieht.

Der Körper wird geatmet. Denn auch Nachts atmen wir, unaufgefordert. Was bleibt ist die geatmete Luft. Sie ist Lebenssubstanz, ist Essenz unseres irdischen Seins. Nur wenige Minuten können wir leben ohne Luft.

Seele und Atem

Und wenn wir nun sagten, dass der Atem der Seele ähnelt, so bedient auch sie sich einer Essenz, hat einen Wirt: die Weltseele. Sie ist wie der Atem Gottes, der sich in den Gezeiten von Sein und Vergehen der Welt ausdehnt und wieder zurückzieht in das Eine. Der Kreis und der Punkt unterscheiden sich lediglich in ihrer Ausdehnung. Doch der Punkt des Übergangs, vom einen in das andere Sein, vom Maximum des Umfangs in das Minimum des Mittelpunkts, birgt in sich beides: Leben und Sterben, Sein und Entwerden.

Im Wachstum liegt Schmerz, der sich mit dem Gewordensein aber eben an dem eben besagten Übergang, für sein Erleiden in uns, als Schönheit, Freude und Gutes erkenntlich zeigt, dann wieder abnimmt, den Menschen erleichtert und sich sein Sein dabei lichtet, öffnet und erlöst.

In unserem täglichen Leben steht dafür der Gleichmut, der nicht vergleicht und das Sein nimmt wie es kommt, mit seinen erhebenden und seinen mindernden Kräften.

Man achte aber auf diesen erfreulichen Punkt des Übergangs. Jeder Atemzug durchläuft ihn in der Mitte zwischen Ausatmen und Einatmen. Unser ganzes Leben ist davon bestimmt, während des Einschlafens und Aufwachens, jeden Herbst und jeden Frühling im Laufe unseres Lebensjahres.

Werden und Vergehen liegen am selben Punkt wie Ursprung und Ziel, die unser Lebensweg miteinander verbindet. Die Zeit zwischen dem was war und dem was sein wird, bringt dem Leben seine Spannung. Im Jetzt zu leben aber ent-spannt.

 

Was ist Meditation wirklich?

Was ist Meditation wirklich?

Meditation ist ein Überbegriff für viele unterschiedliche und zum Teil auch augenscheinlich gegensätzliche Bewusstseinsübungen. Die Einen assoziieren Meditation mit einer im Lotussitz verweilenden Person, für Andere ist das hemmungslose Tanzen bis zum Umfallen der Inbegriff von Meditation.

Wortwörtlich bedeutet Meditation so etwas wie nachdenken, nachsinnen (lat. meditatio). Der angestrebte Bewusstseinszustand entspricht jedoch einer Erfahrung von Gedanken-losigkeit, einer friedlichen Stille, einer Erfahrung von Eins-sein.

Der Ursprung der in vielen Religionen und Kulturen ausgeübten spirituellen Praxis liegt viele Jahrtausende zurück, auch wenn die heutzutage unter "Meditation" ausgeübte Tätigkeit sich von den ursprünglich nur mündlich weitergereichten Lehren unterscheiden dürfte. Die ältesten Schriften, die sich umfassend mit Meditation befassen findet man in der hinduistischen Tradition um 1500 v. Chr.

Schriften über "Yoga", das in ursprünglicher Wortverwendung Weg und Ziel von Meditation ist, reichen bis 1000 v. Chr. zurück, die Meditation im Buddhismus bis 500 v. Chr. Die Meditationspraxis wurde auch im Zusammenhang mit dem Taoismus und dem Judentum erwähnt.

Es stellt sich jedoch die Frage, warum diese uralte spirituelle Praxis aktuell Millionen von Menschen inspiriert ihr Leben zu verändern. Was ist Meditation wirklich?

Meditation im Hinduismus und Yoga

In der Bhagavad Gita, einer der zentralen Schriften indischer Kultur, ist Meditation (Sanskrit Dhyana) die letzte Stufe der Yogapraxis vor dem Erreichen des Superbewusstseins (Samadhi). Die ersten fünf des achtgliedrigen Pfades (Ashtanga, Raja Yoga) beschreiben somit Voraussetzungen, die für eine erfolgreiche Meditation erfüllt sein müssen. Diese umfassen ethische und moralische Disziplinen, den ruhigen Sitz (Asana) und Konzentration des Energieflusses und des Geistes. Die Kontrolle der eigenen Lebensenergie und Zusammenführung von Körper und Geist erfolgt hierbei auch durch spezielle Atemübungen (Pranayama). Der Zustand des Superbewusstseins, der mit der Meditation beginnt, wird beschrieben als eine Erfahrung von absoluter Stille, Frieden und unfassbarer Freude.

Der achtgliedrige Pfad stellt laut der Bhagavad Gita aber nur eine von vier Möglichkeiten dar, das Meditationsziel zu erreichen. Ebenso sollen der Weg der Liebe (Bhakti), der Weg des selbstlosen Handelns (Karma) und der Weisheit (Jnana) zu der Erfahrung des erfüllten Eins-seins führen.

Meditation im Buddhismus

Die Meditation im Buddhismus wird ebenfalls durch die vollständige Konzentration auf ein einziges Objekt, meist den Atem eingeleitet. Auch andere Meditationsobjekte, insbesondere Mantras, die auch in hinduistischer Tradition Verwendung finden, dienen als Fokus zur vollständigen Beruhigung des Geistes und der Entdeckung des wahren Selbst.

Die buddhistische Tradition ist darüber hinaus als Ursprung der Achtsamkeitsmeditation (Sati) zu sehen. Der Geist darf hierbei auch auf Geistesobjekten, körperlichen Empfindungen oder Gefühlen, die im gegenwärtigen Moment präsent sind, ruhen. Diese gerichtete und nicht wertende Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Augenblick ist die Bewusstheit, die man als Achtsamkeit bezeichnet.

Auch die Entwicklung von Liebe, Mitgefühl, Mitfreude und Gelassenheit (Brahmavihara) ist ein besonderer Fokus der buddhistischen Meditationspraxis.

Meditation in den alternativen Bewegungen des Westens

Die Praxis der Meditation hat mit Beginn des 20. Jahrhunderts zunehmend die alternativen Szenen des Westens erreicht, sowohl über indische Yogis als auch buddhistische asiatische Lehrer und einem breiten Angebot an Übersetzungen von Westlern.

Die Vielzahl von Meditationsformen, die daraus entstanden sind, haben von außen betrachtet kaum Gemeinsamkeiten und lassen sich bestenfalls auf einem Kontinuum von stiller bzw. passiver Meditation hin zu dynamischer bzw. aktiver Meditation einordnen. Passive Meditationsformen werden meist in einer ruhigen Haltung praktiziert und bringen den Geist durch Konzentration auf einen fixen Punkt zur Ruhe. Der Körper wird als vorrübergehender Sitz der Seele angesehen und mit dem Rückzug aus den Sinneswahrnehmungen (Prathyahara) kann die Identifikation mit dem wahren Selbst, die Erfahrung des erfüllten Eins-seins gelingen. Aktive Meditationsformen scheinen in ihrer Vielzahl vor allem als Produkt von östlichen und westlichen kulturellen Einflüssen entstanden zu sein. Das breite Spektrum reicht von dynamischer Tanzmeditation, über Hatha Yoga bis hin zu von Kampfkunst inspirierten Bewegungsabläufen. Dennoch ist die aktive Meditation keineswegs eine Erfindung des heutigen Zeitalters. Bereits die Praxis von Karma und Bhakti Yoga, bei der selbstloses Handeln oder auch gemeinsames Singen im Vordergrund steht, ebenso wie das Tanzen, das in unzähligen alten Kulturen zur Erweiterung von Bewusstseinszuständen praktiziert wurde, könnte als aktive Meditation verstanden werden.

Aber worin liegt jetzt der gemeinsame Nenner aller dieser Praktiken, was bedeutet "Meditation" angesichts dieser Vielzahl an Tätigkeiten? Und wieso ist die Meditationspraxis so relevant?

Es wird offensichtlich, dass nicht das "was“, sondern das "wie" des Tuns kennzeichnend für die Praxis der Meditation ist. So kann das stille Sitzen im Lotus zu einer Möglichkeit des Verstandes werden wild in Gedanken umherzuschweifen, über den Ärger mit den Nachbarn bis zur nächsten Urlaubsplanung. Andererseits kann selbst das Geschirr waschen zur Gelegenheit werden, den eigenen Körper in Bewegung zu beobachten, den Kontakt mit dem Wasser zu spüren und damit die Gedankenkreise loszulassen. Die Konzentration auf das Hier und Jetzt, mit vollständig klarer Bewusstheit, sei es über den Fokus auf eine Sinneswahrnehmung oder auf ein Objekt des Geistes, ist wohl zentral in jeder Form der Meditationspraxis.

Meditation als Trend und Fokus westlicher Wissenschaft

Gerade in den letzten Jahren wird die Achtsamkeitsmeditation immer beliebter und sowohl zur Produktivitätssteigerung von Arbeitskräften als auch für therapeutische Zwecke im klinischen und psychotherapeutischen Bereich angewendet. Verschiedenen Meditationsformen und Achtsamkeitstrainings werden in wissenschaftlichen Studien ein weitreichender positiver Einfluss auf die psychische und körperliche Gesundheit, sowie der allgemeinen Lebenszufriedenheit und dem Wohlbefinden zugeschrieben.

Es ist aber nicht zu vergessen, dass der Ursprung und die Kraft der Jahrtausend alten Meditationspraxis darin besteht, das Alltagsbewusstsein und damit die Gebundenheit an die physische Welt zu transzendieren. Die Erfahrung des Eins-seins mit der Quelle der Schöpfung und Allem was ist geht wohl über jegliche Freude über materiellen Erfolg hinaus. Das Erreichen des Superbewusstseins ist jedoch nichts, was üblicherweise in einem Wochenendseminar mal schnell passiert. Es ist auch keine selbsterarbeitete Leistung, sondern vielmehr ein seltenes Phänomen, was oft denen Menschen zuteilwird, die bereit sind ihr Leben hingebungsvoll der Mediationspraxis zu widmen.

Was ist die richtige Methode für mich?

Um von den unzähligen Vorzügen und Wirkungen von Meditation zu profitieren ist es jedoch keineswegs notwendig sein Leben dafür aufzugeben. Bereits 10 minütiges regelmäßiges Meditieren oder die gelegentliche Teilnahme an Meditationsretreats hat Studien zufolge einen positiven Einfluss in Form von Stressreduktion, Verbesserung des Immunsystems, Verlangsamung des Alterungsprozesses, Linderung von Schmerzen, besseren Konzentrationsleistungen, körperlicher Leistungsfähigkeit, einer Zunahme von Mitgefühl, Einfühlungsvermögen und Kreativität.

Ein guter Anfang kann die passive Meditation im Sitzen sein, bei der das Ein- und Ausströmen des Atems im Fokus ist. Beim Abschweifen der Aufmerksamkeit auf die Gedanken wird diese einfach wieder sanft zurück zum Atem geholt, immer und immer wieder.

Auch die Wahrnehmung des Körpers, durch das absichtslose Scannen, von den Zehenspitzen bis zur Kopfkrone, hat einen besonders erdenden und beruhigenden Effekt.

Die aktiven Meditationsformen werden oft mit Aspekten der Selbstentwicklung verbunden, was eine Möglichkeit sein kann, sich von alten Mustern und Gewohnheiten zu befreien und das Leben immer mehr lieben zu lernen.


Bei der Auswahl der richtigen Meditationspraxis ist es essentiell, sich von dem eigenen inneren Kompass, der eigenen Intuition leiten zu lassen. Denn nur du selbst, weißt am besten, was du im Moment brauchst, was dich weiterbringt. Gib aber nicht gleich auf, sobald du auf diesem Weg inneren Widerständen begegnest, die Meditationspraxis bedeutet auch Willenskraft und Selbstdisziplin aufzubauen und innere Barrieren zu überwinden.

So lange, bis man vielleicht zu der Realisation kommt, dass alles bereits perfekt ist, so wie es ist.

 

Meditation der neun Atemzüge im Tibetischen Tantra

Meditation der neun Atemzüge im Tibetischen Tantra

Meditation der neun Atemzüge im Tibetischen Tantra - ewigeweisheit.de

Die nachfolgend geschilderte Zusammenfassung dieser uralten tibetischen Meditationstechnik, soll dem Übenden helfen sich emotional zu reinigen.

Ihre Ursprünge hat diese Methode wahrscheinlich im tibetischen Bön oder hat noch ältere schamanistische Wurzeln. Seit alter Zeit aber meditieren die Yogis und Lamas mittels dieser einfachen aber wirksamen Technik, um sich dabei von den folgenden, sogenannten Geistesgiften (negative Emotionen und Gedanken) zu entledigen:

  1. Wut und Abneigung,
  2. Gier und Anhaften,
  3. Zweifel und Unwissenheit.

Diese drei "Gifte", wie sie im Bön und im Buddhismus genannt werden, bilden einen Antagonismus zu den drei Tugenden:

  1. Leerheit und Klarheit,
  2. Weisheit,
  3. Einheit.

Hierüber kann der Übende meditieren, wobei er sich vorstellt, wie er durch die nachfolgend beschriebene Atemtechnik, sich nach und nach der drei Geistesgifte entledigt, um den eigentlichen Urzustand seines Seins in Form der drei Tugenden wiederherzustellen.

Durch Sehen, Visualisieren und Fühlen lernt der Meditierende drei Größen seiner spirituellen Konstitution kennen, die die Tibeter symbolisch folgendermaßen darstellen. Da nämlich gibt es drei Bewusstseins-Kanäle:.

  1. Der rechte Kanal ist weiß. In seinem vollkommenen Zustand steht er für die Leerheit und Klarheit.
  2. Der linke Kanal ist schwarz. Er steht in seinem vollkommenen Zustand für die Weisheit.
  3. Der mittlere Kanal aber ist blau. Sein vollkommener Zustand ist die Einheit.

Mit diesen drei Kanälen können Sie sich von den drei Geistesvergiftungen reinigen, durch bewusstes Atmen:

  • Die Kanäle gleichen jeweils einem Weg, der vom einen Nasenloch in der Körpermitte unterhalb des Bauchnabels vorbei, hinauf in der Körpermitte zum anderen Nasenloch führt.
  • Der Atem gleicht einem Pferd oder Gefährt, worauf sich
  • das Bewusstsein, wie ein Reiter oder Fahrer, bewegt.

Schauen Sie sich im Folgenden diese Atem-Meditation noch etwas genauer an.

Mit dem Atem bewegt sich das Bewusstsein durch die drei Kanäle, also jeweils rechts, links und in der Mitte, wobei die ihnen zugeordnete Thematik bearbeitet wird:

  1. Über die dreimalige Ausatmung über den rechten Kanal entledigen Sie Ihr Bewusstsein von den Giften der Wut und Abneigung.
  2. Über den linken Kanal entledigen Sie Ihr Bewusstsein von den Giften der Gier und Anhaftung.
  3. Über den mittleren Kanal entledigen Sie Ihr Bewusstsein von den Giften der Zweifel und Unwissenheit.
Handhaltung in der Meditation - ewigeweisheit.de

Handhaltung in der Meditation

Sitzhaltung und Atemtechnik

Zuerst setzen Sie sich im Schneidersitz so hin, das Ihr linkes vor Ihrem rechten Bein angewinkelt liegt.

Dann sehen Sie Ihre Handflächen an und berühren mit den Daumen jeweils die Ringfinger (unterstes Glied) der jeweiligen Hand (rechter Daumen an rechtem Ringfinger und linker Daumen am linken Ringfinger, siehe Abb.).

In dieser Handhaltung legen Sie dann einander gegenüber die Finger der linken Hand auf die Finger der rechten Hand, so dass Ihre Hände mit den Armen und den beiden Schultern einen Halbkreis bilden. Die beiden Hände liegen dabei in Ihrem Schoß.

Sie sitzen aufrecht und atmen ruhig.

Nun konzentrieren Sie sich auf eine Stille in Ihrem Körper und fühlen wie sich diese Stille ausbreitet in Ihren Füßen, in Ihren Beinen, in Ihrem Bauch, in Ihrer Brust, in Ihrem Kopf, in Armen und Schultern.

Denken Sie nun an Ihren Bauchnabel. Mit dem Einatmen fließt Ihr Atem dorthin hinunter und um den Bauchnabel herum, steigt wieder auf und entweicht schließlich über die Nasenlöcher.

Rechter Kanal: Wut und Abneigung

Nun nehmen Sie Ihre rechte Hand und halten mit dem rechten Ringfinger Ihr linkes Nasenloch zu, während Sie dann tief einatmen.

Dabei strömt über Ihre linke Seite die Luft durch Ihren Körper nach unten, um den Bauchnabel.

Jetzt halten Sie den Atem kurz an, während Sie mit dem rechten Ringfinger nun das linke Nasenloch schließen und über das rechte Nasenloch ausatmen.

Vom Bauchnabel aus strömt die Luft damit auf Ihrer rechten Seite nach oben und tritt durch Ihr rechtes Nasenloch aus.

Während des Ausatmens denken Sie nun an das Pferd (Atem) auf dem sich Ihr Reiter (Bewusstsein) befindet, der all die negativen Emotionen der rechten Seite (Wut und Abneigung) im Ausatmen aus Ihrem Dasein hinausbefördert und dabei auflöst.

Dies wiederholen Sie dreimal.

Linker Kanal: Gier und Anhaftung

Nun nehmen Sie Ihre linke Hand und halten mit dem linken Ringfinger Ihr rechtes Nasenloch zu, während wie dann tief einatmen.

Dabei strömt über Ihre rechte Seite die Luft durch Ihren Körper nach unten, um den Bauchnabel.

Jetzt halten Sie den Atem kurz an, während Sie mit dem linken Ringfinger nun das rechte Nasenloch schließen und über das linke Nasenloch ausatmen.

Vom Bauchnabel aus strömt die Luft damit auf Ihrer linken Seite nach oben und tritt durch Ihr linkes Nasenloch aus.

Während des Ausatmens denken Sie nun an das Pferd (Atem) auf dem sich Ihr Reiter (Bewusstsein) befindet, der all die negativen Emotionen der linken Seite (Gier und Anhaftung) im Ausatmen aus Ihrem Dasein hinausbefördert und dabei auflöst.

Dies wiederholen Sie wieder dreimal.

Mittlerer Kanal: Zweifel und Unwissenheit

Nun liegen wieder beide Hände in Ihrem Schoß, die linke auf der rechten Hand, während die Daumen jeweils die Ringfinger berühren.

Durch beide Nasenlöcher atmen Sie dann tief ein.

Dabei strömt in Ihrer Mitte die Luft nach unten, um den Bauchnabel.

Jetzt halten Sie den Atem kurz an.

Vom Bauchnabel aus strömt die Luft nun wieder nach oben und tritt durch Ihre beiden Nasenlöcher aus.

Während des Ausatmens denken Sie nun an das Pferd (Atem) auf dem sich Ihr Reiter (Bewusstsein) befindet, der all die negativen Emotionen der Mitte (Zweifel und Unwissenheit) im Ausatmen aus Ihrem Dasein hinausbefördert und dabei auflöst.

Auch dies wiederholen Sie wieder dreimal.

 

Danach ist die Meditation beendet.

 

Der Atem und die Freiheit

Der Atem und die Freiheit

Noch einen letzten Gedanken möchte ich zu den Mysterien des Atems zur Sprache bringen. Der Atem ist nämlich zugleich eine vollkommene Analogie auf das Wesen der menschlichen Freiheit. Dies also ist das Thema des letzten Kapitels: Atem und Freiheit.

Ist der Mensch frei? Ja und Nein. Irgendwie schon, denn als Mensch kann ich z.B. blinzeln, immer wenn ich es will. Ich kann mich, wenn ich nicht gerade gefesselt bin, im Kreise drehen, so oft ich es will, gehen, wohin ich will, machen, was ich will... Aber, so ganz stimmt das doch auch wieder nicht: Fliegen kann ich nicht mit meinem irdischen Körper einfach so. Ich kann mir auch nicht kaufen, was ich will, wenn ich kein Geld dafür habe. Wenn ich im Gefängnis sitze, dann kann ich nicht einmal gehen, wohin ich will.

Es schein also einerseits einen gewissen Grad der Freiheit zu geben und andererseits einen gewissen Grad der Einschränkung, des Zwangs. Nun, ebenso verhält es sich auch mit dem Atem. Klar, ich kann einatmen und ausatmen, wann und wie ich will, aber wenn ich einmal versuche, fünf Minuten lang nur auszuatmen, dann dürfte ich wohl schnell feststellen, dass es aus mir selbst heraus - genau genommen vom unteren Bewusstsein her kommend - einen Zwang gibt, der mich dazu bringt und mich dazu zwingt, nun doch wieder einzuatmen. Die Willkür des Menschen, sein oberes Bewusstsein also, hat demnach einen gewissen Spielraum. Überschreitet es allerdings bestimmte Grenzen, so kommt der Zwang, das untere Bewusstsein, ins Spiel und korrigiert gewissermaßen diese Grenzüberschreitung.

Beim Atmen kommt der Zwang immer dann ins Spiel, wenn der Mensch auf eine Weise atmen wollen würde, welche unnatürlich ist und das Leben gefährdet. Fünf Minuten lang nur auszuatmen ist ein Beispiel dafür. Ebenso ist es aber nicht nur im menschlichen Körper, sondern auch in der Welt. Denn dem Analogiegesetz folgend lässt sich das Leben des einzelnen Menschen als Abbild des universellen Lebens des Kosmos verstehen. Der Mikrokosmos entspricht dem Makrokosmos.

Was bedeutet dies nun konkret? Es bedeutet, dass in jedweder Beziehung, in welcher ein Mensch unfrei und gezwungen ist, eine Korrektur durch das universelle Leben stattfindet, welche tatsächlich heilsam und förderlich für die Seele des entsprechenden Menschen ist, auch wenn die Persönlichkeit dies vielleicht nicht anerkennen will.

Es gibt natürlich viele grausame Extremfälle auf Erden, in welchen ein solcher Zusammenhang kaum nachvollziehbar oder irgendwie gerechtfertigt erscheint. Die Auseinandersetzung auch mit diesen dunkelsten Seiten des Lebens ist natürlich wichtig für den spirituell und philosophisch Suchenden. Dennoch soll an dieser Stelle darauf verzichtet werden, da nur eine lange und ausführliche Untersuchung diesen Phänomenen gerecht werden kann. Es geht mir jetzt vielmehr darum, diesen Gedanken für den Alltag praktisch anwendbar zu machen.

Dies ist ein Experiment, welches von jedem Menschen unternommen werden kann: Immer dann nämlich, wenn ich einerseits etwas wünsche und danach strebe, andererseits aber bemerke, dass ich immer wieder durch äußere, vielleicht zufällig anmutende Zwänge und Einflüsse davon abgehalten werden, sollte ich mir zumindest die Zeit nehmen, einmal in Ruhe über diesen Wunsch nachzudenken oder zu meditieren: Ist dies wirklich förderlich für meine Seele und mein Leben? - Vielleicht werde ich dabei herausfinden, dass das, was ich zuvor noch als einen unnötigen, störenden Zwang und Zufall empfunden hatte, eigentlich eine helfende oder rettende Maßnahme des universellen Lebens war... Ein Beinbruch, eine verpasste Zugfahrt, eine plötzliche Erkrankung, ein Streit - all dies können Hilfsmaßen des Lebens sein, die den Menschen davon abhalten, seine Freiheit zu missbrauchen.

Das Leben, Gott, der Kosmos, liebt den Menschen über alle Vorstellung und manchmal muss die Persönlichkeit leiden oder der Körper Schaden nehmen, um die Gesundheit der Seele zu bewahren und/oder wiederherzustellen. Wer gesund atmet, den wird der Atem niemals zwingen, und wer seine Freiheit in gesundem Maße gebracht, den wird das Leben niemals zwingen. Wen der Zwang im Leben drängt, dem sei hiermit empfohlen, sich intensiv und ernsthaft mit den eigenen Wünschen und Absichten auseinanderzusetzen.

Schlussgedanken

Nach dieser kleinen Reise durch die Mysterien des Atems hat sich ein Eindruck hoffentlich tief in die Seele eingeprägt: Das Unscheinbare, das Alltägliche, das Allgegenwertige, dies ist zumeist der Schlüssel zu vielen großen und tiefen Mysterien. Der Atem verbindet den Menschen mit der ganzen Schöpfung, mit dem universellen Leben im Kosmos, dem Rhythmus des Lebens, der philosophischen Frage nach der Freiheit, den Fähigkeiten der praktischen Magie und vielen weiteren Aspekten, die in diesem Artikel nicht alle angeführt werden konnten.

Alles, was im Kosmos ist, das ist auch irgendwo im Menschen, und wenn der Mensch beginnt sich selbst zu erforschen, so beginnt er auch, das Weltganze zu erforschen und zu verstehen. Das ist das "Gnothi seauton" (γνῶθι σεαυτόν), das "Erkenne Dich selbst!", des Delphischen Orakels und dafür braucht der Mensch weder Computer noch Raumschiffe noch Geld noch Teilchenbeschleuniger, sondern einzig und allein seinen eigenen Körper, seinen Geist, seine Seele und sein gegebenes Lebensumfeld. Der Atem ist ein Aspekt des Menschen und durch seine Erforschung lässt sich ein Aspekt des Ganzen erfahren und ein Aspekt der ewigen, göttlichen Wesenheit. Forsche, hier und jetzt, Du selbst, bei Dir selbst und durch Dich selbst! Atem. Atem und Leben. Atem und Geist.

Der Atem als Bindeglied

Der Atem als Bindeglied

Die Alten sahen oben den Himmel und unten die Erde. Zwischen ihnen und in stetiger Bewegung wehten Wind und Wetter. Dieses Kapitel beschäftigt sich mit dem Atem als Bindeglied zwischen 'Oben und Unten'.

Ein wesentlicher Aspekt aller Mysterientraditionen ist die Verbindung zweier verschiedener Formen des Bewusstseins. Diese beiden Pole tragen in den verschiedenen Traditionen die unterschiedlichsten Namen. Ich möchte im Folgenden einfach von einem oberen Bewusstsein und einem unteren Bewusstsein sprechen, um die Bedeutung zunächst möglichst intuitiv und offen zu halten. 'Oben und unten' ist dabei bitte völlig wertungsfrei zu verstehen. Erst einmal gilt es, sich ein ungefähres Bild von diesen beiden Polen zu machen, welches durchaus eine Vereinfachung sein wird, aber für den hier behandelten Sachverhalt völlig genügt.

Das obere Bewusstsein ist im Kopfbereich und im Hirn beheimatet. Hierin gründen die willkürlichen und bewussten Prozesse: Sehen, Hören, Sprechen, bewusste Motorik, Denken... Im Bauchbereich wiederum befindet sich der Sitz des unteren Bewusstseins, worin generell die unbewussten und unwillkürlichen Prozesse gründen: Wachsen, Verdauen, Galle ausscheiden, Magensäure produzieren, Affekte, Leidenschaften... Die Funktionen des unteren Bewusstseins werden üblicherweise nicht bewusst bewirkt, sondern geschehen einfach. So zumindest aus Sicht des oberen Bewusstseins, mit welchem sich viele Menschen identifizieren.

Im unteren Bewussten ruhen jedoch unglaubliche Fähigkeiten und Kenntnisse, die der Mensch beispielsweise dann erfährt, wenn er etwas 'aus dem Bauch heraus' erfolgreich tut und es ihm ohne viel Nachdenken einfach gelingt. Ein Koch z.B., der die Zutaten nicht mit der Feinwaage abmisst, sondern gerade so in das Essen hineingibt, wie es sich für ihn stimmig anfühlt. Der Bauch des Menschen hat ganz andere Kenntnisse und Fähigkeiten als der Kopf und leider ist es doch häufig so anzutreffen, dass diese beiden, Kopf und Bauch, gegeneinander ankämpfen.

Der Atem nun ist ein besonderes Mittel der Wahl, wenn es um Praktiken geht, durch welche der Mensch diese beiden Pole miteinander verbindet und harmonisiert. Der Atem nämlich lässt sich leicht als das Mittelglied zwischen oberem und unterem Bewusstsein ausmachen: Denn die menschliche Atmung ist zumeist ein unwillkürlicher und unbewusster Prozess. Egal ob der Mensch schläft, ob er beschäftigt ist, ob er spricht, der Atem fließt, ohne dass es nötig wäre, einen Gedanken darauf zu verwenden. Er scheint also in diesem Sinne zum unteren Bewusstsein zu gehören, wie auch die Verdauung und der Wachstumsprozess. Aber, im Gegensatz zu diesen den beiden letztgenannten, kann der Mensch auch völlig willkürlichen Einfluss auf seine Atmung nehmen. Er kann sich denken: "Jetzt atme ich aus." Und dann kann er ausatmen, seiner Willkür gemäß.

Da der Atem also eine Verbindung zum oberen wie zum unteren Bewusstsein des Menschen hat, lassen sich beide Pole durch entsprechende Atemübungen miteinander verbinden und in Einklang bringen, und die verschiedensten Traditionen haben eine Vielzahl von Übungen zu genau diesem Zwecke entwickelt. Wer sich mit bewusster Atemtechnik in der Praxis beschäftig, der wird früher oder später mit solcherlei Techniken zu tun haben und lernen, die pranischen Energien der beiden Zentren (Kopf und Bauch) durch Pranayama gezielt fließen zu lassen und untereinander auszutauschen. In der westlichen Esoterik wird dieser Austausch häufig mit einem geschlossenen Stromkreislauf vergleichen, welcher zu einem starken Anstieg der verfügbaren Energien führt.

In der Kabbalah werden den drei angesprochenen Zentren im Menschen, dem oberen, dem unteren und dem mittleren, übrigens auch die drei Mutterbuchstaben Aleph, Schin und Mem symbolisch zugeordnet, welche ihrerseits wiederum mit bestimmten Elementen korrespondieren. Zudem ist diesen drei Zentren auch jeweils ein entsprechender Seelenteil analog, wobei der mittlere Seelenteil Ruach heißt, was, wie eingangs gesagt, auch Atem bedeutet. Wer hier weiter forscht, dem offenbaren sich eine Menge sehr aufschlussreicher Analogie. Hier nochmal die entsprechende Übersicht: (Dabei ist es äußerst wichtig zu verstehen, dass es sich in dieser Übersicht um Entsprechungen und nicht um Gleichsetzungen handelt! Das obere Bewusstsein entspricht Neschamah, aber es ist nicht Neschamah!)

  1. Oberes Bewusstsein - Kopfbereich - Schin (ש) - Feuer - Seele: Neschamah (נשמה),
  2. Mittleres Bewusstsein - Brustbereich - Aleph (א) - Luft - Seele: Ruach (רוח),
  3. Unteres Bewusstsein - Bauchbereich - Mem (מ) - Wasser - Seele: Nephesch (נפש).

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch Genesis 1.4, wo es wörtlich heißt: Und die Ruach (Geist, Seele, Atem; im hebräischen feminin!) von Elohim (vereinfacht oft mit Gott übersetzt. Eigentlich aber ein Wortspiel mit der Bedeutung: Das göttliche Wesen, welches männlich, weiblich, einer und viele zugleich ist.), eine Schwebende über den Wassern. So also wie beim Menschen die Brust, der Atem, die Ruach, über dem Bauch, dem Wasser, liegt, ebenso ist es auch am ersten Schöpfungstag bei Elohim: Die Ruach schwebt über den Wassern. Eine sehr interessante und vielsagende Analogie.

Der Rhythmus des Lebens

Der Rhythmus des Lebens

Nun möchte ich zu Betrachtung verschiedener Analogien übergehen, welche mit der Atmung unmittelbar zusammenhängen. In dieses Kapitel sollen in diesem Zusammenhang auch das Assoziative Denken und das Analogiegesetz angesprochen werden.

Ich möchte den Atem jetzt also unter einem ganz anderen Gesichtspunkt betrachten, obwohl natürlich alle hier angesprochenen Gedanken tatsächlich miteinander in Beziehung stehen. Die Praxis des Atmens lehrt uns - und auch hier wird erneut erkennbar, dass die Praxis für das Verständnis unverzichtbar ist - , dass es vier Phasen im Atemprozess gibt:

  1. Einatmen,
  2. Voll-Sein,
  3. Ausatmen,
  4. Leer-Sein.

Im Sanskrit, der heiligen Sprache Indiens, derer sich der Yoga bedient, heißen diese vier Phasen wie folgt:

  1. Puraka,
  2. Antara-Kumbhaka,
  3. Rechaka,
  4. Bahya-Kumbhaka.

Werden diese vier Phasen abstrahiert betrachtet, können sie folgendermaßen benannt werden:

  1. Bewegung,
  2. erreichen Zustand,
  3. Gegenbewegung,
  4. erreichter Gegenzustand.

Dies kann man sich auch nach dem Bilde eines Pendels vorstellen:

  1. Das Pendel schlägt nach rechts aus.
  2. Das Pendel erreicht den Höhepunkt seines Ausschlags rechts.
  3. Das Pendel schlägt nach links aus.
  4. Das Pendel erreicht den Höhepunkt seines Ausschlags links.

Diesen Rhythmus nun gilt es sich gut einzuprägen, was natürlich besonders effektiv durch bewusste Atemübungen erreicht werden kann. Nun folgt der nächst Schritt. Es geht um einen absoluten Grundbaustein aller Mysterien: Das Assoziative Denken. Das Assoziative Denken ist ein Denken in Entsprechungen und Analogien, also in der Form "Wie dieses, so auch jenes". Damit steht es im Kontrast zum allgemein bekannten Kausaldenken: "Weil dieses, deshalb jenes". Das Assoziative Denken gründet auf dem sogenannten Analogiegesetz, welches u.a. seine Niederschrift in der bekannten tabula smaragdina fand und häufig vereinfacht wie folgt zusammengefasst wird: Wie oben, so unten. Wie unten, so oben. ("Quod est inferius, est sicut quod est superius, et quod est superius, est sicut quod est inferius..." - tabula smaragdina)

Ich möchte im Folgenden dieses Gesetz zur Anwendung bringen und nach Analogie zur Atmung suchen: So wie sich der Atem "unten" im Menschen verhält, ebenso sollte es sich dem Analogiegesetz zufolge auch oben, beispielsweise im Himmel, verhalten. Ein erstes gutes Beispiel dafür ist der Sonnenlauf. Wichtig ist, zu beachten, dass bei der Anwendung des Analogiegesetztes die phänomenologische Erlebnisperspektive des Menschen beibehalten werden kann, in welcher sich z.B. die Sonne sichtbar um die Erde bewegt:

  1. Die Sonne geht auf.
  2. Die Sonne steht im Zenit (höchster Sonnenstand).
  3. Die Sonne geht unter.
  4. Die Sonne steht im Nadir (tiefster Sonnenstand), bzw. die Sonne ist weg.

Aber nicht nur die Sonne, sondern beispielsweise auch der Mond fügt sich ganz natürlich in diesen vierteiligen Rhythmus des Lebens ein:

  1. Der Mond nimmt zu.
  2. Der Mond ist voll - Vollmond.
  3. Der Mond nimmt ab.
  4. Der Mond ist leer - Neumond.
Vollmond - ewigeweisheit.de

Vollmond: Antara-Kumbhaka des Mondes (Bildquelle).

Natürlich können solche gefundenen Assoziationen auch für praktische Übungen verwendet werden. So kann z.B. die entsprechende Mondphase während der Atmung bei geschlossenen Augen imaginiert werden. Diese Übung findet sich beispielsweise unter der Bezeichnung Mondatmung bei Katja Wolff in ihrem durchaus lesenswerten Buch mit dem schlichten Titel 'Magie' (vgl.: Wolff, Katja: Magie. Kunst des Wollens - Macht des Willens. München: 1992, S. 184 ff). Der Phantasie und Kreativität, die verschiedensten sinnvollen Assoziationen mit der Atmung zu verbinden, sind dabei keine Grenzen gesetzt. Hier eine kurze Übungsbeschreibung in tabellarischer Form:

  1. Einatmen - vier Zählzeiten - Imagination: Der Mond nimmt immer weiter zu.
  2. Atem anhalten - zwei Zählzeiten - Imagination: Vollmond.
  3. Ausatmen - vier Zählzeiten - Imagination: Der Mond nimmt immer weiter ab.
  4. Atem anhalten - zwei Zählzeiten - Imagination: Neumond.

Beim Anhalten des Atems ist es äußerst wichtig, dies durch das Zwerchfell zu bewerkstelligen und niemals durch ein krampfhaftes Verschließen von Nasen- und Rachenraum! Es darf dabei grundsätzlich kein Druck oder Unterdruck in der Lunge entstehen. Als nächstes möchte ich gerne den Jahreskreis betrachtet, in welchem sich ebenfalls der Rhythmus des universellen Lebens finden lässt:

  1. Frühling: Es wird wärmer.
  2. Sommer: Es ist warm.
  3. Herbst: Er wird kälter.
  4. Winter: Es ist kalt.

Diesem Kreislauf folgt natürlich auch der Kreislauf der Vegetation, wie sich an den Bäum gut beobachten lässt:

  1. Der Baum treibt Blätter und Blüten.
  2. Der Baum steht in voller Blüte.
  3. Die Blätter und Blüten fallen ab.
  4. Der Baum steht kahl.

Es lassen sich noch eine ganze Menge anderer Analogien finden und ich möchte es an dieser Stelle gerne den Leserinnen und Lesern selbst überlassen, nach weiteren Entsprechungen zu suchen. Eine solche Analogie selbst zu entdecken und zu erfahren ist nämlich noch wesentlich beeindruckender, als irgendwo davon zu lesen! Ich meine allerdings, dass die bislang angeführten Beispiele genügen sollten, um einen Gedanken erkennbar zum Ausdruck zu bringen: Die vermeintlich einfachsten Dinge des Lebens, wie beispielsweise der Atem, spiegeln sich überall in der Natur und im Kosmos wieder. Wer dies erkennt und im Herzen begreift, in dem entsteht ein Gefühl der Verbundenheit mit allem, was ist, und des tieferen Sinns in allen Phänomenen. Im Leben des Menschen pulsiert derselbe Rhythmus, der auch im Baum, im Jahr, in der Sonne und im Mond pulsiert. Dieser Rhythmus ist das universelle Leben, ist Gott oder besser gesagt einer seiner Aspekte.

Die alten Kulturen schauten diese Wahrheit auf eine selbstverständliche, zum Teil fast kindlich einfache Weise, als sie Leben, Atem, Seele und Geist in ein und dasselbe Wort brachten. Und auch einer der wichtigsten, heiligen Gottesnamen der hebräischen Tradition, der Kabbalah, das sogenannte Tetragrammaton (τετραγράμματον: wörtlich heißt dies 'Vierbuchstabe'), scheint diesen Rhythmus in seinen vier Buchstaben geradezu unmissverständlich auszudrücken: Jehovah (יהוה - zu lesen von rechts nach links):

  1. י - Die Bewegung,
  2. ה - Der Zustand,
  3. ו - Die Gegenbewegung,
  4. ה - Der Gegenzustand.

Der Mensch ist durch Analogien verbunden mit der ganzen Welt und der Atem ist ein wunderbares Beispiel dafür. Zuletzt möchte ich noch zwei besonders interessante Facetten dieser Analogie ansprechen. Die erste ist das Bild des atmenden Brahma in der indischen Philosophie. Brahma, so heißt es, atme ein und aus, und so entstehe und vergehe immer wieder die ganze Welt in einem gewaltigen Zyklus. In diesem Bilde findet sich ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis des Verhältnisses von Zeit und Ewigkeit. Eine Fragestellung, die auch den Neoplatoniker Plotinus im dritten Buch der Eneaden und den christlichen, lateinischen Kirchenlehrer Augustinus von Hippo im elften Buch seiner Confessiones stark beschäftigte. Das indische Bild vom atmenden Brahma bringt dieses Verhältnis auf den Punkt. Brahma atmet in Ewigkeit, in seinem Atem entsteht und vergeht die Welt und damit auch die Zeit:

  1. Brahma atmet aus: Die Welt und die Zeit entstehen.
  2. Brahma hält den Atem an: Die Welt und die Zeit existieren.
  3. Brahma atmet ein: Die Welt und die Zeit vergehen.
  4. Brahma hält den Atem an: Die Welt und die Zeit existieren nicht.

Das zweite besonderes Bild, was ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen möchte, betrifft die Reinkarnation des Menschen. Bereits in der Illias von Homer findet sich im sogenannten Blättergleichnis (Homer: Illias VI, 146 - 149) der Vergleich zwischen den Menschengeschlechtern und den Blättern der Bäume. Wer erkennt, dass die ganze Natur vom Kreislauf des Lebens geprägt ist - Atem, Sonnenlauf, Jahreslauf, Mond ... -, dem wird es immer schwerer fallen, zu glauben, dass das menschliche Leben sich wie eine mathematische Strecke verhalt soll, mit Anfang und Ende. Die folgenden Entsprechungen sollen diesen Umstand verdeutlichen:

  1. Frühling: Die knospenden Bäume treiben die Blätter. - Der menschliche Körper wird geboren. - Die Seele inkarniert.
  2. Sommer: Die Bäume stehen in voller Pracht. - Der menschliche Körper ist voll entwickelt. - Die Seele lebt im Körper.
  3. Herbst: Die Blätter fallen als Laub zu Boden. - Der menschliche Körper stirbt. - Die Seele trennt sich vom Körper.
  4. Winter: Die Bäume stehen kahl. - Der Körper löst sich auf, bzw. ist aufgelöst. - Die Seele lebt außerhalb der materiellen Welt.

Ebenso also, wie der Baum sich jedes Jahr neue Blätter schafft, so schafft sich auch die Seele jedes Erdenleben einen neuen Körper. Der Rhythmus des Lebens, welcher zugleich der Rhythmus des Atems ist, gewährt dem Menschen unter Anwendung des Analogiegesetzes tiefste Einblicke in die Mysterien des ewigen Lebens. Erforsche Deinen Atem, erforsche die Welt, erforsche das Leben, erforsche Dich selbst!

Der Atem und die Lebenskraft: Prana - Qi - Od

Der Atem und die Lebenskraft: Prana - Qi - Od

Dieses Kapitel ist der Lebenskraft gewidmet. Dabei möchte ich einige der verschiedenen Begriffe für diese Kraft benennen, auf die besondere Verbindung von Lebenskraft und Atem eingehen und zudem die Wirkung und das Wesen dieser Kraft ansprechen. Des Weiteren soll auch die Frage danach nicht unbeachtet bleiben, ob diese Lebenskraft überhaupt tatsächlich existiert.

Wird der Atem aus einer modernen, naturwissenschaftlichen Perspektive heraus betrachtet, so offenbart er sich als ein Austausch von Gasen. Dies ist sicherlich richtig und auch interessant, aber da die meisten Leserinnen und Leser über diese Prozesse wohl ausreichend informiert sein dürften, verzichte ich darauf, diese Vorgänge genauer zu beleuchten.

Wichtig aber ist nun das Folgende: Die Naturwissenschaften arbeiten mit ganz bestimmten Methoden und kommen dadurch zu bestimmten Ergebnissen. Andere Künste und Wissenschaften können jedoch zu anderen Ergebnissen gelangen, indem sie andere Wege beschreiten. Das Wort 'Methode' nämlich kommt aus dem Alt-Griechischen von ἡ ὁδός (= der Weg) und der Präposition μετά (= mit/mittels/gemäß) und bezeichnet einen bestimmten Weg, eine feste Herangehensweise, gemäß welcher verfahren wird. Die Ergebnisse, welche aus den verschiedenen Herangehensweisen resultieren, können einander somit ergänzen und müssen nicht als Widersprüche aufgefasst werden.

Ebenso verhält es sich in Bezug auf den Atem. Verschiedene Mysterientraditionen aus den unterschiedlichen Kulturen der Welt sehen noch etwas anderes im Atem als den bloßen Austausch von Gasen. Etwas Unwägbares, bislang Unmessbares, so behaupten diese Traditionen, liege der Atmung zugrunde: Die Lebenskraft. Im fernen Asien heißt diese üblicherweise Qi, im Sanskrit und somit im Yoga spricht man vom Prana und in den westlichen Mysterienschulen trägt sie zumeist den Namen Od. Diese Lebenskraft - Od, Prana, Qi - so heißt es, liege allen Lebensäußerungen zugrunde.

Ying Yang - ewigeweisheit.de

Ying und Yang als Symbol für das Qi im Daoismus, welches beide Polaritäten in sich vereint (cc).

Das Prana - ich verwende die Ausdrücke im Folgenden synonym - bildet das Zwischenglied zwischen Geist und Materie. Es ermöglicht die gegenseitige Wechselwirkung und somit alles, was der Mensch als Leben bezeichnet. Es lässt sich durch die verschiedensten praktische Übungen kontrollieren, ansammeln und ausströmen und bildet das Medium für die unterschiedlichsten spirituellen und magischen Praktiken: Durch das Prana können Menschen heilen (auch das Reiki beruht in seiner Wirkung auf dem Prana), besondere Bewusstseinszustände erlangen, die ungewöhnlichsten körperlichen Leistungen vollbringen (besonders eindrucksvoll im Qi Gong und Kung Fu), Energien z.B. von der Sonne, dem Mond oder der Natur aufnehmen und magische Phänomene bewirken.

Das Thema Lebenskraft hat gewiss eine eigene, umfassende Untersuchung verdient, doch in diesem Artikel möchte ich es bei dem Gedanken belassen, dass es überhaupt eine Lebenskraft gibt und dass der Atem ein besonderes Medium darstellt, um mit dieser Kraft in Kontakt zu treten und zu interagieren. Eine Frage allerdings soll noch behandelt werden: Gibt es diese Lebenskraft, Qi, Prana, Od, denn tatsächlich oder handelt es sich dabei doch eher um ein Gespinst von spirituellen Romantikern und verqueren Esoterikern?

Nun, beantworten möchte ich diese sich nicht ganz einfache Frage durch eine persönliche Anekdote: Gegen Ende meiner Schulzeit wohnte ich in München. Damals übte ich mich über etwa vier Jahre im Shaolin Kung Fu (Wushu) an der WuYuan Schule bei Meister Sun Jianguo. Stets war ich sehr beeindruckt von den körperlichen Fähigkeiten, der Schnelligkeit, der Gewandtheit und der Aufmerksamkeit meines Meisters. Zur gleichen Zeit absolvierte ich gerade mein Abitur am naturwissenschaftlichen Zweig eines Gymnasiums im Münchner Landkreis.

Nun kam es gelegentlich vor, dass der Meister vom Qi sprach, welches man fließen lassen könne und welches für die richtigen Bewegungen wichtig sei. Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich mich damals innerlich fragte: "Vom Qi habe ich niemals etwas in der Schule gehört, weder in Biologie noch in Physik oder Chemie. Was soll dieses Qi also sein?" Für mich ließ dieser Umstand nur die zwei folgenden Schlüsse zu: Entweder ist diese Kraft den Naturwissenschaften und meinen Lehrern nicht bekannt, oder der Meister, den ich, wie bereits gesagt, in vielerlei Hinsicht für seine praktischen Fähigkeiten bewunderte, dieser Mann - mit Verlaub - glaubt wohl an Märchen, was dieses Qi betrifft. Und so traurig es auch klingen mag, so nachvollziehbar ist es irgendwie: Damals hielt ich die zweite Variante für die deutlich wahrscheinlichere Antwort und fand mich damit ab, dass das sogenannte Qi wohl eher ein chinesisches Märchen sei und für meine praktische Übung nicht relevant...

Was möchte ich mit dieser Geschichte sagen? Zum einen, dass der westliche, rationale Mensch häufig ein sehr großes Vertrauen in die alleinige Wahrheit der naturwissenschaftlichen Erkenntnis legt. Dies grenzt zuweilen an einen Dogmatismus, der genau genommen alles andere als rational ist: Der unbegründete Glaube an dasjenige Weltbild, in welchem ich aufgewachsen bin. Zum anderen, dass sich die Frage nach der tatsächlichen Existenz der Lebenskraft zumindest bislang nur auf eine subjektive, empirische und praktische Weise ergründen lässt - durch eigene Versuche, Forschungen und Erfahrungen.

Viele Jahre später kam ich mit Yoga und westlicher Magie in Berührung. Ich experimentierte selbst mit Atemübungen, Pranayama und anderen Techniken, um 'das Qi fließen zu lassen'. Irgendwann gehörte es für mich fast schon zu den Selbstverständlichkeiten, dass ich spürte, wie das Qi fließt. Und heute bin ich persönlich von dessen Existenz genauso überzeugt, wie von der Existenz meines eigenen Herzschlags. Aber die Leserinnen und Leser dieses Artikels werden es auch nicht unbedingt glauben müssen oder können, nur weil ich von meiner persönlichen Erfahrung berichte. Die eigene Erfahrung ist unverzichtbar - und dies gilt wohl auch für alle anderen Bereiche der Magie, der Mystik und der Spiritualität.

Der Quantenphysiker Werner Heisenberg erwähnte einst die interessante und sinnvolle Unterscheidung zwischen Realität und Wirklichkeit (vgl.: Heisenberg, Werner: Der Teil und das Ganze. Gespräche im Umkreis der Atomphysik. München: 1988, S. 23): Realität, von der lateinischen res (die Sache) herkommend, umfasst für ihn die wahrnehmbaren Gegenstände, wie etwa einen Stuhl oder einen Tisch. Zur Wirklichkeit wiederum gehört für ihn alles, was eine Wirkung hat. So z.B. die Elektronen, welche dem Menschen zwar nicht als Sache entgegentreten, deren Wirkung und Wirklichkeit sich allerdings während der Lektüre dieses Textes auf einem elektronischen Bildschirm schwer verleugnen lässt.

Das Od ist eine Wirklichkeit, auch wenn es nicht Teil der Realität ist. Es ist keine sinnlich wahrnehmbare Sache, aber wer sich in der Praxis damit auseinandersetzt, der wird früher oder später kaum verneinen können, dass es spürbar auf ihn wirkt. Wer die Lebenskraft erkennen will, der muss sich praktisch mit ihr beschäftigen. Da hilft leider kein Bücherlesen... Einige sehr schöne und empfehlenswerte Gedanken zum Verhältnis von Bücherwissen und erlerntem/erfahrenen Wissen finden sich übrigens auch im platonischen Mythos von der Erfindung der Schrift (Platon: Phaidros 274e1 - 275b2).

Vielleicht hat die oder der eine oder andere nun bereits Lust bekommen selbst einige Experimente mit Atemübungen zu versuchen. Dies ist natürlich sehr zu begrüßen. An dieser Stelle ist allerdings der folgende Hinweis angebracht und unbedingt zu beachten: Atemübungen sind aus verschiedenen Gründen durchaus nicht ungefährlich. Wer sich also an die Praxis heranwagen möchte, dem sei hiermit wärmstens empfohlen, sich zuvor mindestens einmal gründlich zu informieren und nach Möglichkeit gerade am Anfang unter der Anleitung und Aufsicht eines erfahrenen Lehrers zu praktizieren! Ein empfehlenswertes Buch zur Vertiefung dieser Thematik ist: Licht auf Pranayama von B.K.S. Iyengar.

Mysterien des Atems

Mysterien des Atems

Atem, Atem und Leben, Atem und Geist. Weniges wohl im Leben ist so unscheinbar wie der Atem. Doch wer sich mit den Mysterien dieser Welt beschäftigt, der dürfte wohl bald ahnen, dass zumeist gerade die alltäglichsten Dinge und die unauffälligsten die tiefsten Geheimnisse bergen, nicht aber das Laute und Reißerische. Einige dieser Mysterien des Atems sollen im folgenden Artikel vorgestellt werden.

Die Bedeutung des Atems

Atemübungen stellen in vielen spirituellen Traditionen einen wesentlichen und unverzichtbaren Grundpfeiler der eigentlichen Praxis dar. Im indischen Yoga sind sie bekannt unter dem Namen Pranayama, in China spricht man von Qi Gong und auch die westlichen Mysterientraditionen kennen eine Vielzahl entsprechender Übungen. Der Grund für die Wichtigkeit des Atems in der spirituellen Praxis soll im nächsten Kapitel beleuchtet werden. Zunächst aber folgt noch ein kurzer Blick auf das sprachliche Umfeld des Atembegriffs.

Die alten Sprachen, welchen häufig ein besonderes, intuitives oder überliefertes Verständnis der Welt zugrunde liegt, deuten auf weitreichende Zusammenhänge zwischen Atem, Geist, Seele und Leben hin. Beispiele hierfür sind das altgriechische Pneuma (τὸ πνεῦμα), was sich beispielsweise als Atem, Odem, Leben, Geist und Seele übersetzen lässt. Des Weiteren die hebräische Ruach (רוח), übersetzbar u.a. als Hauch, Atem, Wind, Lebensprinzip, Seele, Geist, Sinn und Gemüt. Auch der lateinische Spiritus (spiritus) umfasst ein Bedeutungsfeld, welches von Luft und Hauch über Atem, Leben, Seele und Geist bis hin zu Mut und dichterischem Schaffen reicht.

Bereits hier zeigt sich deutlich, dass der Atem in engem Zusammenhang mit Geist, Leben und Seele steht: Er begleitet den Menschen wahrhaftig vom ersten bis zum letzten Atemzug, er verbindet das Reich von Menschen und Tieren mit dem Reich der Pflanzen in einem wunderbaren Kreislauf der Natur und er bildet einen wichtigen Schlüssel zu vielen Mysterien des Lebens. Die vier folgenden, besonderen Mysterien des Atems möchte ich in diesem Artikel vorstellen:

  1. Der Atem als Träger der Lebenskraft;
  2. Der Atem im Zusammenhang mit dem Rhythmus des universalen Lebens;
  3. Der Atem als Bindeglied zwischen "Oben und Unten";
  4. Der Atem als Symbol für die Freiheit des Menschen.

Qi-Gong: Eine Methode zur Kultivierung von Körper und Geist

von S. Levent Oezkan

Qi-Gong - ewigeweisheit.de

Durch sanfte Körperbewegungen, die im Fluss des Atems erfolgen, kann man durch Qi-Gong sein Bewusstsein klären und zugleich die Körperenergie ausgleichen. Qi-Gong ist ein wahrer Jungbrunnen ewigen Lebens.

Mit den Techniken des Qi-Gong, erhält ein Übender Zugang zu einer grenzenlosen Quelle von Frieden, Gesundheit und Lebenskraft. Auf dem Weg des Qi-Gong hält sich der Übende gesund und stärkt sich für die Herausforderungen des Alltags. Seien es Stress oder seelische Belastung: Qi-Gong hilft zu heilen, zu stärken und vorzubeugen.

Eine kurze Geschichte des Qi-Gong

Die Tradition des Qi-Gong ist uralt: vor 4000 Jahren im alten China entstanden, entwickelte sich eine Vielzahl verschiedener Schulrichtungen. Insbesondere die Traditionelle Chinesische Medizin profitiert von den vorbeugenden und heilenden Übungen des Qi-Gong. Auch im Konfuzianismus genießt die Praxis des Qi-Gong hohes Ansehen, gilt es doch als Form zur Verbesserung des moralischen Charakters. Insbesondere aber der Taoismus und Buddhismus integrierten Teile des Qi-Gong in ihre Meditationspraktiken.

Qi-Gong war aber schon immer mehr als nur eine praktische Körperübung. Seine gesamte Philosophie bildet die Fundamente einer meditativen, »Inneren Alchemie«.

Ziel der gesamten Qi-Gong-Philosophie ist das menschliche Leben ganzheitlich zu transformieren und niedere Aspekte des Seins auf körperlicher, emotionaler und geistiger Ebene zu veredeln. Insbesondere die Aspekte der taoistischen Meditationspraxis helfen einem Menschen Qi-Energie in seinem Körper zirkulieren zu lassen.

Traditionell wurden die Lehren des Qi-Gong vom erfahrenen Meister zum Schüler weitergegeben. Dies erfolgt normalerweise mit geheimen, esoterischen Unterweisungen von Mund zu Ohr und der direkten Einweihung in die gymnastischen Körper- und Atemübungen des Qi-Gong.

Lebensenergie im Fluss

Qi-Gong ist ein spirituelles System, das man sein ganzes Leben üben kann. Darum praktizieren in China viele Menschen die Kunst des Qi-Gong noch bis ins hohe Alter.

Qi ist die universale Urenergie – Gong die Arbeit, die Übung zur Unterstützung des Lebensflusses. Als Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin, hilft Qi-Gong dem Übenden die Lebensenergie in seinem Körper zu harmonisieren, die Urprinzipien von Yin und Yang auszubalancieren. Durch die physischen und spirituellen Übungen des Qi-Gong wird Qi-Energie durch die feinstofflichen Meridiane des Körpers befördert, ausgeglichen und verstärkt. Es ist eine Übung der Gesundung von Körper, Seele und Geist, werden durch sie doch die Quantität und Qualität menschlicher Lebensenergie erhöht.

Wer als Kranker Qi-Gong übt, kann Blockaden des Qi im Körper beheben und den natürlichen Fluss der Lebensenergie harmonisieren. Damit kann er seine Gesundheit wiederherstellen, aber auch Krankheiten vorbeugen. Aus diesem Grund wird in China Qi-Gong auch angewendet, um Menschen zum Beispiel bei ihrer Krebstherapie zu unterstützen.

Ein Arzt der Traditionellen Chinesischen Medizin kann seinem Klienten direkt mit Methoden des Qi-Gong behandeln. Denn jeder Mensch, jeden Alters und jeder körperlichen Verfassung, kann Qi-Gong üben. Dafür zeigt ihm der Arzt eine Reihe sogenannter »Innerer Übungen«, um mit ihnen die drei lebensfördernden Schätze des Menschen zu aktivieren:

  • Qi – die Lebensenergie,
  • Jing – die Essenzen des Körpers und
  • Shen – den menschlichen Geist.

Qi-Gong-Übungen helfen den harmonischen Qi-Energiefluss im Körper zu stärken, damit das Jing zu bewahren, um letztendlich das Shen zur Erleuchtung zu führen.

Jene Übungen zur Aktivierung von Qi, Jing und Shen, basieren aber auf konzentrierten Geist-, Atem- und Körperbewegungen. Diese dynamischen Übungen und Meditationen besitzen sowohl Yin- als auch Yang-Aspekte. Man sagt:

Das Yin ist es; das Yang macht es.

Yin-Qi-Gong-Übungen erfolgen durch entspanntes Dehnen, Visualisieren und meditatives Atmen. Yang-Qi-Gong-Übungen werden dynamisch ausgeführt. Sie sind außerdem besonders wirksam zur Unterstützung des Immunsystems.

Übungen für Körper, Atem und Geist

Wer regelmäßig Qi-Gong praktiziert, erzielt positive Wirkungen für sein Leben, stärkt seine Widerstandsfähigkeit und unterstützt sich in Heilungs- und Genesungsprozessen.

Die Übungen des Qi-Gong regulieren körperliche Aspekte, die Atmung und das Denken. Sowohl Bewegungsübungen, wie auch Stille Meditationen, Massage, Gesang, Klangmeditation und berührungslose Behandlungen, kommen im Qi-Gong zur Anwendung.

Grundsätzlich lassen sich die Qi-Gong-Übungen in zwei fundamentale Kategorien einteilen:

  1. Dong-Gong: das dynamische, aktive Qi-Gong, dass in langsamen, fließenden Bewegungen ausgeführt wird.
  2. Jing-Gong: das meditative, passive Qi-Gong, das man durch besondere Ruhepositionen und Atemverfahren übt.

Aus therapeutischer Sicht, lässt sich Qi-Gong zudem unterteilen in:

  1. internes Qi-Gong, das auf die Kultivierung des Selbst abzielt und
  2. externes Qi-Gong, wo ein Therapeut ins Spiel kommt, der seinem Klienten hilft Qi auf seinen Körper zu übertragen und darin zu lenken.

Während die Details der Umsetzung verschiedener Übungen variieren, werden die Qi-Gong-Formen auch aus vier Arten von Übungen kombiniert: dynamisch, statisch, meditativ und mit Hilfe externer Mittel.

Körperübungen

Die erste innere Übung erfolgt durch das Einnehmen besonderer Körperhaltungen. Sie helfen falsche Haltungen zu korrigieren. Heutzutage sitzen viele Menschen die längste Zeit des Tages. Das natürlich schwächt den Rücken. Energiefluss und Qi-Verteilung im Körper werden dabei blockiert. Man braucht mehr Energie für Bewegungen, die eigentlich an anderer Stelle des Körpers wichtig wären. Hierdurch kann die Anfälligkeit für Verletzungen oder Krankheiten erhöht werden.

Durch die Haltungen des Qi-Gong jedoch, lässt sich der Rücken stärken und die Wirbelsäule aufrichten. Natürlich führt das zu einem verbesserten Fluss der Qi-Energie in der Wirbelsäule. Das Resultat: wir fühlen uns stark, ermüden nicht so schnell, klären unseren Geist und schärfen seine Wahrnehmung. Qi-Blockaden werden verringert, womit sich auch chronische Krankheiten behandeln lassen (z. B. Bluthochdruck, Verdauungsstörungen, Stress oder sexuelle Funktionsstörungen).

Im regelmäßigen Üben der Bewegungsabläufe des Qi-Gong (Formen), kann eine optimale Gewichtsverteilung im Körper erzielt werden, wodurch sich eine natürliche Balance und Körperhaltung herstellen lassen. Gleichzeitig werden die inneren Organe gestärkt, Muskeln, Knochen und Gelenke werden trainiert.

Das besondere an den Qi-Gong-Körperübungen ist, dass sowohl durch die Bewegungen, wie durch die Ruhepositionen, sowohl der Körper gestärkt wird, doch ebenso Entspannung und Stresskontrolle erzielt werden können. Damit wird Krankheiten vorgebeugt und das gesamte Bewusstsein auf allen Ebenen erweitert.

Die dynamischen Qi-Gong-Übungen (Dong-Gong) werden in bestimmten Formen geübt. In fließenden Bewegungen, lassen sich Körper, Atem und Bewusstsein kräftigen. Gewiss erinnern die Formen des Qi-Gong auch an jene Bewegungsabläufen im Tai-Chi. Die statischen Körperhaltungen im Qi-Gong ähneln den Positionen des indisches Yoga.

Im Qi-Gong werden insbesondere auch die anmutigen Bewegungen von fünf Tieren (Wu Qin Xi Qi-Gong) nachgeahmt: Tiger, Hirsch, Bär, Affe und Vogel (z. B. Kranich). Hierdurch wird der Durchfluss von Blut, Körperessenzen (z. B. Lymphe) und Qi im Körper erhöht.

Menschen die Beschwerden haben oder krank sind, spüren ihren Körper alleine durch ihren Schmerz. Dem entgegenwirkend ist natürlich die dynamische Qi-Gong-Übung, durch die der Praktiker ein natürliches Gefühl für seinen Körper und seine Bewegungen durch den Raum entwickelt.

Atemübungen

Durch Hektik im Alltag, durch falsche Sitzhaltung, durch Dauerkonsum angstverursachender Meldungen in TV oder sozialen Medien, wird der natürliche Atemfluss irritiert. Die Folge: der Atem wird allmählich immer flacher. Beim Einatmen füllt sich zwar unsere Brust mit Luft, doch nur wenig Luft gelangt in den Bauch. Außerdem erzeugen Stressmomente, oder schockierende Nachrichten, wenn auch unbewusst, immer eine Störung des unwillkürlichen Atemprozesses. Wer nun über lange Jahre hinweg falsch atmet, bringt sich aus dem Gleichgewicht, sowohl körperlich, emotional, wie ebenso geistig. Man kann durchaus sagen, dass der Durchschnittsmensch bis ins Erwachsenenalter, richtiges Atmen regelrecht verlernt. Als wir auf die Welt kamen, atmeten wir auf angeborene, natürliche Weise. Ziel der Atemübungen im Qi-Gong ist die Korrektur falschen Atmens.

Die im Qi-Gong verwendete Atemform nun, ist die Bauchatmung. Durch diese Atemübung kommen die Lebensessenzen im Körper in Fluss und die Verteilung des Qi wird harmonisiert.

Hierbei atmet man so, dass sich zuerst der Bauch ausdehnt und hernach sich die Brust mit Luft füllt. Beim Ausatmen gibt man Acht, dass sich umgekehrt am Ende der Atembewegung der Bauch beim Ausatmen zusammenzieht – nicht angestrengt, doch ganz natürlich uns sanft. Es reicht vollkommen aus, diese Bewegung ganz allmählich und sanft, in unser natürliches Atmen zu integrieren.

Nicht aber alleine die Technik ist wichtig, sondern vielmehr das regelmäßige Üben. Wieso? Man lernt eben wieder bewusst zu Atmen. Atmen ist Leben!

Regulierung geistiger Vorgänge

Den Geist im Hier und Jetzt zu stabilisieren ist eines der Ziele des Qi-Gong. In verschiedenen buddhistischen Traditionen versucht man Geistesaktivität zu beruhigen, indem man sich auf ein äußeres Objekt konzentriert (etwa auf den durchsichtigen, bläulichen Teil der unteren Flamme einer Kerze) oder in innerer Konzentration auf den Atem, in dessen Rhythmus etwa ein besonderes Mantra gedacht wird (das kann z. B. auch die Rezitation eines Gebets sein). Der Geist lässt sich dabei durch Vergegenwärtigen des aktuellen Moments stabilisieren.

Zwar ist es unmöglich nicht zu denken, zumindest aber können wir uns für bestimmte Zeitspannen in einen inneren Raum geistiger Ruhe und Leere begeben. Ziel ist einen Grundzustand reinen Bewusstseins zu erreichen, worin man sich von Gedanken und Emotionen löst. Das hilft Stress abzubauen und das Bewusstsein für den Augenblick zu verbessern.

Durch regelmäßiges Üben eines gegenwärtigen Bewusstseins, wird die Wahrnehmung achtsamer: allmählich zeigen sich die Dinge in ihrer wahren Form.

Im Qi-Gong werden die Körper- und Atemübungen kombiniert. Wer diese Qi-Gong-Praxis vollbewusst und aufmerksam praktiziert, sich gleichzeitig auf Bewegungs- und Atmungsform konzentriert, dem bleibt gar nichts anderes übrig, als den Gedankenstrom zum Erliegen zu bringen. So lassen sich ärgerliche Erinnerungen aus der Vergangenheit langsam auflösen und auch projizierte Zukunftsängste werden in ein Gewahrsein des Jetzt verwandelt und dabei ihre negative Wirkung entspannt.

Nur die Gegenwart ist wahr – Vergangenheit und Zukunft sind reine Projektionen unseres Geistes. Wer das verstanden hat ist auf dem besten Weg seinen Stress zu mindern und sich aus seinen Sorgen zu entwirren.

Gesundheit bewahren

Ruhe und Entspanntheit für Körper und Geist: das sind die Voraussetzungen für ein gesundes Leben. Wer Qi-Gong übt, kann diesen Zustand bewahren und ein stressfreies Leben gestalten.

Häufig leiden wir unter dem, was einst vorgefallen ist, teilweise etwas das weit in der Vergangenheit liegt. Es sind die Erinnerungen, die unseren Geist eintrüben und sich manchmal zu Verhärtungen in unserem Körper aufschichten. Doch um so etwas aufzulösen, müssen wir uns auf eine Sache konzentrieren: das Loslassen.

Doch nicht allein was in uns oder aus unserer Vergangenheit an uns dranhängt: auch äußere Lasten müssen wir nach und nach abbauen. Es führt manchmal sogar kein Weg daran vorbei, mit etwas auch einfach Schluss zu machen, von jetzt auf gleich. Natürlich können auch solche Loslösungen Belastungen mit sich bringen. Doch dies sind temporäre, negative Emotionen, durch die uns auch Qi-Gong-Übungen hinweghelfen können.

Es gilt nicht alleine den Körper stark zu halten, sondern auch den Geist. Ein starker Geist aber ist vor allem eins: er ist klar und ruhig. Ist das der Fall, kann Qi-Energie fließen, die auch unseren Körper befähigt mehr Kraft und Gesundheit zu akkumulieren.

Umgang mit Krankheit

Es ist schwieriger eine Krankheit zu heilen, als sie zu verhindern. Wer regelmäßig Qi-Gong übt, kann einer Krankheit vorbeugen. Doch auch wenn jemand bereits krank ist, können Qi-Gong-Übungen eine entscheidende Rolle spielen bei der Wiederherstellung eines gesundheitlichen Gleichgewichts.

Alle Qi-Gong-Übungen basieren auf den polaren Urprinzipien von Yin und Yang – Dunklem und Hellem, Weichem und Hartem, Langsamem und Schnellem, Innerem und Äußerem. Im Qi-Gong wird versucht diese polaren Größen miteinander zu harmonisieren, mit dem Ziel den Fluss von Qi im Organsystemen, in den Meridianen und in den Körperessenzen anzuregen.

Qi-Gong für ein langes Leben

Qi-Gong war im Alten China keineswegs eine Alltagspraxis. Nur die Eingeweihten in den Klöstern der buddhistischen und der taoistischen Traditionen, hatten Zugang zu diesem esoterischen Wissen. Man lehrte dort, wie man die Urkraft Qi, über die geheimnisvollen acht Nebenmeridiande, in das Knochenmark leitet, um es dabei zu reinigen und zu energetisieren. Diese Übung war in etwa so, als würde man überschüssige Qi-Energie im Innern der Knochen speichern. Das ist natürlich sehr interessant vor dem Hintergrund, das ja der wichtigste Lebenssaft unseres Körpers, nämlich das Blut, im Knochenmark gebildet wird.

Der Legende nach, war jenen die mit dieser Technik vertraut waren ein sehr langes Leben gewiss: manche sprechen von einer Lebensspanne von gar 150 Jahren oder länger. Ein taoistisches Sprichwort saht dazu:

Einhundertzwanzig Jahre bedeutet, jung zu sterben.

Obwohl sich nur wenige von uns der strengen Praxis dieser Mönche widmen können, bleibt unbestritten, das das Üben von Qi-Gong einen hohen gesundheitlichen Nutzen hat und die allgemeine Lebensqualität fördert.

Auf dem Weg zum Licht

In ihrem Streben nach höherer Bewusstheit, verwenden buddhistischen Weise und die Adepten des Tao, die esoterischen Techniken des Qi-Gong. Dabei versuchen sie ihr Shen, ihre hochgeistigen Fähigkeiten, zu beeinflussen. Dies erfolgt über die oben erwähnte Steuerung des Qi-Flusses, über die acht Nebenmeridiane, in Richtung der Stirnmitte. So erhöhen sie ihre Bewusstheit, gelangen darüber auf einen höheren Zustand eines Superbewusstseins.

Doch auch jeder Andere, kann sich solch einer hohen Wahrnehmung annähern, indem er regelmäßig Qi-Gong übt. Denn jedem steht es offen, so wie auch jene Adepten, einen Weg zur Erleuchtung zu finden.

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Im Einklang mit dem Tao: Leben im kosmischen Fluss

von S. Levent Oezkan

Der Taoismus ist Chinas authentische, religiöse Weisheitstradition. Selbst wenn im Taoismus verschiedene Elemente anderer chinesischen Traditionen verschmelzen, steht diese Weltanschauung doch für sich. Taoismus muss darum aber nicht als Religion oder Philosophie systematisiert werden.

Er eint in sich spirituelle wie praktische Weisheitslehren. Der Weg des Tao kann für jeden Menschen eine Quelle wahrer Erleuchtung sein.

Das theoretische Lehrgebäude des Taoismus, basiert auf der Formulierung besonderer Weisheitssprüche. Sie verband man in alter Zeit mit spirituellen Praktiken, um den Menschen damit zur Selbstverwirklichung zu führen - zum Wohle allen Seins.

Das Tao

Als Gründungsschrift des Taoismus, gilt das Tao Te King: das Buch des Weges und seiner Tugend. In diesem Werk des mythischen Philosophen Laotze, finden sich viele Aphorismen, die den Leser zu Tugend und Weisheit führen können. Auch das Zhuangzi soll hier erwähnt sein: das Buch des Meisters Zhuang. Der im 4. Jhd. v. Chr. lebende Gelehrte, vertrat eine autoritätsfeindliche Philosophie, die außerdem eine Rückwendung zur Natur forderte. Vor allem durch Meister Zhuang wurden im Laufe der Geschichte des Taoismus, viele Lehren vebreitet, die dem Schüler des Tao halfen, mit den darin behandelten, essentiellen Lehren und Weisheiten umzugehen - im Einklang mit Leben und Natur.

Was aber bedeutet "Tao"?

Tao wird eigentlich nur als Begriff benutzt, um sich auf etwas beziehen zu können, wenn man über das spricht, wofür der Begriff steht. Das Wort Tao an sich aber, lässt sich nur schwer fassen. Ungeeignet erschiene mir, es einfach mit einem deutschen Begriff zu übersetzen. Es widerspräche dem Sinn, der hinter diesem recht sonderbaren Wort steht.

Man belegte das Wort in der Vergangenheit dennoch mit zwei Hauptbedeutungen: "der Weg" und "die Methode" - gewissermaßen eine philosophische Anleitung, wie man sich, durch Denken und Handeln, auf dem Weg der Selbstkultivierung verhalten muss.

Einfacher vielleicht ist es, dass Tao in der Art seiner Ausübung zu umschreiben. Denn Ziel des Tao ist, das niedere Selbst mit dem höheren Selbst zu bezwingen und auf diese Weise die niederen Seelenaspekte irgendwann aufzulösen. Mit dem Tao-Begriff wird auch hingewiesen auf ein absolutes Prinzip, aus dem alle Formen und Erscheinungen in der Welt hervorgehen. Das Tao an sich aber bleibt unerkennbar. Weder hat das, was das Tao beschreibt, eine besondere Form, noch kann man die dahinter stehenden Prinzipien über die Sinne wahrnehmen oder durch Bilder und Worte beschreiben. Die wahre Bedeutung des Tao zu erklären, ist also ebenso unmöglich, wie das, was als Wahrheit hinter dem Namen "Gott" steht.

Was das Tao enthält, sind die Essenzen der hinter ihm wirkenden philosophischen Prinzipien. Als Ganzes bilden sie den Keim aller weltlichen Existenzen und nehmen im Tao ihren Anfang; sie werden aus ihm geboren, als Mutter aller Erscheinungen.

Der Weise Laotze - ewigeweisheit.de

Der Weise Laotze auf einem Stier reitend. Der Stier als Symbol des Körpers, der vom erhabenen Geist (Laotze) beherrscht wird.

Die Spirituelle Kosmologie des Taoismus

Das Konzept von Yin und Yang, bildet in den acht, aus ihnen zusammengesetzten Trigrammen, den daraus kombinierten 64 Hexagrammen des I-Ging und den fünf taoistischen Elementen, die Grundlage taoistischer Kosmologie. Gemeinsam entstehen daraus die unendlich mannigfaltigen Erscheinungen des Kosmos.

Sie stehen für die vervielfältigen Prinzipien jener Ureinheit, deren Wurzeln im Konzept des Tao wurzeln. Andererseits aber helfen die hier angedeuteten 64 Wandlungsstufen des I-Ging, dem Sucher dabei Wege zu finden, die ihn zu dieser Ureinheit (zurück)führen und damit sein Leben, ihm zugute neu zu ordnen. So existiert etwa die Divination mit den 64 Hexagrammen, die einem Frager wichtige Anhaltspunkte liefern können. Gleichzeitig aber ist das I-Ging auch ein Sammlung von Weisheitssprüchen. 

Auch Alchemie galt den weisen Taoisten als Weg. Wie ihrerseits die Alchemisten im Westen, suchten auch die Taoisten nach dem geheimnisvollen Stein der Weisen - dem Elixier des Lebens. Mit Hilfe dieser geheimnisvollen Substanz, konnten sie in die kosmische Konfiguration des absoluten Tao eingreifen, Metalle in Gold umwandeln, Kranke heilen und selbst das Leben eines Menschen beliebig verlängern.

Mensch und Kosmos

Immer ging es den Taoisten um die Erfahrung der kosmischen Einheit und Harmonie aller Dinge, in die das Leben des Menschen gebettet ist. Und so wie der Mensch als lebendiges Wesen, Teil der universalen Ordnung ist, so kann er sich auch als Individuum, als Teil der Gesellschaft erkennen. Daher der Wunsch der Taoisten, das Selbst zu kultivieren.

Weniger aber wird im Taoismus menschliche Perfektion angestrebt, noch versuchten die alten Weisen Anleitungen zu liefern, wie ein Mensch sich selbst zu einem "vollkommenen Wesen" entwickeln soll. Vielmehr geht es darum, den Sucher auf seinem Weg darüber aufzuklären, welche Hindernisse sich ergeben können und was er aus dem Weg räumen muss, damit eben jene Verwirklichung des Selbst erfolgen kann.

Insbesondere das Ablassen vom Wollen, das Bedürfnis aufzulösen, etwas durch bestimme Handlungen erreichen zu wünschen, gilt den Anhängern des Tao als höchst erstrebenswert. Man enthält sich einem gegen die Natur gerichteten Handeln, was man im Tao das Wu Wei nennt: das Nicht-Tun. Dieser Begriff gründet auf der Anschauung, dass alles aus dem Tao fließt und damit bereits die Ordnung und Wandlung aller Dinge bewirkt ist. Es wäre also nicht weise, in das Walten jenes kosmischen Urprinzips einzugreifen. Eigentlich aber ist es das, woran die meisten Menschen leider interessiert sind: die Welt nach ihren egoistischen Ambitionen zu gestalten. Für das Tao aber, ist solches Handeln ganz und gar unsinnig. Tun und Lassen sollen gemäß dem Wu Wei, nur spontan und damit natürlich erfolgen. 

Nicht-Tun bedeutet, das Notwendige mühelos zu tun, ohne Übereifer, ohne irgend eine Form des Aktionismus. Vielleicht ließe sich Wu Wei auch deuten, als ein Zustand innerer Stille, aus dem man zur richtigen Zeit, richtige Handlungen vollzieht, ganz ohne die Anstrengung des Willens.

Was man unter Wu Wei versteht, lässt sich mit der Wirkung des Wassers vergleichen: bei seinem Lauf über Steine, fließt es um die Felsen herum und wirkt nicht in mechanischer, geradliniger Form. Wasser fließt, durch ein in ihm vorhandenes, inneres Gespür für den natürlichen Rhythmus in der Welt.

Ohne aus dem Haus zu gehen
kannst du die Welt erkennen
Ohne aus dem Fenster zu sehen
kannst du den rechten Weg erkennen
Je weiter deine Reise dich fortführt
desto geringer deine Erkenntnis
Darum der Weise:
erkennt ohne zu reisen
versteht ohne zu sehen
vollendet ohne zu handeln

- Tao Te King, Kapitel 47

Wu Wei wird erreicht, indem man mit dem wahren Wesen der Natur harmonisch zusammenarbeitet und sich an die natürliche Ordnung der Dinge hält. Man geht damit  nach dem Prinzip des geringsten Widerstandes vor. Auf höchster Stufe praktiziert Wu Wei, wer sein Handeln als Reflexion auf Ereignisse ausübt - doch auf unerklärliche und unsichtbare Weise, auf sie Einfluss nimmt.

Wer täglich nach neuem Wissen strebt, vermehrt.
Wer Tao praktiziert, vermindert.
Stets einfacher und einfacher - bis das Nicht-Tun erreicht ist.
Man tut nicht, doch es gibt nichts Ungetanes.
Im Nicht-Tun hat man die Welt gewonnen.
Im Tun jedoch, wird man die Welt verlieren.

- Tao Te King, Kapitel 48

Das Wort "Tun" erscheint hiermit nun also als recht zweideutiger Begriff. Vor dem Hintergrund des eben Gesagten, geht es um eine Praxis, die in einem Weltbereich ausgeübt wird, den der Taoist transzendiert. Damit verhilft er dem Kern seines wahren Seins zur Geburt und bringt in sich den "kosmischen Embryo" zur Welt. Das damit angedeutete Sinnbild, für den taoistischen Eingeweihten allerdings eine ganz und gar reale Erscheinung, steht für sich: jenseits aller Körperlichkeit, jenseits aller Emotionen und Gedanken. Es bildet den Ursprung, aus dem sich jene fließenden Handlungen im kosmischen Weltenlauf ergeben, an der der Mensch in seiner irdischen Existenz aktiv teilnimmt.

Vom Wesen der geheimnisvollen Zinnoberfelder

So wie dem himmlischen Blick, Sonne, Mond und Gestirne in ihrer kreisläufigen Bewegung um den Nordpolarstern erscheinen, so zirkuliert im menschlichen Körper der Blutkreislauf um das Herz. Darum heißt es im Tao über das Herz, es sei das Zentrum im Menschen. Die kosmische Dreiheit von Sonne, Mond und Sternen, findet sich auch im Menschen, als Geist, Atem und körperliche Wesensessenz. Diese Dreiheit konzentriert sich in den drei energetischen Kraftzentren von Kopf, Herz und Bauch. Im Tao nennt man sie die "Zinnoberfelder". Zugegebenermaßen eine recht ungewöhnliche Betitelung, die aber auf dem Geheimwissen chinesischer Alchemie gründet.

In der Chemie ist Zinnober bekannt als rotes Quecksilbersulfid-Mineral, das man insbesondere in vulkanischen Gegenden findet. Dieses Mineral galt den alten Alchemisten als jener sagenhafte Stoff, der auch bekannt ist unter dem berüchtigten Namen des "Steins der Weisen". Mit anderen Worten: aus dem kristallinen Zinnober versuchten Alchemisten die Transmutation auf Gold.

In der inneren Alchemie des Taoismus, galt Zinnober als Ausgangssubstanz, bei der Bereitung des Lebenselixiers. Zinnober nennt man darum in der Traditionellen Chinesischen Medizin auch den König der Umwandlungen. Er wurde (und wird wohl auch) noch bis in jüngste Zeit, in homöopathsicher Dosis, pflanzlichen Präparaten zugesetzt.

Das man in China das Symbol der Zinnoberfelder entwickelte, hat einen Grund: die Form, wie das Mineral in Felsen gediegen vorkommt, ähnelt der Vorstellung energetischer Zentren im menschlichen Körper. Außerdem verwendet man im Chinesischen das Wort "Dan", das sowohl Zinnober als auch (Lebens)Elixier bedeutet. Seit jeher ist das Zinnoberrot eine Farbe, die auch im Kontext von Weisheit und Unsterblichkeit verwendet wird. So wird etwa der Buddha Amitabha in Illustrationen stets in roter Farbe dargestellt.

Besonders die Farbe geronnenen Blutes erinnert an das Aussehen jenes Zinnobers, der einerseits Mineral andererseits jener Stein der Weisen ist, aus dem man das Elixier des Lebens darstellt.

Drei Kraftzentren im Menschen

Jenes "Dan", von dem eben die Rede war - "das Elixier" - gilt als feinstoffliche Substanz, durch die im Körper Energie gespeichert werden kann. In drei sogenannten Feldern, den "Tian", sammelt sich dieses energetische Elixier im Körper. Darum spricht man im Taoismus auch von den "Elixierfelder" beziehungsweise eben von den "Zinnoberfeldern": den Dantian. Laut taoistischer Alchemie, können darin Umwandlungen von Energie und Stoff, sowie die Verwandlung unedler in edle Substanzen erfolgen.

Es gibt drei Dantian, die die kosmische Lebenskraft Qi speichern. Diesen Speichervorgang, versuchen Taoisten durch besondere Meditationsübungen, auch für ihren Körper zu praktizieren. Wir gehen darauf später noch einmal genauer ein.

Die Dantian ähneln dem spirituellen Konzept der Chakras im Vedanta. Auch in den Chakras bündeln sich besondere Kräfte. Doch es gibt einen Hauptunterschied: die Chakras werden eher als energetische, farbige Lichtwirbel gedacht, während man sich die taoistischen Dantian als Energispeicher vorstellt. Man könnte aber sagen, dass die Chakras, als Kanäle des Energieaustauschs, mit den drei Dantian als Energiespeicher, im Ätherleib des Menschen zusammenwirken.

Die Wirkweise der drei Dantian, gestaltet sich folgendermaßen:

  • Das obere Dantian sitzt im Zentrum der Stirn. Es bildet den Energiespeicher des Gehirns, sowie der Sinnesorgane. Vom Zustand des oberen Dantian, hängen außerdem psychische Vorgänge ab, wie Denkprozesse und Konzentration.
  • Das mittlere Dantian sitzt zwischen den beiden Brusthälften, auf Höhe des physischen Herzens. Hier werden die Kräfte gespeichert, die benötigt werden für die Zirkulation von Blut und der Lebenskraft Qi.
  • Das untere Dantian befindet sich im Unterleib, zwischen Nabel und Schambein. Hieraus kommt die Energie, die in Verdauungsprozesse involviert wird und auch in die Vorgänge bei der Fortpflanzung. Es ist gewissermaßen der Erdungspunkt, der uns Sicherheit und Harmonie vermittelt.

In Laotzes Lehre, ist insbesondere das untere Dantian von Bedeutung. Es gilt als wichtigstes Speicherzentrum von Qi im Körper und ist damit der energetische Schwerpunkt des Körpers. Von diesem Körperzentrum, spricht man in der spirituellen Praxis des Tai Chi und Qigong, als Basis für Körperbewusstsein, den festen Stand und die tiefe Bauchatmung. Letzteres Konzept ist identisch mit der japanischen Vorstellung des "Hara" - dem Bauch, als physisch-körperliches Zentrum der irdischen Schwerkraft im Menschen.

Auf den Menschen übertragen, manifestiert sich die Kraft des unteren Dantian im Sperma des Mannes, wie im Menstrualblut der Frau: den Reproduktionssubstanzen des Menschen.

Die unsterbliche Seele des taoistischen Adepten - ewigeweisheit.de

Die unsterbliche Seele des taoistischen Adepten: hier symbolisiert durch einen Zinnober, die der Eingeweihte vor seinem unteren Dantian hält.

Innere Alchemie im Taoismus

Ältere Schriften des Taoismus, sprechen über die drei Dantian-Kraftzentren, als Orte im Menschen, worin Götter residieren. Die Adepten visualisieren sich diese erhabenen Entitäten in ihren Meditationen, als spirituelle Erscheinungen im oberen, mittleren und unteren Dantian. Diese spirituelle Praxis nennt man im Taoismus Neidan: innere Alchemie. Im Gegensatz zur äußeren Alchemie - dem Waidan - geht es hier nicht um die Herstellung eines besonderen Stoffes im Labor. Vielmehr dreht sich die innere Alchemie um besondere Techniken, die den Meditierenden zur Erleuchtung führen sollen. Statt also das alchemistische Sonnenmetall Gold in der Retorte zu züchten, wird die mystische innere Sonne, in der Seele zum Strahlen gebracht.

Ziel innerer Alchemie, ist die Geburt des oben erwähnten, sogenannten "kosmischen Embryos" - dem Shengtai. Er wird als reiner Körper, innerhalb des physischen Körpers visualisiert. Der Körper des Eingeweihten entspricht der Retorte oder dem Kessel des äußeren Alchemisten. Darin verdichten sich diese drei Lebenssubstanzen zum kosmischen Urwesen des Shengtai:

  • Jing, die Essenz,
  • Qi, die Lebensenergie, und
  • Shen, der Geist.

In einem mystischen Prozess, werden sie im Körper geborgen, umgewälzt und zurückgeführt, bis sich der Geist Shen im Körper zum Heiligen Embryo "verdichtet" hat. Dieser spirituelle Embryo muss sodann genährt werden, bis er sich ausdehnt und sich in eine Einheit mit dem Körper des Übenden erwächst.

Zweck dieser Praxis ist in die Transzendenz einzugehen und "Unsterblichkeit" zu erlangen. Was hier Unsterblichkeit meint, ist jedoch ein Zustand, der nur von überlegenen Wesen erreicht wurde - mit Sicherheit jedoch von Laotze. Es ist aber vor Allem der Wunsch, das eigene Sein zu transformieren und damit im wörtlichen Sinne, sich über die Form des eigenen Körpers hinauszubewegen.

Taoistische Praxis der Dantian-Meditation

Wer meditiert, so die Taoisten, hält im Körper den Fluss des Lebensatems Qi aufrecht. Das soll außerdem gewährleisten, dass sich jene Gottwesenheiten, von denen oben die Rede war, weiterhin in den Dantian aufhalten.

Qi ist die Nahrung der Götter, die gewiss identisch ist mit dem Amrita der Inder, dem Haoma der Perser oder der Ambrosia der Griechen. So kann sich der Meditierende auf ein langes und gesundes Leben vorbereiten. Nur aber solange die Qi-Kraft im Fluss ist, halten sich die Götter in den Dantian auf. Wird der Kraftstrom unterbrochen, fliehen sie aus dem Körper und an ihrer Stelle machen sich in den Dantian die "Geister" von Krankheit breit, was sogar zu frühem Tod führen kann.

Die Dantian lassen sich jedoch über den Atem energetisieren. Darum wollen wir unseren Ausführungen über das Tao, eine praktische Übung anschließen: eine Meditation über die drei Dantian. Hierbei wird durch Konzentration auf Atem und das Dantian, der natürliche Kreislauf von Qi und Blut im Körper angeregt und dabei diese drei spirituellen Zentren aktiviert.

(Zur Vorbereitung: um ihre Atemzüge zu zählen, eignet sich eine Gebetskette mit Perlen.)

Schließen Sie ihre Augen und senken sie Ihre Wahrnehmung allmählich in den Bereich des unteren Dantian (Unterleib). Atmen sie in diese Gegend fünf tiefe Atemzüge.

Nun atmen sie in das untere Dantian, während sie sich vorstellen, wie sie dabei neue Qi-Enerie von Außen in sich aufnehmen. Mit dem Ausatmen strahlen sie diese Kraft aus, so dass sie sich um sie herum verteilt, den Raum erfüllt, in dem sie sitzen und selbst die äußersten Grenzen unserer Erde durchdringt. Wiederholen Sie diese Praxi zwölf mal (oder öfter).

Nun atmen sie in das mittlere Dantian und wiederholen diese Übung erneut zwölf mal.

Nun atmen sie in das untere Dantian und wiederholen diese Übung erneut zwölf mal.

Nachdem sie diese meditative Atemphase abgeschlossen haben, visualisieren Sie beim Atmen, wie sich mit jedem Ausatmen Qi im unteren Dantian ansammelt. Wiederholen diese Übung erneut zwölf mal.

Nun öffnen Sie langsam ihre Augen. Reiben Sie Ihre Handflächen, bis sie warm werden - spüren nach.

Den spirituellen Wesenskern formen

Meditation ist eine praktische Methode, die Wahrheiten des Tao zu erfahren. Wie auch in anderen Geheimtraditionen, geht es auch hier um die, aus besonderen Erlebnissen gewonnene Erkenntnis, die eigentlich nicht, nur durch Text und Wort vermittelt werden kann. Das unterstreicht, wieso es eigentlich unmöglich ist, den Begriff Tao durch Worte zu beschreiben. Das Tao ist etwas das man erfahren muss. Und genau nach dieser Erfahrung streben die Anhänger des Taoismus - durch Meditation und die Praxis innerer und äußerer Alchemie.

Besonders die 64 Symbole des I-Ging, deuten als Hinweise auf Erfahrungen, die ein jeder Mensch in seinem Leben macht, zumindest aber machen kann. Allerdings ist es eben die Fähigkeit eines Menschen, sich dem kosmischen Fluss - im Kleinen, wie auch im Großen - hingeben zu können.

Statt auf die Ereignisse im Leben zu reagieren, wird durch die Haltung des Wu Wei, des Nicht-Tuns, ihre wahre Ursache erkannt. Dem entsprechend versucht der Taoist sein Handeln auf die Ereignisse im Leben abzustimmen. Jene Energie des kosmischen Flusses aber, das Qi der Taoisten, wird dabei die drei Dantian mit Kraft erfüllen.

Nur wer nichts erwartet, der wird auch bekommen und fähig sein, in sich die Qi-Kraft zu konzentrieren, damit es zur Gerinnung des zinnoberroten Elixiers kommt: dem Kern wahren Lebens.

 

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