Psychologie / Gesellschaft

Eine kurze Geschichte der Abendländischen Zivilisation

Eine kurze Geschichte der Abendländischen Zivilisation

In einer Zeit, bis vor etwa 40.000 Jahren, die man als die frühe Altsteinzeit bezeichnet, lebte der Mensch in gänzlich archaischen Verhältnissen. Man kannte schon die Nutzung des Feuers. Vielleicht an dem einen oder anderen Ort, galt das Feuer sogar als etwas Sakrales, wo man es bereits zu konservieren wusste und damit das »Wahren einer Heiligen Flamme« pflegte.

Heilig war diese Flamme, da sie dem Überleben und dem damals so wichtigen Zusammenleben diente. Mit Feuer bereitete und konservierte man schließlich Nahrung oder schützte sich nachts damit vor wilden Tieren, da diese die lodernden Flammen mieden.

Es war eine Zeit in der die Menschen unterwegs waren, als Jäger und Sammler, und man in dieser Zeit noch keinen wirklichen Bezug hatte zu Raum und Zeit und auch gar nicht brauchte – denn man bewegte sich ja. Man lebte noch in vollständigem Einklang mit der Natur, mit den Tieren verschwistert, ohne zu werten, was einem da unterwegs begegnete.

Bewusst erlebten die damaligen Menschen eine vollständige Verbundenheit mit dem was sie umgab, ganz gleich ob die Gestirne, seine Mitmenschen oder die Wesen und Gegenstände in der Natur, wie Steine, Pflanzen und Tiere.

Damals pflegten die Menschen einen besonderen Ahnenkult, in dem sie sich verbunden fühlten mit der fernen Vergangenheit und dem Ursprung der Welt. Man hinterfragte nicht, sondern erlebte in dieser Voraussetzung das eigene Dasein auf Erden verwurzelt.

Allmählich wurde sich der Mensch aber auch seiner selbst bewusst, als einzelnes Wesen, wo eine noch rein intuitive, instinktive Wahrnehmung der Umgebung und der anderen Menschen in der eigenen Welt bewusst geworden war.

In der Tradition der Legenden, auf der sich auch die Lehren etwa der Theosophie oder Anthroposophie stützen, war das ungefähr auch die Zeit, als die Menschen noch auf dem mythischen Kontinent von Hyperboräa, »jenseits des Nordwinds« unterwegs waren. Aus heutiger Sicht gewiss ziemlich eigentümlich vorzustellen, doch man könnte durchaus in Erwägung ziehen, dass die heute, über das ganze Jahr hinweg von dicken Eisschichten bedeckten Regionen der Erde, einst vielleicht grün und bewaldet gewesen waren. Ein Beispiel für diese Annahme wäre etwa die dänische Insel Grønland, die ja wörtlich übersetzt »Grünland« heißt.

Wie aber kann es sein, dass es sich da tatsächlich um eine menschenwürdige Umgebung handelte? Nun, man kann sich da nur mit der einen oder anderen Erwägung behelfen. Überlegen wir uns etwa einmal, dass sich die Lage der Erdachse nicht immer in der selben Neigung befand. So gibt es heute auch archäologische Nachweise darüber, dass die Berglandschaften unter dem Eis der Antarktis, dem Südpol, vor sehr langer Zeit der Urgeschichte bewaldet gewesen waren. Angenommen also die Erdachse befand sich in aufrechter und nicht wie heute geneigter Lage, so dürfte es nur im höchsten Norden zu einer Vereisung gekommen sein, jedoch in einem Ausmaß, das weit jenseits dessen liegt, was wir heute vorfinden. Die Polkappen waren dann wohl weitaus dicker und bargen viel mehr Eis, als das heute der Fall ist, zumal es nicht zu jahreszeitlich bedingtem Abtauen kam.

In den Regionen der heute so genannten »Gemäßigten Zone« der Erde, dürften unter solchen Voraussetzungen damals dauerhaft frühlingshafte Verhältnisse vorgeherrscht haben.

Wir wollen auf all das im Folgenden noch einmal eingehen.

Beherrschung des Feuers

Dass der Mensch begann auf die Dinge die ihn umgaben Einfluss nehmen zu wollen, fing wohl ganz langsam an damit, dass man das Bewusstsein für eine gewisse Dimensionalität der Welt entwickelte. Historisch ließe sich das ansiedeln in den Jahrtausenden bis etwa 10.000 v. Chr., das heißt also in der Mittleren bis Jungen Steinzeit

Damals begannen die Menschen das Feuer tatsächlich als Kulturgut handzuhaben, da man Mittel und Wege gefunden hatte selbst Feuerzeuge herzustellen, vor vielleicht 30.000 Jahren, mittels Scharfkantiger Feuersteine (Quarz-Kiesel-Minerale) die man zum Beispiel gegen Pyrit-Kristalle schlug. Auch die ersten verbesserten Werkzeuge kannte man herzustellen, die in der Jagd ihre Verwendung fanden, wie etwa die ersten Wurfspeere.

Wollte man diese Zeit durch ein Tarot-Sinnbild kennzeichnen, eigneten sich dafür wohl die »Stäbe«, die ja sowohl lebendige Holzstöcke, wie auch Knüppel, Speere oder Lanzen symbolisieren, und bekanntlich dem alchemistischen Feuerelement zugeordnet sind.

Es war das auch die Zeit in der solche Weltlehrer die irdische Bühne betraten, wenn man so will, wie der irdische Adam der Bibel, sowie dessen Nachkommen wie Kain, Seth oder später auch Henoch, der in den Himmel entrückt von dort aus bis heute auf die Geschicke der geistigen Welt Einfluss nehmen soll.

Historisch bewegen wir uns nun in der Welt des Cro-Magnon-Menschen, des anatomisch mit dem heutigen Menschen identischen Homo Sapiens, eines nomadisch lebenden Jägers und Sammlers.

Durch die Fähigkeit selbst Feuer herzustellen, gewann natürlich auch die zivilisatorische Entwicklung einen neuen Schub. Man verstand seit dieser Zeit, vor etwa 30.000 Jahren, auch selbst Keramiken herzustellen, wozu natürlich Nutzgegenstände (wie etwa besondere Behältnisse) zählten, doch auch entstanden damals sogenannte heilige Figurinen, wie etwa die berühmte Venus von Willendorf.

In Zusammenhang mit dem daraus sich entwickelnden Mutterkult, pflegte man auch bestimmte Rituale, die sich wohl auf alte Vegetationszyklen bezogen, kurz gesagt, die man zu bestimmten Zeitpunkten pflegte, jedoch noch gänzlich losgelöst von etwaigen himmlischen Beobachtungen, die zur damaligen Zeit noch eine andere Rolle gespielt hatten.

Wie gesagt, besitzen wir heute keine wissenschaftlich belegbaren Fakten, doch dass die damaligen Menschen so lange den Kult einer irdischen Natur pflegten, mag wohl auch daran gelegen haben, dass man in dieser ewigen Frühlingsumgebung lebte, wo eine Beobachtung des Himmels und daraus erfolgende Voraussagen, noch keine für das Überleben relevante Rolle gespielt hatten.

Es war das eine »Magische Zeit«, wo man Götzenanbetung und Verehrung besonderer Idole betrieb, die da im Mittelpunkt ritueller Handlungen standen. Man war noch weit entfernt, von dieser heute im Verstandesdenken verhafteten Geistigkeit. Doch im Gegensatz zu dem Bewusstsein, das die Menschen in jener archaischen Zeit des Paläolithikum besaßen, begann man jetzt eine Dimensionalität in der Welt zu entdecken. Das begann wohl mit der Beobachtung eines Hier und Dort, einer Selbstwahrnehmung und einer Fremdwahrnehmung. Man erkannte das eigene Dasein im Verhältnis zum Sein eines Gegenübers – eines Menschen, eines Tieres oder jeder anders gearteten Sache.

Damit entwickelte sich im Empfinden der Menschen auch das, was man als Emotionalität beschreiben könnte, da man sich als Einzelnen wahrnahm, der getrennt war von dem was ihn umgab. Es dürfte damit einher gegangen sein ein Wundern über die Welt, die sich da um einen herum befand, wovon ein besonderer Zauber ausging.

Ein Zeitalter der Tugend

In dieser Welt-Erkenntnis formte sich wohl auch der Wunsch Orte entstehen zu lassen, wo man seine besondere Naturverehrung rituell zelebrierte. Die alte Kultstätte Göbekli Tepe in Kleinasien, in der heutigen Türkei, die dort vor etwa 11.500 Jahren entstanden war, deutet das an. Es war das die Menschheitsepoche, die sich im Platonischen Jahr dem Zeitalter des Löwen zuordnen lässt, dem, was in der griechischen Legende (gemäß Hesiod) dem Goldenen Zeitalter entspricht und was man in Indien das Satya-Yuga nennt: »Das Zeitalter der wahrhaftigen Tugenden«.

In der Welt der Sagen und Legenden, ist das die Phase der Geschichte gewesen, wo ganz im Westen der damals bekannten Welt, westlich des afrikanischen Atlasgebirges, im atlantischen Meer, sich eine riesige Insel befunden haben soll, wo eine damalige Hochzivilisation lebte: Atlantis. Was uns aus den Schriften des griechischen Philosophen Platon überliefert ist, ist die außergewöhnliche Form dieser Insel, die sich aus mehreren, das Meer unterteilenden Ringen bildete.

Doch, wie jeder weiß, kam es zu einer Katastrophe, in der diese Insel im Meer verschwand und das ist etwa auch die Zeit, wo wir in der griechischen Mythologie von einer »Deukalischen Flut« erfahren, die in der Bibel als die Sintflut beschrieben wird. Natürlich steht in Zusammenhang damit der Patriarch Noah und seine drei Söhne, Sem, Ham und Japeth. Interessant ist die Form jener alten Tempelanlage von Göbekli Tepe, die ja ebenfalls solche Ringform wie die der von Platon beschriebenen Atlantis besaß, was natürlich auch nur reiner Zufall sein könnte.

Vom Gold zum Silber

Nach dieser Zeit aber entstanden die ersten Siedlungen, wie etwa die von Çatalhöyük (in Kleinasien, heutiger Türkei) vor etwa 9.500 Jahren und auch die ersten Gehöfte dort, wo sich das heutige Athen in Griechenland befindet. Hieraus ergaben sich auch erste Machtstrukturen, in denen man begann Besitztum zu pflegen und Warenhandel zu betreiben mit anderen Siedlungen. Die matriarchal geprägte Gesellschaftsstruktur war bis dahin bestehen geblieben, man pflegte eine ausgeprägte Landwirtschaft und den sich daraus ergebenden Handel mittels Tauschwaren, wozu natürlich Edelmetalle wie Gold und Silber zählten.

All das geschah im Übergang vom Satya-Yuga ins Treta-Yuga, was man im Westen etwa mit der Wende vom Goldenen in das Silberne Zeitalter beschreiben könnte. Gemäß der Zeitrechnung des Platonischen Jahres, befinden wir uns da in den Jahrhunderten des Übergangs vom Zeitalter des Löwen ins Zeitalter des Krebses. Es sind dies ja zwei Tierkreiszeichen, wo ersteres astrologisch vom Gestirn der Sonne regiert wird und letzteres vom Gestirn des Mondes. Das Licht von Sonne und Mond aber, ließ gemäß der esoterischen Lehren der babylonischen Sterndeuter von Chaldäa, in der Urzeit die Metalle Gold und Silber im Erdgrund gedeihen. Und es sind ja eben diese zwei Edelmetalle, die den beiden Zeitaltern oben genannter Wendezeit ihren Namen gaben. Weniger aber ist das eine Systematisierung, als eher ein äußerst bemerkenswerter Zufall.

Im Bewusstsein der Menschen auf jeden Fall vollzog sich damit ein großer Wandel. Denn nicht mehr wusste man nur zu verstehen das Verhältnis zwischen einem Hier und Dort, man begann auch eine Räumlichkeit zu entdecken, die allerdings, rein geometrisch, sich nur auf das Land, das heißt also, auf die Fläche bezog, wo man sich in der Zweiten Dimension bewegte. Das war natürlich der Tatsache geschuldet, das man ein Bewusstsein entwickelt hatte für Besitz und Grenzen, was ja einher ging mit dem Entstehen der ersten urbanen Siedlungen.

Auch entstand in dieser Zeit das, was man als »inneres Seelenleben des Menschen« bezeichnen könnte. Heute würde man da vielleicht vom »Traumbewusstsein« sprechen. Das heißt, die auch heute im Traum auftretenden archetypischen Symbole wurden da schon erkannt, als universale Bilder. Man wusste dieses, im Traum empfundene Sehen, noch nicht gänzlich abzugrenzen vom Sehen im Wachzustand, weshalb man aus heutiger Sicht darum von einem irrationalen Empfinden oder Denken sprechen würde. Leider aber wäre diese Bezeichnung zu negativ konnotiert, wobei sie in Wirklichkeit doch eine Fähigkeit beschreibt, die heute nur wenigen Menschen gegeben ist und die sie als solche auch konstruktiv im Leben anzuwenden wissen, da sie erkannt haben, dass das angebliche Wachbewusstsein, im Grunde ebenfalls ein Schlafzustand ist, aus dem man jedoch erwachen kann!

Zwischen Himmel und Erde

Es geht hier um eine Epoche, die man als »Mythischen Zeit« bezeichnen könnte, da die Menschen damals noch alles erkannten, als untereinander verbunden. Wer sich näher mit der griechischen Mythologie beschäftigt, verirrt sich leicht in einem dichten Wald unzähliger Assoziationsmöglichkeiten, zumal ja in all den vielen Legenden darin, die von Göttern, Dämonen und Helden berichten, anscheinend immer Verbindungen bestehen, zu einer großen Zahl anderer Legenden der selben Mythologie.

Es war das auch die Zeit, in den Jahrtausenden vor unserer Zeitrechnung, wo man begann die »Heiligen Mysterien« zu feiern, wo die Menschen eingeweiht wurden in die Geheimnisse ihrer eigenen Sterblichkeit, die sich anscheinend jedes Jahr auch in ihrer Umwelt, in der Natur zu zeigen schienen. Man hatte den Wandel eines großen Zyklus der Jahreszeiten erkannt, die sich in kleineren Zeitabschnitten im Tageszyklus zeigten, wie auch in größeren Zeitabschnitten im eigenen Leben. Himmelsbeobachtungen bekamen aus diesem Grund einen immer wichtigeren Stellenwert, nicht nur praktisch, sondern auch in einer Art »Ur-Theologie«, die den Menschen nicht mehr allein als irdisches Wesen begriff, sondern ihn eingeflochten sah, im Mittelpunkt stehend, zwischen Himmlischem und Irdischem, im ewigen Kreislauf der Gestirne und der Natur, die sich mehr oder weniger zu entsprechen schienen.

Zeitmaß und Tauschwert

Man fing damals an, besondere Kalender zu konstruieren, anhand derer Voraussagen der Zukunft ermöglicht wurden. Das mag anfangs zwar rein agrartechnische Funktionen erfüllt haben, doch führte den Menschen mit seinem Bewusstsein auch in ein theologisches Verständnis, für eine aus der Transzendenz wirkende Kraft. Da entstand der Glaube an ein höheres Wesen, dass aus einem hierarchisch geschichteten Makrokosmos, eines ewigen Kreislaufes zu wirken schien, das heißt: Da begann der Glaube an Gott.

Auch hatte man gelernt, durch immer weiterte Entwicklung der aus der Jungsteinzeit überlieferten Werkzeuge, in das Erdreich vorzudringen, um dort kostbare Erden zu bergen. Im Übergang vom Zeitalter des Krebses ins Zeitalter der Zwillinge fand man Wege, um das in mineralischer und metallischer Form vorliegende Kupfer zu nutzen, zur Herstellung von Werkzeugen. Man verfügte damals schon über eine hochspezialisierte Technik zur Keramikherstellung. Hierfür verwendete man besondere Brennöfen, in denen man sehr hohe Temperaturen zu entwickeln vermochte. Damit war auch die sogenannte »Verhüttung« von Kupfer möglich, die man zur Herstellung erster metallischer Nutzgegenstände verwendete. Hier wieder kann man die Bildsprache der Tarot-Arkana ins Spiel bringen, denn als Zeit der Metallgewinnung entspricht es dem Symbol der Münzen, die ja bekanntlich aus Gold, Silber und Kupfer hergestellt wurden (interessant dabei ist, dass diese drei Metalle alle einen Schmelzpunkt um die 1.000 °C besitzen, so dass man mit der selben antiken Technologie daraus entsprechende Tauschmittel, das heißt also »Geld« herstellen konnte).

Besonders die in der matriarchalen Vinča-Kultur kannte man Techniken, die zu Vorläufern einer damals beginnende Metallzeit wurden. In dieser alten Kultur, die sich im geografischen Gebiet des heutigen Serbien entwickelt hatte, entstand auch, fast 2.000 Jahre bevor man im vorderen Orient die Keilschrift entwickelt hatte, die erste Runenschrift, die nachweislich die Vorläufer unseres heutigen Alphabets bildet, dass sich ja bekanntlich in den Jahrtausenden danach, zur sogenannten Linear-B-Schrift weiterentwickelte, die sich dann später als »Phönizisches Alphabet« durch eben die Phönizier im gesamten Mittelmeerraum verbreitete.

Das Heilige Rind

Im besagten Zeitalter der Zwillinge, also in einer Zeit zwischen etwa 6.300 und 4.200 v. Chr. betraten die Weltbühne der Religionen, auf dem indischen Subkontinent, der Held und Avatara Rama. Im Gebiet der Levante wirkte der Patriarch Abraham. Im Übergang zum Zeitalter des Stiers begann dann das, was man als die »Jüdische Zeitrechnung« bezeichnet, genauer gesagt das Jahr 3761 v. Chr. Das war die Zeit die man im westlichen Kulturkreis als Beginn des Ehernen oder Bronzenen Zeitalters versteht, im Hinduismus dem Dvapara-Yuga entsprechend, einer Zeit, in der nur noch ein geringer Teil des göttlichen Bewusstseins des Menschen lebendig war.

Da trat in Indien der Avatara Krishna auf, der ja in vielen Darstellungen in Begleitung einer heiligen Kuh abgebildet ist. Natürlich nicht zufällig, denn, wie wir sagten, ist das das Zeitalter des Stiers gewesen, wo auch in der Ägyptischen Religion auf einmal Darstellungen der Heiligen Kuh zu sehen sind, die eine Sonnenscheibe auf ihrem Haupt trägt. Auch in dem bekannten Epos des Gilgamesch (2.700 v. Chr.) taucht das Symbol eines himmlischen Stieres auf, wohl als Ebenbild des damals angebeteten Gottes.

Es war das die Zeit als die wichtigen ägyptischen Städte gegründet wurden, etwa im 3. vorchristlichen Jahrtausend. Darunter Memphis, mit dem alten Tempel des Hu-Ka-Ptah, dem Ägypten seinen Namen zu verdanken hat, wie auch die Hafenstadt Alexandria, die in der Geistesgeschichte der westlichen Zivilisation über viele Jahrhunderte hinweg Dreh- und Angelpunkt gewesen war – Stichwort: Die Bibliothek von Alexandria (allerdings erst gegründet Anfang des 3. Jahrhundert v. Chr.). Um 2.500 v. Chr. entstanden die Pyramiden von Gizeh, mehr als zwei Jahrtausende bevor man die Stadt Kairo gründete.

Monotheismus

Wenn wir zuvor sprachen vom Bronzenen Zeitalter, dann ist das auch ganz praktisch zu verstehen, denn man begann damals das gewonnene Kupfer mit Zinn zu legieren, um daraus eben Bronze zu erzeugen, woraus man dann die ersten metallenen Waffen herzustellen begann.

In dieser Zeit auch entstanden, wie etwa in der Minoischen Kultur Kretas, zwischen 2.800 und 1.100 v. Chr., verschiedene sakrale Trinkgefäße, meist aus Keramik, doch wahrscheinlich später auch aus Bronze. Als Zuordnung in die Tarot-Symbolik, fiele in diese Zeit also das Sinnbild für das alchemistische Element Wasser: Die Kelche.

Es war das auch die Zeit der großen Könige und Priester, wozu sicherlich so Namen zählen wie der biblische Fürst David und sein Sohn Salomon. Doch auch der ägyptische Echnaton, der ja die Sonne als einzigen Gott über den bisherigen Polytheismus erhob und damit jenen, den durch den Patriarchen Abraham definierten Monotheismus, auf seine Weise in Ägypten zu festigen versuchte.

In Persien entstand der Zoroastrismus, den der Prophet Zarathustra auf einem Dualismus und ständigem Widerstreit der Kräfte des Guten und des Bösen gründete, den laut seiner Weisheit nur jener überwand, der sich selbst ermächtigen konnte zu rechtem Denken, rechter Rede und rechtem Handeln.

Auch der alt-persische Kult um den Gott Mithra ist belegt, für etwa diese Zeit des 14. vorchristlichen Jahrhunderts. Zwar erst in späterer Zeit pflegte man in Rom einen besonderen Mithraskult, der sich in seiner Symbolik an diese Zeit aber zu erinnern schien, wenn auch in einer Form, die eben den Übergang vom Stier- ins Widder-Zeitalter symbolisierte, worin man in besonderen Bildnissen, in den sogenannten »Mithräen« der Tötung eines Stiers huldigte.

Es war dieses Zeitalter des Widder auch der Beginn der Eisenzeit, was auch insofern interessant ist, zumal ja astrologisch über den Widder der Mars herrscht, dem, nach Lehre der Chaldäer, auf Erden ja das Eisen entspricht.

Mit der Verhüttung von Eisen ging natürlich auch einher die Herstellung verbesserten Werkzeugs für Landwirtschaft und Städtebau, aber ebenso die Herstellung von Waffen, wobei die ersten Stähle in ihrer Härte, den Bronzewaffen weit überlegen waren. Vielleicht ließe sich darum auch historisch, hier der Beginn des Eisernen Zeitalters markieren, der finstersten Epoche der Menschheitsentwicklung, die bis zum heutigen Tage anhält – wir zumindest aber ihre schlimmen Auswirkungen noch immer spüren. Das nämlich was die Inder als das Kali-Yuga bezeichnen, das Zeitalter der Kriege und des Streits der Menschen, das wohl mit dem Beginn der Eisenzeit begann.

Unterscheidungsfähigkeit und die Bildung des Ego

In dieser Zeit gründeten die mythischen, von einer Wölfin großgezogenen Brüder Romulus und Remus, im Jahre 753 v. Chr. die Stadt Rom.

Etwa 200 Jahrhunderte nach dieser Zeit, betraten die Bühne der geschichtlichen Welt die griechischen Philosophen Parmenides und Pythgoras. Besonders jene, auf letzteren Weisheitslehrer zurückgehende Schule der Pythagoreer, sollte eine wichtige Wegmarken zeichnen, in der abendländischen Geistesgeschichte der Philosophie und Spiritualität. Im Westen wurde diese spirituelle Entwicklung auch betont mit dem Auftreten des Patriarchen Moses, sowie nach ihm durch der Propheten Hesekiel, auf den ja das berühmte Symbol des Tetramorph zurückgeht (Vier Symbole im Kreis: Mensch, Adler, Löwe, Stier; später stellvertretend verwendet als christliche Zeichen der vier Evangelisten). Im fernen China lehrte zu etwa dieser Zeit der große Philosoph Lao-Tse.

Es begann da ein Zeitabschnitt in der Weltgeschichte, den man als »Mentale Zeit« bezeichnen könnte, wo die Menschen durch einen Wandel ihrer Bewusstheit auf einmal begannen, eine in den Jahrhunderten zuvor entwickelte Unterscheidungsfähigkeit anzuwenden. Man begann zu urteilen was recht und was unrecht, was gut und was schlecht war – am deutlichsten versinnbildlicht wohl im Zeichen des Schwerts, das im Tarot das alchemistische Element der Luft versinnbildlicht, das Element der Bewusstwerdung des Raumes.

Man entwickelte also eine stärkere Bezogenheit auf den Raum und das Äußere. Damals begann man eben auch den geometrischen Raum zu erkennen, und die ihn bezeichnende Dritte Dimension.

Es scheint, als ob sich darin ein einziger Gott noch besser vorstellen ließ, als in jener Zeit, wo man dieses Raumbewusstsein noch nicht besaß. Man begann seine Betrachtungen der Welt, wohl zum ersten Mal abstrahieren zu können, woraus sich die Fähigkeit zur Reflexion entwickelte. Man erkannte sich selbst in der Welt, hatte unbewusst begonnen ein Ich zu entwickeln – psychologisch betrachtet, sein Ego zu festigen –, was einher ging mit der Herausbildung eines bewussten Lebenswillens (oder eben Unwillens).

Ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. sollten die damit entstandenen Sichtweisen auf die Welt, der Geistesentwicklung der Menschen einen weiteren Entwicklungsschub geben. Das erfolgte im Westen insbesondere mit dem Auftreten des Philosophen Sokrates – jenem Denker des Abendlandes, dem man die Entwicklung des Fragens und Hinterfragens zuschreiben kann. Sein wichtigster Schüler Platon war mehr oder minder, der Mann, der das Denken seines Lehrers Sokrates in Schriftform festhielt, so dass, wenn man von einer platonischen spricht, immer auch eine sokratische Philosophie meint.

In Fernost betrat der Buddha Siddharta Gautama die Weltbühne der Spiritualität, der auf seine Weise einen Bezug des Daseins in der materiellen Welt zu abstrahieren vermochte, eine Fähigkeit die seinen Zeitgenossen fehlte und er wohl auch deshalb als dieser Weltlehrer auftrat, um sie an ihr inneres, seelisch-geistiges Dasein zu erinnern. Das war in etwa auch das, was im Abendland Sokrates vermittelt hatte. Denn die oben angedeutete Entwicklung des persönlichen Ego, was zu einer inneren Teilung des Seelenlebens im Menschen geführt hatte, entfremdete ihn von seiner eigentlichen Bestimmung, wodurch er zunehmend begann, sich mit einer rein materiellen Welt zu identifizieren.

In dieser Zeit auch entwickelte der Mensch ein Empfinden für die Zeit, wo man das »Ablaufen des Lebens« nicht mehr nur an den vier Haupt-Tageszeiten ablas, sondern den Tagesablauf in abmessbare Stunden zu unterteilen begann.

Es war das die Zeit, als Vorstellungen eines Weltbildes entstanden, in dem die Erde im Mittelpunkt als kugelförmiger Körper stand und eben nicht mehr nur eine zweidimensionale Scheibe blieb. Detaillierte Studien hierüber betrieb bereits der Platon-Schüler Aristoteles.

Übergang ins Zeitalter der Fische

Wie zuvor bereits angedeutet, kam es im Westen durch die Gründung Roms und die daraus entstandene Römische Republik, am Anfang des 6. vorchristlichen Jahrhunderts, zu einem neuen Schub in der Urbanisierung des Lebens der Menschen, durch das, was zuvor »nur« theoretisiert wurde, wie etwa in Platons »Staat«. Damit einher ging natürlich auch die Ausbildung eines durch und durch organisierten militärischen Organs eines Heeres, das sich seit damaliger Zeit, in den Jahrhunderten vor unserer Zeitrechnung, nach Westen und Osten hin immer weiter ausdehnte.

Die Zeit des tausendjährigen Römischen Reichs halbierte die Geburt Christi, womit dann ja unsere, bis heute verwendete christliche Zeitrechnung begann. Auch der große jüdische Prophet Johannes der Täufer kam da zur Welt, etwa fünf Jahre vor dem Erscheinen des Messias.

Im 2. nachchristlichen Jahrhundert bestätigte der griechische Philosoph und Astronom Claudius Ptolemäus , die in den Jahrhunderten zuvor angenommene Geozentrik durch seine Himmelsbeobachtungen. Während der beiden Jahrhunderte danach, entstanden die religiösen Lehren des Gnostizismus, die jedoch bald zum theologischen Hauptgegner der damals noch jungen Christenheit werden sollten. Auch die Philosophie der sich damals bildenden Gruppierung der Neuplatoniker, entstand in dieser Zeit und teilweise auch in Konkurrenz mit den Lehren der Gnosis.

Es war das auch die Zeit, zwischen dem ausgehenden 3. bis ins 4. Jahrhundert, als die ersten christlichen Kirchengemeinden entstanden, die Christi Geburt jedoch alle noch an verschiedenen Tagen im Jahr zelebriert hatten.

325 n. Chr. tagte dann das von dem römischen Kaiser Konstantin I. in Nicäa (heute Iznik in der Türkei) einberufene Konzil, womit danach auch das Christentum zur römischen Staatsreligion wurde. 70 Jahre danach kam es zur Reichsteilung in Westrom, wo in der alten Stadt Rom der christliche Katholizismus durch den Papst und Ostrom, das heißt also Konstantinopel (heute Istanbul, Türkei), vom christliche-orthodoxen Patriarchen vertreten wurden. In Westeuropa scheinen in etwa dieser Zeitperiode, die Wurzeln der Sage um den Drachentöter Siegfried zu liegen, die auch dort bereits einen Übergang markiert, von einem germanischen Heidentum in eine eher christliche Spiritualität.

Innerhalb des Platonischen Jahres, bewegen wir uns seit etwa vier Jahrhunderten bereits im Zeitalter der Fische, deren Symbolik ja für die christliche Epoche ganz ausschlaggebend ist.

Dunkles Zeitalter und Heiliger Gral

Den Beginn des Mittelalters prägt auch das Auftreten des arabischen Propheten Mohammed und mit der sogenannten Hidschra, dem Auszug der ersten Muslime aus Mekka, im Jahre 622 n. Chr. die islamische Zeitrechnung. Das ereignete sich auch innerhalb der Epoche, als ein sagenhafter Priesterkönig Johannes in der abendländischen Geschichte auftauchte, scheinbar aber gleichzeitig auch in Nordafrika und Fernost.

Im Dunkel jedoch liegt die ungefähr 500-jährige Periode der westlichen Zivilisation. Während dieser Zeit nämlich ordnet man heute die mythischen Episoden eines christlich-paganischen Fürsten ein: Dem legendären König Artus, der vermutlich in dieser dunklen Epoche der franko-angelsächsischen Geschichte, als ein Brückenbauer wirkte, zwischen der noch heidnisch geprägten Kultur des alten Britannien und Irlands und dem mit den Römern nach England gebrachten Christentums. Es war das auch wohl die Zeit, wo der legendäre Held Parzival, einer der Ritter der arthurischen Tafelrunde, in der Weltgeschichte aufgetreten sein könnte, wo ja insbesondere das Symbol des sagenhaften »Heilige Grals« Einzug nahm in die christliche Sagenwelt des Abendlandes.

Erst im 12. Jahrhundert verfasste der deutsche Dichter Wolfram von Eschenbach seine Verse zu diesem Helden Parzival und dem heiligen Gral, der ja als Trinkgefäß beim letzten Abendmahl Christi dem Jesus und seinen Jüngern als Trinkbecher gedient haben soll und in den dann, nach dem Ableben des Christus am Kreuz, dessen Blut damit aufgefangen wurde, durch den sagenhaften Joseph von Arimathäa. Der soll den heiligen Kelch dann selbst in die englische Stadt Glastonbury gebracht haben (das legendäre Avalon), um dort die erste christliche Gemeinde in Europa zu gründen.

Perspektiven in einer Zeit der Neuordnung

Mit dem Beginn der Renaissance, im Umbruch vom Mittelalter zur Neuzeit (15. und 16. Jahrhundert) entwickelte sich etwas, das eine tatsächliche Wegmarke, nicht allein in der Geschichte der Bildenden Kunst markierte: Die Entdeckung der Perspektive, die Künstlern eine Methode gab, um mit mathematischer Exaktheit Verkürzungen in der Raumtiefe abzubilden. Zeichnungen und Gemälde erhielten damit seit dem 15. Jahrhundert eine fast realitätsidentische Wiedergabe optischer Eindrücke, was natürlich im Laufe der Zeit einen erheblichen Wandel im Bewusstsein der Menschen einleitete. Was als dritte Dimension des Raumes angenommen wurde, erhielt damit eine ganz relevante Konkretisierung. Im Menschen entwickelte sich aus diesem Bewusstwerden aber anscheinend auch der Wunsch, Dinge haben zu wollen, da er sie nicht mehr nur örtlich begriff, sondern auch ihr Ausmaß, perspektivisch betrachtend, unterscheiden ließ, zwischen einem mehr und einem weniger.

Das erste Jahrhundert der Neuzeit aber sollte noch weitere, für die Geisteskultur dieser damaligen Epoche, doch insbesondere für alles andere in der Folgezeit Entstehende, ganz wichtige Wegmarken kennzeichnen. Damals nämlich erfand der Mainzer Goldschmied Johannes Gutenberg den modernen Buchdruck mit beweglichen Lettern, was eine wahre Revolution bedeutete, für die Art der Verbreitung von Wissen. Was in den Jahrtausenden zuvor mühsam als Handschriften angefertigt wurde, und entsprechend damit nur sehr wenigen Menschen zugänglich war, konnte sich ab Ende des 15. Jahrhunderts viel einfacher als Nachricht oder Wissen verbreiten lassen.

Hätten Martin Luther und andere Reformatoren, ohne die Buchdruck-Technik Gutenbergs die Bibel übersetzt? Vielleicht, doch kaum jemand hätte je davon erfahren. Wenn Luther zuvor zwar nur über die Freiheit des Christenmenschen schrieb, um damit einen jeden über die wahre Religionsgeschichte zu unterrichten, ermahnte er die Menschen aber gleichzeitig dazu, in ihrer ständischen Ordnung zu verharren. Das dies aber nicht lange gehalten werden konnte, zeigt uns die Geschichte, etwa mit dem Deutschen Bauernkrieg von 1524, der sich nur fünf Jahre nach Luthers Thesenanschlag ereignete.

Neben der Übersetzung der Bibel kamen natürlich eine ganze Reihe anderer Schriften in Umlauf, so dass sich dadurch auch neue Überzeugungen bilden konnten, über das Wesen des Seins jenseits religiöser Weltanschauungen. Auch der Beweis für einen eigentlichen Heliozentrismus (um 1650), der die Erde als Mittelpunkt der Welt für immer erübrigen sollte, trug das Seine dazu bei.

Insbesondere ab Ende des 18. Jahrhunderts kam es da zu einem Aufbegehren gegen monarchische Strukturen in Europa. Interessanterweise war das eine Entwicklung nicht nur auf weltlicher Ebene, sondern es schien sich auch etwas im Makrokosmos zu zeigen, dass man vorher noch nicht kannte. Die Entdeckung des Planeten Uranos, im Jahre 1781, ließ den bisherigen Kosmos einer klassischen Astrologie der sieben Gestirne (Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn) einstürzen.

Es scheint, als hätte sich so etwas mit noch einer enormeren Sprengkraft auch im Weltlichen ereignet, zumal um das letzte Viertel des 18. Jahrhunderts sich mehrere Revolutionen ereigneten, die die staatlichen und sozialen Gefüge in ihren Grundfesten erschütterten:

Mit der industriellen Revolution, deren Auswirkungen ab dem Jahr 1760 überall sichtbar werden sollten, gingen natürlich auch politische Umwälzungen der Gesellschaftsstruktur einher. Zwar gibt es keinen direkten Zusammenhang aus rein historischer Sicht, doch es ist interessant, dass in den wenigen Folgejahren des Endes des 18. Jahrhunderts, etwa 1775, die Vereinigten Staaten ihre Unabhängigkeit vom British Empire erklärten und es 1789 zur Französischen Revolution kam, die zur Abschaffung der Stände führte. Die Konsequenzen all dessen sollten ganz wesentliche Impulse überall in Europa auslösen, die das damalige Königtum fundamental veränderten und auch zu einer baldigen Schwächung des Einflusses der Kirche führten.

Zuvor bildete die Hohe Geistlichkeit den ersten Stand im französischen Staat, der Adel den zweiten und den dritten Stand alle anderen: Die Bauern und die Bürger der Städte. Der dritte Stand kam auf für die Versorgung aller, doch hatte keine Rechte. Zur Abgabe der Zehnt-Steuer an den Klerus war jedoch auch der Adel verpflichtet – ein Brauch, der sich tatsächlich seit der Zeit des Patriarchen Abraham nicht geändert hatte, der ja selbst verpflichtet war dem Priesterkönig Melchisedek von Salem »den Zehnten von Allem« zu geben (Genesis 14:20).

Strahlkraft der Vernunft?

Anscheinend kam da das Eine zum Andern und man begann immer mehr all das in Frage zu stellen, wofür die Könige und der Klerus gestanden hatten, in den Jahrtausenden zuvor. Das aber war auch die Zeit, in der ja der größte Teil der Menschheit in dunkler Unwissenheit lebte, so dass sich die Tendenz entwickelt hatte, mit der Strahlkraft der Vernunft auf-klären zu wollen. Der deutsche Philosoph Immanuel Kant, der ja in dieser Zeit der großen sozialen Umwälzungen gelebt hatte, schrieb über dieses Zeitalter der Vernunft:

Aufklärung ist der Aufgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.

In der Zeit der Aufklärung ging es nun nicht mehr um den Glauben, sondern um Beweise. Wobei das Wort »Glauben«, vielleicht seine ursprüngliche Wortherkunft teilt, mit einem glauben als vermuten. Doch das ist nicht das Selbe. Eher doch ist der Glaube an eine aus der Transzendenz wirkende Kraft, auch ein »sich Einlassen« auf ein spirituelles System, dass der Seele zur Freiheit verhelfen soll und weniger dem Körperlichen dient, noch weiter in den Mittelpunkt des Bewusstseins zu gelangen. Letzterem, das heißt der Materie, aber begann man insbesondere mit der Aufklärung zu huldigen, da sich die Dinge der physischen Welt ja durch Maß und Technik beschreiben ließen.

Wären Klerus und Adel in den Jahrhunderten bis zur Französischen Revolution aber verantwortungsvoller mit jenen umgegangen, über die sie herrschten und ihnen nicht das Recht abgesprochen hätten ein menschenwürdiges Leben zu führen, sich als freier Mensch in der Welt zu bewegen und auch selbst über Eigentum verfügen zu dürfen: Wäre es da überhaupt zu einer solchen Umwälzung gekommen?

All das auf jeden Fall, ganz gleich ob der Glaube an einen Gott oder die alten Wissenschaften, die man heute in den Bereich des Okkultismus verdrängt hat, schien während der Aufklärung unter der Oberfläche des alltäglichen, vernunftgesteuerten Denkens zu versinken – zumindest aber unterdrückt worden zu sein. Was einst eine spirituelle Praxis der Alchemie bedeutete – wo man ja nicht nur verzweifelt versuchte Gold herzustellen, sondern vielmehr seines inneren Seelenlebens gewahr zu werden – sollte eben in dieser Zeit der Französischen Revolution durch einen Antoine Laurent de Lavoisier zu einer wissenschaftlichen Chemie werden.

Interessant ist, dass sich in dieser Herauslösung des Spirituellen aus den modernen Geisteswissenschaften, auch ergab, dass sich jene, die sich um die Pflege der Esoterik, das heißt der »Inneren Wissenschaften« verpflichtet sahen, nun in den Untergrund, sich ins Verborgene zurückziehen mussten.

Eine Geheimgesellschaft die vielleicht solch innere Wissenschaften betrieben hatte, war wohl der 1776 von dem deutschen Philosophen Adam Weishaupt gegründete Orden der Illuminaten. Interessanterweise aber wird diesem Orden auch unterstellt, dass durch sein Wirken es überhaupt zur Französischen Revolution kam und dem darauf folgenden, in ganz Europa stattfindenden Kampf gegen die katholische Spiritualität. Wandte man da im geheimen Untergrund Jahrtausende altes esoterisches Wissen an, um damit ganz weltliche Veränderungen einzuleiten?

Fest steht, dass es mit diesen Revolutionen am Ende des 18. Jahrhunderts, zu einer Trennung von Offensichtlichem und Geheimem kam, von dem jedoch nur jene wussten, die schon einmal die »beiden Gesichter des Janus« gesehen hatten. Kaum verwunderlich wenn sich bereits zuvor, im Übergang ins 18. Jahrhundert, in Europa die ersten Logen der Freimaurer gründeten.

An der Oberfläche der neu entstehenden Staatengesellschaften kam es aber immer mehr zur Verhärtung eines Materialismus, was die Definition des Begriffs vom »Kapital«, durch den deutschen Philosophen Karl Marx, festigen sollte.

Auf Ebene des Bewusstseins aber entwickelten die Menschen eine wiederum neue Sicht auf die Dinge in der Welt, wurden sich, durch die allmählich gewonnene Fähigkeit zur Abstraktion, einer weiteren, der Vierten Dimension bewusst: Der Zeit. Was man als »Perspektivisches Denken« zuvor voraussetzen konnte, wandelte sich in der auf das Zeitalter der Aufklärung folgenden Moderne, in ein »Aperspektivisches Denken«. Da entstanden solch Künste, wie die durch den Spanier Pablo Picasso geprägte »Abstrakte Kunst« des 20. Jahrhunderts.

Leider aber ereigneten sich in diesem Jahrhundert auch die schlimmsten, durch Menschen verursachten Katastrophen aller Zeiten: Zwei verheerende Weltkriege, der Abwurf der Atombombe, sowie die vielen Völkermorde und der grausame Holocaust im nationalsozialistischen Deutschland.

Der schweizerische Psychologe Carl Gustav Jung schrieb sogar von einem Ende der christlichen Epoche, als Beginn eines Zeitalters des Antichristen:

Das antichristliche Zeitalter hat es an sich, dass in ihm der Geist zum Ungeist wird und dass der lebendig machende Archetypus allmählich im Rationalismus, Intellektualismus und Doktrinarismus untergeht, was folgerichtig zu einer Tragik der Moderne führt, welche, wie ein Damoklesschwert, greifbar über unseren Köpfen hängt.

– Aus C. G. Jung: Aion – Beiträge zur Symbolik des Selbst

Wird sich also der Menschen erst in der Gegenwart bewusst jener uralten Annahme – wie sie vor etwa 3.000 Jahren ein Zarathustra oder später die Gnosis definierte –, dass es kein Gutes gibt ohne dass es ein Böses zu korrumpieren versucht? Ist dann das Böse sogar noch viel gefährlicher, je weniger man es als solches auszumachen vermag? Wie auch sollte man es erkennen, wenn es sich in diesen, jenen und anderen »Ismus« hüllt, worin der moderne Mensch ja versucht, ein eigentlich lebendiges Wesen der Dinge, kategorisch einzupferchen.

Schnell erkennt man, dass das Stellen solcher Fragen äußerst heikel ist, ja es wahrscheinlich sogar sehr gefährlich ist, sie überhaupt zu stellen. Denn bekommt man es als Mensch zu tun mit diesen absoluten Gegensätzen von Gut und Böse, die sich, wie uns besonders die jüngere Geschichte zeigt, in solch unschuldige Begriffe kleiden wie »Wohlfahrt«, »Existenzsicherheit« oder »Friede unter den Völkern«, wird einem schnell gewahr, dass damit nicht nur die Welt politisch zerreißt, sondern sich immer häufiger auch das Herzen des einzelnen Menschen in zwei Hälften zu spalten scheint.

Chancen für eine Menschheit der Gegenwart

Bei alle dem jedoch, ist uns heute etwas gegeben, wozu unsere alten Vorfahren noch keinen Zugang hatten. Denn mit den Erkenntnissen über das Wesen der Dinge, die uns eben auch ein wissenschaftlicher Skeptizismus lieferte, besitzen wir damit heute eine bewertbare Gegenüberstellung zur reinen Annahme eines gläubigen Vermutens. Daher ist uns, in dieser gegenwärtigen Epoche, scheinbar möglich geworden, die eigene Fähigkeit zur Innenschau zu entwickeln, die jeder üben kann, ohne dabei das Äußere ausschließen zu müssen.

Durch die sich immer weiter klärende Transparenz, die sich zwischen dem Beginn der Neuzeit bis ins Zeitalter der Vernunft entwickelte, wodurch der Mensch das Wesen seines Bewusstseins immer näher zu erkennen vermochte, widersprachen sich darin auftauchende Bewusstseinselemente nicht mehr als »Ratio« oder »Iratio«, sondern es konnte eine »Aratio« entstehen. Das heißt, dass jedem von uns heute eine gewisse Arationalität, oder sagen wir »Unvernünftigkeit«, dabei behilflich sein kann, den wirklichen Grund unseres Daseins und unsere vielleicht verschütteten Fähigkeiten, durch ein tieferes Eindringen in die Welt des individuellen und kollektiven Unbewussten, als geborgenen Schatz ans Tageslicht unseres Bewusstseins zu befördern. Denn wir Menschen sind heute dazu fähig, das in unser Leben zu integrieren, was unsere Vorfahren an Fähigkeiten entwickelt hatten. Der deutsch-schweizerischer Philosoph Jean Gebser bezeichnete die gegenwärtige Menschheitsepoche darum als »Integrale Zeit«.

Räume der Stille

Aus dem Wunsch nach Geistesleere und innerer Stille, vermag ein Mensch in sich einen Raum zu erschaffen, woraus er bewusst – etwa durch Visualisierung – geistige Dinge in der Welt manifestieren kann. Nicht mehr nämlich ist sein geistiges Wirken allein auf die Dritte Dimension, auf eine reine Materialität beschränkt. Vielmehr kann er durch allmähliches Auflösung seines Ego, sein Bewusstsein regelrecht systematisieren, um damit kreativ handelnd, Dinge in der Raumzeit der Vierten Dimension zu erschaffen – ja sich in Zukunft darüber gar zu erheben –, etwas, worauf bereits vor über 2.000 Jahren der Christus Jesus hingewiesen hatte, in dem berühmten Gleichnis vom Senfkorn in Matthäus 17:20:

So ihr Glauben habt nur der Größe eines Senfkorns, so möget ihr sagen zu diesem Berge: Hebe dich von hinnen dorthin! So wird er sich heben und euch wird nichts unmöglich sein.

Sich eines solchen großen Glaubens an das Mögliche zu vergewissern, sollte heute gewiss zu einer Überzeugung werden. Warum? Da sich unsere moderne Weltgesellschaft, in Gegenwart einer Vierten Industriellen Revolution, wie sie das Weltwirtschaftsforum bewirbt, in immer schlimmere Krisen verfrachtet. Und es sprechen sehr viele Argumente dafür, dass, wenn wir so weitermachen wie bisher – jeder von uns –, wir unweigerlich in die Katastrophe schlittern.

Selbst aber wenn eine Wahrscheinlichkeit zur Besserung unserer Verhältnisse auf der Erde nur noch sehr gering wäre, sollten wir trotzdem alles dafür geben, Möglichkeiten zu finden, mit denen wir die Voraussetzungen schaffen für ein gesundes und nachhaltiges Zusammenleben auf unserer Erde.

So lange noch, in Fragen des Lebens, eine kleine Chance besteht, sagen wir von ein oder zwei Prozent, solange darf man nicht aufgeben. So lange muss man versuchen, die Katastrophe zu vermeiden. Wenn man mit dem Leben handelt ist es etwas anderes, als wenn man mit Geld handelt. Wenn man Geld investieren will und nur zwei Prozent Chancen hat dass es einem nicht verloren geht, dann wird nur ein Narr es investieren. Wenn ein Mensch schwer krank ist und nur zwei Prozent Chance ist, dass sein Leben gerettet werden kann, wird die Medizin mit allen Mitteln versuchen, um wegen dieser zwei Prozent, sein Leben zu retten, für das die Chance so gering ist. Und es geht bei den gesellschaftlichen Fragen um das Leben der Menschheit. Man muss also den Standpunkt einnehmen: Wenn die Chancen auch ganz gering sind, so lange man den Glauben haben kann, dass doch noch fast ein Wunder geschehen kann, so lange man nicht beweisen kann, dass es unmöglich ist […] so lange muss man jeden Versuch machen […] die Menschen aufzuwecken.

- Der Psychologe Erich Fromm in einem Interview aus dem Jahr 1977

 

Der Schwellenhüter

Der Schwellenhüter

Der Widersacher ist die Gegenkraft des Schöpfers. Dies ist vom Schöpfer so gewollt. Sie ist die Kraft, die einen Widerstand darstellt. Aber nur durch den Widerstand ist es dem Licht des Schöpfers möglich, die Menschen zu erleuchten. Erst dadurch kann der Mensch das Licht wahrnehmen und in seinem Leben kultivieren.

Gäbe es diesen Gegenpol nicht, dann gäbe es auch kein Wachstum im spirituellen Sinne. Jener Widersacher ist der Versucher, der uns prüft, eine innere Instanz, durch die wir uns verdunkeln oder erhellen. Er ist der Schwellenhüter, der uns stets wohlgesonnen ist. Er fragt  uns nur, was wir wirklich wollen und überlässt uns die Entscheidung für den nächsten Schritt. Ob wir uns zur Einheit hinbewegen wollen, oder ob wir uns weiterhin in der Trennung verstricken. Das Licht scheint in jenen Herzen stark, die den Widersacher als jene Instanz akzeptieren, die ihnen hilft, zurück zur Einheit zu finden.

Der Widersacher

Der Widersacher

Ich ringe mit dem Widersacher. Verwirklichung durch Demut oder durch Erkennen der Herrlichkeit meiner Selbst? Was ist Erkenntnis ohne Demut? Ein Ego-Spiel. Ich suche nach Erlösung und kann dabei nicht auf mein Ego bauen, möchte nur das sein, was ich in der Mitte meines Herzens finden kann. Ich versuche, die höchste Schwingung in mir selbst zu finden, suche nach Gemeinsamkeiten, nicht nach Trennung. Doch der Widersacher streichelt mir das Ego, und ich bin versucht zu erliegen den schmeichelhaften Worten, die so fern sind von dem, was sich in der Mitte meines Herzens befindet.

Auch dies geht vorbei

Auch dies geht vorbei

Im Werk des persischen Dichters Fareduddin Attar finden wir die alte Sufi-Geschichte von einem König, dessen Gefühlswelt heftig schwankte, zwischen glühender Begeisterung und dunkler Hoffnungslosigkeit.

Selbst kleinste Ereignisse in seinem Leben, riefen heftige Emotionen in ihm wach, so dass ein gerade empfundenes Glück, schnell umschlug in Enttäuschung. Allmählich aber ertrug er sich selbst kaum mehr und verzweifelte fast daran.

Seinen engsten Vertrauten wandte er sich deshalb zu, doch fand keinen Ausweg aus seiner Krise.

So kam es, dass er nach dem größten Weisen seines Landes schickte, einem erleuchteten Sufi-Heiligen. Man brachte den weisen Mann also an den Hof des Königs, der vor ihn trat, sich verbeugte und dort folgendes vernahm:

Ich will so sein wie du

sprach der König und fügte hinzu:

Kannst du mir etwas beschaffen, dass mir Ausgleich und Gelassenheit verschafft, wenn mich das Unglücklichsein wieder heimsucht? Gibt es da etwas, dass mich weise sein lässt? Jeden Preis würde ich Dir dafür bezahlen.

Da antwortete der alte Derwisch, dass er gewiss an etwas dachte, was dem König helfen würde. Doch das wäre nicht aufzuwiegen mit allem Gold seines Reiches.

Drum will ich euch ein Geschenk machen

sagte der alte Mann,

und ihr braucht mir dafür nichts zu geben, vorausgesetzt, ihr haltet es in hohen Ehren.

Der König gab dem Weisen sein Wort, der daraufhin den Palast wieder verließ.

Nach ein paar Wochen kehrte der Weise zurück und überreichte dem König ein aus feinster Jade verfertigtes Schmuckkästchen. Als der König es öffnete, glänzte darin ein goldener Ring. Er nahm ihn heraus und sah, eine Inschrift darauf:

Auch dies geht vorbei.

Verwundert darüber fragte er den Weisen, was denn die Bedeutung dessen sei, dass er da von ihm bekam, worauf der Weise sprach:

Tragt diesen Ring immer. Ganz gleich was auch passieren mag: Bevor ihr es als gut oder schlecht bewertet, berührt den Ring und lest was darauf steht. Wenn ihr meiner Weisung folgt, werdet ihr eueren inneren Frieden wahren.

Der König wunderte sich erst, doch wenig später hatte er begriffen: Alles in der Welt ist vergänglich. Das Schlechte wie auch das Erfreuliche. Im Urteil aber gefangen zu sein, das ausgesprochen oder gedacht, einer Sache oder einem Ereignis einen bestimmten Wert beimisst, ist eben so zwecklos, wie an etwas das bereits vergangen noch weiter festzuhalten.

Er sah auf einmal ein, dass eben nichts von Dauer ist. Drum entbehrte es aller Wertung und auch allen Urteils. Wer nämlich sein Ich von der Anhaftung an das Vergangene losließ, entledigte sich dabei auch seiner alten Sorgen. Ebenso aber realisierte der König, dass das auch für alles Erheiternde oder Genüssliche gilt – denn:

Auch dies geht vorbei.

Was diese vier Worte doch auszudrücken vermögen!

Wenn wir uns in Hochmut über andere hinweg setzen, holen uns diese Worte zurück auf den Boden der Tatsachen – und trösten uns auch, in Zeiten der Not!

 

Das Leben: Ein Tänzer

Das Leben: Ein Tänzer

In den spirituellen Traditionen des Westens und des Ostens, bedeuten schwere Lebenskrisen eigentlich etwas ganz anderes als das, als was man sie vielleicht persönlich empfindet. Und was für die persönliche Erfahrung gilt, das trifft auch zu auf die kollektive Empfindung schwerer Krisen.

Letztendlich bieten sich uns in Krisen sehr gute Chancen, um uns selber näher zu kommen, und dabei zu entdecken, wie wir in der Gemeinschaft erscheinen - entweder tatsächlich oder zunächst nur theoretisch.

Aus der Ruhe zum Entschluss

Die Menschheit musste sich durch unzählige Krisen schleppen und schien immer wieder - so zumindest finden wir es in den alten Überlieferungen - dem Abgrund und ihrem Ende nahe.

Wer heute Krisen durchlebt, sollte sie, zumindest ein Stück weit, erst einmal auch geschehen lassen. Bevor er sich für dies oder das zu tun entscheidet, bewahrt er Fassung doch nur durch Annehmen dessen was ist. Nur ein gefasstes Gemüt vermag richtige Entscheidungen zu treffen.

Wir sehen ohnehin erst im Rückblick, wofür eine bestimmte Krise im Leben vielleicht gut war. Und was für den Einzelnen gilt, dass ist auch wahr für die Gemeinschaft. Man muss jedoch vorsichtig sein, wenn man sich dazu anderen gegenüber äußert. Denn es kann leicht passieren, dass man mit seiner Sprache etwas zu sehr verallgemeinert. Besonders wenn es um schlimme Bosheiten geht, die Menschen anderen Menschen antaten, wäre es unverantwortlich davon zu sprechen, dass auch das Negative einen Zweck erfüllt. Wer aber in schwierigen Zeiten nach Trost sucht, sollte durchaus erwägen, die Kehrseite des Negativen als solche zu erkennen, das heißt, in den daraus wirkenden Effekten, auch etwas Gutes zu finden. Das ist möglich.

Schwere Krisenzeiten belasten uns natürlich. In fast jeder Krise aber steckt auch eine Chance. Doch um sie als solche zu erkennen, muss man die Möglichkeit zur Chance überhaupt erst einmal einräumen. Verliert man zum Beispiel seine Arbeit oder geht eine Liebesbeziehung in die Brüche, ist das schmerzhaft und man fühlt sich verunsichert. Das Leben aber bietet Überraschungen, wo doch niemand genau sagen kann was die Zukunft bringt. Und was war muss gar nicht besser sein, als das was kommt. Neue Aufgaben oder neue Lebenspartner, könnten sogar besser zu einem passen.

Sich dem Möglichen zuwenden

Als ich mit Freunden vor etwa 10 Jahren im Süden Griechenlands zurück nach Athen fuhr, passierten wir riesige Aschefelder, die große Waldbrände dort hinterließen. Mein Bedauern darüber mündlich geäußert, sagte meine Sitznachbarin zu mir:

Auch aus einem Aschefeld kommt dereinst wieder eine Blume zur Blüte.

Mir kam das damals als etwas übereifriger Optimismus vor, doch ich konnte ihrer Aussage trotzdem nur zustimmen. Zwar sah man noch die Auswirkungen dieser Katastrophe. Was aber blieb den Menschen übrig, als zu überlegen, welche nächsten Schritte notwendig waren. Bedauern nämlich half da keinem.

Nur was gegenwärtig aus einer Situation gemacht wird: Das ist relevant. Dem Vergangenen zu folgen: Wie soll das gehen? Doch dass man aus vergangenen Tragödien auch Erkenntnisse gewinnt, brauche ich niemandem einzuschärfen. Nicht aber jeder Mensch hat die selben Voraussetzungen oder das Wissen, um aus eigenen oder kollektiven Unglückserfahrungen zu lernen. Denn zu lernen bedarf einer Anstrengung und es sind nur wenige, denen im Leben die dazu notwendige Energie zur Verfügung steht.

Stellt sich da aber nicht die Frage: Was in unserem Leben frisst die meiste Energie?

Gieriges Ego

Wichtig bei Krisen ist, dass sie uns über uns selbst oder über unsere Gemeinschaft Dinge verraten können, auf die wir ohne solche Krisen niemals kämen. Wie schnell gelingt es dabei einem Menschen, die Hindernisse seines Ego zu überwinden. Und so wie es ein Ego des Einzelnen gibt, dass sich bis tief ins Unbewusste ragend, verhärtet hat, so ist es dann auch wirksam in der Gemeinschaft, als egozentrierter Gruppengeist.

Besonders heute, unterstützt durch all die vielen modernen Gerätschaften und maschinell automatisierten Hilfsmittel, scheint sich das Problem des Ego, reihum im Kreise unserer Mitmenschen (und damit unter uns), als schwieriges Problem, unsere Herzen mit immer neuen Schichten von Ichbezogenheit zu überziehen. Da wird es immer schwerer mit dem zu sehen, was die alten Mystiker das "Auge des Herzens" nannten: ein intuitiv-bewusstes, direktes Empfinden, jenseits allen Denkens.

Was die Auswirkungen dieser, in unserer modernen Gesellschaft, so tief verwurzelten Ich-Haltung bedeuten, scheint an allen Ecken und Enden immer mehr aufzulodern, bereits einer globalen Massen-Psychose ähnelnd. Beim einen, als recht schwerwiegend empfunden, weiß man dann: "Der ist krank". Doch auch andererseits, in eher lästig empfundenen Situationen mit anderen Menschen, geht es um die Wirkungen dieses allgemein gängigen Ego-Problems, das wie ein bösartiger Erreger, alle Menschen der Industire-Zivilisation infiziert hat. Es scheint da etwas am verhärteten Ego-Kern des Individuums zu zerren, das ihm überhaupt erst seine Daseinsberechtigung verleiht. Was den meisten Menschen bleibt, ist allein die Identifikation mit dem Ego.

Doch das Ego fühlt sich gerne auch ungerecht behandelt, sucht die Schuld stets bei den Anderen. In Wirklichkeit aber werden wir an unsere eigenen Unzulänglichkeiten erinnert, und der Wohlfühlbereich, von dem wir glauben, er bliebe uns für immer, wirkt auf einmal so unbehaglich. Sobald er gar zu bröckeln beginnt und wir mit dem Bereinigen unseres polierten Selbstbildes nicht mehr nachkommen, empfinden wir unser Leben zunehmend als Last.

Viel zu oft schon warteten wir zu lange in Situationen, harrten darin aus, was uns jedoch nur vermeintlich als Gelegen erschien. Längst überfällig gewordenes Tun wurde unterlassen, verschwand unter der Hand, während wir damit unserem Ego neuen Aufwind gaben: "intelligente Geräte" hektisch bedienend, damit Fotos und auch immer mehr Sprachnachrichten sendend. Auch wenn jedem klar ist, dass niemals alles, von dem was da in unserem Ego aufbrodelt und davon ausstrahlt, von anderen gelesen wird, fühlt sich unser Ego damit anscheinend ganz munter, denn das, was es da mit den anderen teilt, gibt ihm ein kurzes Gefühl der Überlegenheit, zumal es im Augenblick des Versendens ja "mehr weiß", als der Empfänger.

Viel Zeit wird heute daran verschwendet, selbst dann, wenn man dies und das auch noch andichtet, das in Wirklichkeit gar nicht existiert.

Krisen durchleben

Die Krisen die die Menschheit der Gegenwart bedrängen, scheinen also vor allem Krisen des Ego zu sein - auch wenn sie sich uns auf ganz und gar andere Weise präsentieren. Wir leben eben alle in der Annahme, dass wir unser Leben leben. Doch in Wahrheit lebt das Leben uns. In einem seiner Bücher stellte der spirituelle Lehrer Eckhart Tolle (*1948) dazu einmal treffend fest:

Das Leben ist der Tänzer und wir sind der Tanz.

Mit Passivität hat das nichts zu tun. Eher geht es darum selbst den üblen Launen des Seins nicht entkommen zu wollen, sondern sie zu durchleben, da sie uns eben auf dem Weg halten und damit daran hindern einen falschen Weg einzuschlagen - oder - falls wir uns bereits auf Abwegen befinden, uns wieder unserem Selbst näher bringen, dass dann nicht mehr dem Diktat unseres Ego gehorcht, sondern sein wahres Wesen erkannt, zum Wohle aller handelt.

Unsere durch das Ego gesteuerte Gesellschaft aber ist genau das Gegenteil eines solchen Ideals. Es ist weniger vorteilhaft zu glauben, dass man ein Leben führen könnte, das außerhalb der Gemeinschaft stattfindet. Selbst wenn da ein Eremit in diesem Moment, irgendwo in den Gemäuern oder Höhlen, seine Klausur meditierend oder betend verbringt, bedeutet das nicht, dass sich sein Wirken jenseits des Gemeinschaftswohles oder in einer fremden Welt ereignete. Oft nämlich sind es doch jene, die andere, vielleicht ganz einflussreiche Persönlichkeiten aufsuchen - einst und auch heute noch -, um guten Rat zu erhalten und damit zum Wohle der Gemeinschaft zu handeln. Und darum geht es: um das Mit-Ein-Ander, wo sich kein Ego mehr mit gegebenen Formen identifizieren braucht, sondern sich der voll bewusst gewordene Mensch, als Teil des Ganzen empfindet, selbst wenn ihm die äußeren Gegebenheiten das Gegenteil vortäuschen.

 

 

Die Technisierung unserer Zeit

von S. Levent Oezkan

Nachdem im 2. Jahrhundert vorchristlicher Zeit, das erste mechanische Astrolabium entwickelt wurde, um damit die Gestirnbewegungen voraussagen zu können, war kaum abzusehen wozu sich daraus gewonnene Erkenntnisse dereinst entwickeln sollten.

Wie auch? Allenfalls führte man die Gedanken seiner Erfinder weiter oder knüpfte daran an. Es ist hier die Rede vom Mechanismus von Antikythera, der mit Hilfe eines ausgeklügelten Zahnrad-Systems auf besonderen Anzeigetafeln abgelesen, astrologische Konstellationen vorhersagen ließ.

Dieses originelle Instrument könnte man heute als den ersten analogen Computer bezeichnen, der den Stand von Sonne, Mond und der fünf Planeten (Saturn, Jupiter, Mars, Venus und Merkur) genau vorauszuberechnen vermochte, mitsamt einer Anzeige für künftige Sonnen- und Mondfinsternisse.

Diese Erfindung, die sehr wahrscheinlich auf den griechischen Mathematiker Archimedes von Syrakus (287-212 v. Chr.) zurückgeht, wurde, wie es ausieht einige Zeit nach seinem Tod, in ihrer Funktionsweise wahrscheinlich soweit optimiert, dass jemand daraus bestimmbare Messergebnisse auch anderweitig verwenden konnte, um sich den realen Abläufen anzunähern, in dem uns umgebenden Sternensystem.

Schaut man zurück auf die vergangenen 2.300 Jahre seit dieser Zeit, so sollten solche und andere Erfindungen zur Beobachtung makrokosmischer Kreisläufe, nicht nur eine bessere Einschätzung der Zyklen ferner Himmelsobjekte bieten, sondern derartige technische Behelfsmittel den Forscherdrang insoweit befeuern, als dass man sich vermehrt auch für das interessierte, was der Mensch an wichtigen Ereignissen in seiner näheren Umgebung beobachten konnte.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts entwickelte man in Italien und in den Niederlanden die ersten Teleskope und Mikroskope. Das führte zur Entwicklung weiterer, verbesserter technischer Instrumente, deren Resultate dem Menschen dereinst nicht nur näher kommen sollten, sondern heute gar in sein Inneres zu drängen scheinen.

Falsch aber wäre zu meinen, dass sich solch Entwicklung hätte verhindern lassen. Das Streben des Menschen nach Erkenntnis ist eben so alt wie die Menschheit selbst. Ganze Bibliotheken füllen Bände, die auf unzähligen Buchseiten fragen, was zu dem unersättlichen Entdeckergeist des Menschen führte. Dabei begann alles aus dem einfachen Wunsch heraus, im Einklang mit den Bewegungen der Himmelslichter zu leben, die man ja in der Antike als Verkörperungen der Götter verehrte.

Die Gestirne als Paradigma der Zeit

Besonders unser Zentralgestirn Sonne, doch auch der Mond, geben dem Menschen ein natürliches Zeitmaß, an dem er sein Handeln den irdischen Kreisläufen anzugleichen vermag – auch heute. Wer aber bereits in alter Zeit wusste, wie es sich mit den Jahrezeiten verhält, der konnte auch entsprechend planen, und dabei die Zeitpunkte für die Aussaat, Reifedauer und das Datum für den Beginn der Erntezeit genau ermitteln. Das war über Jahrtausende hinweg die Grundlage sesshaft gewordener Volksgemeinschaften, wie etwa jene des ägyptischen Nildelta.

Natürlich sollte auch der Mensch in seinem ganzen Dasein auf die solaren Zyklen eingestimmt, besondere Regungen empfinden (Frühling) oder eben andererseits den Wunsch zu innerer Einkehr (Herbst) in sich spüren. Und da solche Stimmungslagen in alter Zeit, wo die Menschen noch mehr in der Gemeinschaft gegenseitigen Austauschs lebten, entsprechend tätig einem starken Miteinander dienten, kam es irgendwann auch zur Einrichtung traditioneller Festivitäten, die man, auf diese Kreisläufe der Gestirne symbolisch abgestimmt, zusammen feierte. Das war die Geburt des Religiösen. Wobei ja seinem Ursprung nach, das Wort »Religion«, auf ein Beachten dieser kosmischen Zyklen wert legt, die ja, wie gesagt, im Leben der Menschen entsprechende Temperamente in Gang setzen - vielleicht je nach Sonnenstand in der Welt des Grobstofflichen (Klimaunterschiede der Jahreszeiten) und je nach Mondphase (Gezeitenwirkung) im Bereich des Feinstofflichen.

Also begann man gemeinsam bestimmte Jahresfeste zu feiern, die durch die Priesterschaft festgelegt wurde und sich dafür, entsprechend ihrer Zeitepoche, besonderer Messmethoden bediente. Zuerst maß man mittels bestimmter Beobachtungstechniken, die, wie eingangs erwähnt, dann automatisch funktionierende Mechaniken ergänzen sollten, bis man sich schließlich einfach nur noch darauf verließ, selbst ohne die dahinter stehende Funktionsweise näher zu verstehen.

Eine kurze Geschichte der Uhr

Damit einher ging wohl auch eine Verallgemeinerung des Natürlichen, die vermehrt zur Abstraktion makrokosmischer Prinzipien führte. Man überließ die Vorhersage zunehmend dem Glockenschlag, der von einem besonderen Räderwerk automatisch ausgelöst, die Zeitpunkt für die rituellen Handlungen markierte. In den Klöstern wusste man sich genau danach zu richten und verzichtete über Jahrhunderte hinweg anscheinend sogar auf die direkte Beobachtung des Sonnenstands. Vielmehr fanden sich die Betenden zu so bestimmten Zeitpunkten zusammen.

Später kamen die Ziffernblätter, auf die man blicken konnte, um sich auf dieses Ereignis (Glockenschlag) und den Ruf zum Gebet, entsprechend vorbereiten zu können. Was einst die Uhren in den Gebetskammern waren, sollten später dann in den Klostergemäuern, die für alle sichtbare Uhren werden.

Hieraus wiederum kam es zur Anbringung von Uhren an Kirchtürmen, wo ein Glockenschlag nicht nur eine Mönchsgemeinde an die Gebetszeiten erinnerte, sondern dieser auch dem Volk ertönte, um den Blick auf das Ziffernblatt am Turm des Gotteshauses zu lenken.

Im Jahre 1510 fertigte der Nürnberger Uhrmacher Peter Henlein (1479-1542) bereits transportable Tischuhren hoher Qualität.

Spätestens Ende des 18. Jahrhunderts dann, hörte man Uhren in vielen Wohnzimmern ticken.

In der Moderne begannen Menschen damit, wie jeder weiß, Uhren an ihre Handgelenke zu gürten, so dass sie, ganz gleich wo, immer die Zeit parat hatten.

Aus dieser Selbstverständlichkeit heraus, begann dann im Menschen auch allmählich eine innere Uhr mitzulaufen, die seine Sicht auf die Welt, aus dieser entsprechend gemessenen Zeit, von einem zyklischen und sich erneuernden Denken, wohl in ein lineares Zeitempfinden verändern sollte, was vielleicht auch zu einer zunehmenden Unterteilung seiner Geistesaktivität führte. Der Blick auf die Uhr und die daran, vor allen Dingen gemessene Zeit, sollten ein Bewusstsein für die zyklische Weiterentwicklung des menschlichen Geistes mehr und mehr erübrigen. Die senkrechte Entwicklung zu spiritueller Vollkommenheit, schien damit rissig zu werden. Es kam zu einer mehr horizontalen Wahrnehmung, die sich immer mehr an Maßstäben orientierte, um damit allmählich zu verflachen.

Weckruf und Zapfenstreich

Für die aus der Zeitmessung präzisierten Zahnradtechniken, waren die Voraussetzungen geschaffen, diese schließlich auch im produzierenden Gewerbe zu verwenden, spätestens aber mit der Erfindung der Dampfmaschine und der durch James Watt (1736-1819) verbesserten Funktionsweise der selben.

Dies führte zu einer regelrechten Umwälzung im gesellschaftlichen Leben Europas und zu einem wohl auch ganz neuen Denken, da sich daraus ja plötzlich eine Autarkie ergab, die sich aus traditionelleren Gefügen zu lösen vermochte, die bis Ende des 18. Jahrhunderts überwiegend europäische Monarchen gehegt hatten.

War das aber vielleicht nur eine scheinbar zeitweilige Befreiung, aus den auferlegten Zwängen durch Alleinherrschende, in eine dereinst noch viel drastischere Einschränkung der Freiheit?

Mit der Amerikanischen Revolution von 1776 und der sich um das letzte Quartal des selben Jahrhuderts ebenfalls ereignenden Französischen Revolution, ab 1789, begann nur wenige Jahre früher, ab 1760, das, was man heute als die Industrielle Revolution bezeichnet. Manche Verschwörungtheorien sehen diese Jahreszahlen gerne im Zusammenhang mit der Gründung des Ordens der Illuminaten im Jahr 1776, dem Jahr in dem auch zum ersten Mal die von James Watt vebesserte Dampfmaschine in Betrieb genommen wurde (und zwar im Werk des britischen Erfinders John Wilkinson, der 1774 sein Verfahren zum Gießen und Ausbohren eiserner Kanonen patentieren ließ, das kurz darauf auf das Bohren von Maschinenzylindern übertragen wurde).

Was seit dem Ende des 18. Jahrhunderts immer mehr ins Zentrum menschlichen Bewusstseins rückte, war also die Maschine und ihre prozessartigen Abläufe. Alles Zyklische erledigten anscheinend von da an, sich hinter Stahlwänden drehende Zahnräder, deren Zeichen im Außen dem Menschen aber ein lineares Zeitempfinden suggerierten, ja viel zu oft wohl aufdrängten. So wurde auch das eigene Leben vielleicht nicht mehr als zyklische Fortentwicklung eines schrittweisen Aufstiegs empfunden, sondern als eine linear und auf symbolischer Waagerechten abmessbare, metrische und endliche Zeit. Dabei schien immer mehr Menschen die Fähigkeit abhanden gekommen zu sein, sich auf innere Zyklen einzulassen und man empfand wohl auch den Körper als Maschine, wo, wenn auch keine Stahlwand das verdeckte, was im Inneren vor sich ging.

Interessant dabei aber ist, dass man die Handhabung des Inneren, mehr und mehr an besondere Fachleute abzugeben bereit war. Und so sollten allmählich auch medizinische Gerätschaften in den menschlichen Körper Einzug nehmen, wie eben schon seit Längerem solch Technologien wie die eines Herzschrittmachers, der natürlich, keine Frage, seinen wertvollen Zweck erfüllt.

Wie es sich jedoch mit einer daraus erwachsenen Mentalität unseres Menschseins verhält, kann noch gar keiner sagen, zumal solch physiologisch-unterstützende Technologien gerade einmal etwas mehr als 60 Jahre alt sind.

Bei alle dem aber scheint sich schon länger eine Tendenz zu entwickeln, den Menschen sogar, ohne direkte Krankheitssymptome, »optimieren« zu wollen, im Sinne einer materiellen Aufwertung seines körperlichen Daseins. Jene sogenannten »Transhumanisten« glauben, der Geist ließe sich dann auch aus dem Körper extrahieren und als eigenständiges Laufwerk, auf kristalline Silicium-Einheiten übertragen, worin eingeschlossen er den menschlichen Körper überleben soll.

Doch wie war das gleich, mit diesem, an sich schon unsterblichen Teil im Menschen, der den fleischlichen Körper annahm und als ewig ungreifbare Ursache, die Wurzeln unserer gesamten Zivilisation bildete?

 

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Leben als freier Mensch

Leben als freier Mensch

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.

- Jean-Jacques Rousseau

Luftballon - ewigeweisheit.de

Leben ist Leiden - so war der Titel eines Seminars. Leben als Selbstmitleid? Ich suchte das Weite. Zum Glück, denn für mich heißt Leben frei zu sein.

Wovon aber? Sind wir denn nicht bereits frei? Haben wir nicht die Freiheit der Wahl?

Da stellt sich die Frage, ob man zunächst einmal unterscheiden sollte zwischen Freiheit und Bestimmtheit.

Was bedeutet das?

Freiheit in Bezug auf unsere Wahlmöglichkeiten: jeder besitzt sie jetzt schon und keiner muss wirklich dafür kämpfen. Selbst in Staaten unserer Erde, deren politische Systeme die Menschen stark in ihrem Handlungsspielraum einschränken und wo es sehr viele Verbote gibt, selbst da haben Menschen die Freiheit zu entscheiden, wenn auch nicht in unseren Konzepten gedacht.

Freizügigkeit und Körperbewusstsein

Frei aber sind in unserer, westlichen Kultur eigentlich alle Menschen in der Ausübung ihrer Sexualität, scheint sich im Westen in den vergangenen Jahrzehnten, eine regelrechte Freiheits-Kultur entwickelt zu haben. Bedeutet das Ausleben körperlicher Freizügigkeit aber eigentlich wirklich Unabhängigkeit?

Vielleicht wäre es zunächst einmal klug zu schauen, was es bedarf, um sich körperlich zu befreien. Ein Bezug zur Materie bleibt aber immer bestehen. Wenn wir mit uns sind, können wir immer tun und lassen was wir wollen, allein oder zweisam. Wer jedoch glaubt, Freiheit allein im sexuellen Bereich ausüben zu können, eilt einer Illusion nach, denn er wird immer unfähiger die Ursachen seiner eigentlichen Unfreiheit zu erkennen und zu bekämpfen. Jene, in den westlichen Gesellschaften gegenwärtige, grenzenlose Freizügigkeit scheint sich aber immer weiter in Richtung sinnlicher Verödung zu bewegen.

In all unseren Handlungen in der materiellen Welt, sind wir immer auf Äußeres angewiesen. Wohl lässt sich der Durst nach äußerem Erfahren niemals stillen. Freiheit könnte aber erlangen, wer zuerst einmal beginnt sich von jenen, aus seinem Innern drängenden Zwängen zu befreien. Denn wer einer Sache bedarf, erleidet einen Mangel. Wer Hunger hat muss essen, wer Durst hat trinkt. Da der Mensch aber nicht vom Brot allein lebt, stellen wir uns vielleicht irgendwann die Frage, welche der vielen anderen Bedürfnisse eigentlich echt sind?

Unendlich viele Wege führen ins Nirgendwo

Stellen Sie sich vor, Sie stehen an einer beschilderten Weggabelung. Jedes Schild deutet hin auf einen Erfolg im Leben oder garantiert Ihnen die Befriedigung eines besonderen Wunsches. Alle dort gezeigten Versprechen werden ihr Leben verschönern. Wie lange aber zögern Sie, um letztendlich einen Weg einzuschlagen?

Schauen Sie sich um: unzählige Möglichkeiten bieten sich Ihnen im Leben. Führt eine solche unbegrenzte Auswahlmöglichkeit aber nicht zu einer langsamen Verflachung ihres letztendlichen Nutzens? Die Stromstärke von Elektrizität die durch ein Kabel fließt, nimmt in jeder folgenden Kabel-Verzweigung ab, wird immer schwächer.

Die Freiheit der Wahl ist in Wirklichkeit ein Synonym für mentale Sklaverei. Wer frei sein möchte, sollte sich auf genau eine Sache festlegen - sich zumindest aber, nur nach wenigen Dimensionen hin ausbreiten wollen. Denn wenn sich uns viele Auswahlmöglichkeiten anbieten, fühlt sich zwar unser Ego geschmeichelt, doch wo es keine Auswahl gibt, da existiert einzig und allein die Tat. Nichts sonst im Leben zählt. In die Freiheit bewegt man sich mit dem ersten Schritt.

 

Verlangen

Verlangen

Der Mensch ist getrieben von Verlangen, von Genuss und dem Willen Freude zu empfangen. In den spirituellen Traditionen wie z. B. im Christentum, in der Kabbala und im Buddhismus wird dieses menschliche Grundbedürfnis thematisiert.

Der theologische Begriff Konkupiszenz stammt von dem lateinischen Wort cocupiscentia, was heftiges Verlangen oder Begierde bedeutet. Er bezeichnet die Neigung oder den inneren Drang des Menschen zum Bösen und zur Sünde.

Die Kabbalisten sprechen in diesem Zusammenhang von „Verlangen zu empfangen“. Durch dieses Verlangen werden all unsere Handlungen, Gedanken und Gefühle gesteuert.

Im Buddhismus wird besonders auf die irdischen Leidenschaften hingewiesen. Hier gibt es zwei Arten von Leidenschaften, die die Buddha-Natur verdecken. Zum einen gibt es Leidenschaften des Intellekts und zum anderen Leidenschaften der Emotionen. Diese wiederum wurzeln in der Unwissenheit und der Begierde, die als Quellen allen Leidens betrachtet werden.

Nun verhält es sich wohl so, dass wir durch die Überwindung der Begierden zurück in den Garten Eden finden. Dies führt zu der Vereinigung mit dem Göttlichen bzw. zum Buddha-Bewusstsein. Dem Menschen ist die Bürde auferlegt, dem Verlangen nach der Sünde zu widerstehen, will er sich erhöhen, dienen und das Licht in sich kultivieren. Unabhängig davon, wie Sünde definiert wird, ist das Verlangen etwas, das der Mensch mäßigen sollte. Wobei es nicht darum geht, sich zu geißeln, mit Stränge und Härte gegen die eigenen Bedürfnisse vorzugehen, sondern vielmehr eine Bewusstheit über die eigenen Bedürfnisse zu erlangen, um in einem größeren Handlungsspielraum nicht Sklave der eigenen Impulse zu sein.

Interview mit Claudia Trauth: Heilerin, Rückführungstherapeutin, Kinesiologin, Freigeist

Interview mit Claudia Trauth: Heilerin, Rückführungstherapeutin, Kinesiologin, Freigeist

Claudia Trauth - ewigeweisheit.de Claudia Trauth - ewigeweisheit.de

Warum wird ein Mensch krank?

Geht man davon aus, dass Gesundheitsstörungen (ich bevorzuge dieses Wort statt Krankheiten) allein physischen Ursprungs sind (z. B. eine Wunde nach einem Unfall), so hieße das, den Menschen von seinen beiden anderen Körpern zu trennen. Doch wir bestehen nun mal aus drei Körpern – der physische, geistige und seelische Körper, und die lassen sich keinesfalls voneinander trennen! Gedanken und Emotionen lassen sich an unserem Körper ablesen, wie z. B. es beschleunigt sich unser Herzrhythmus, wenn wir Angst haben oder bestimmte Gefühle erleben oder wir bekommen Fieber, wenn wir erkältet sind (metaphysische Bedeutung: kalt zu sich selbst sein).

Die häufigsten Krankheits-UR-Sachen können sein:

  • „negative“ Haltungen (Über-Zeugungen, Glaubenssätze usw.)
  • „negative“ Emotionen (Hass, Rache u.a.)
  • Schuldgefühle
  • Durch eine Krankheit die Aufmerksamkeit anderer auf sich zu lenken (aufgehört, sich selbst zu lieben)

Die Übermacht unseres Ichs/Egos (bestimmt das Ego unser Leben, so können wir nicht sein wie wir wollen, wir verbauen uns unsere innersten Wünsche selbst und blockieren somit den Körperteil/Organ, durch den diese Wünsche zum Ausdruck gelangen können/wollen.

 

Gibt es noch andere Gründe?

Ja! Immer deutlicher dürfen wir erkennen, dass alles mit allem und jeder mit jedem vernetzt ist. Dies betrifft im Besonderen Familienmitglieder. In Familien ist die Vernetzung so stark, dass Familien wie eigenständige Lebewesen betrachtet werden können – also das Kraftfeld Familie. Woran kann man erkennen, dass das Familien-Kraftfeld eine entscheidende Rolle spielt?

  • Wenn es in der Familie ähnliche Krankheiten, Ängste oder Schicksale gibt
  • Wenn sich Bestimmtes über Generationen wiederholt

Und dann gibt es noch hinter der grobstofflichen Ebene feinstoffliche Ebenen und Wesen, welche einen wesentlichen Einfluss auf unser Leben und unsere Gesundheit haben. Ich werde oft von seelisch oder körperlich leidenden Menschen gerufen um nachzusehen, was bei ihnen oder in ihrem Haus los ist:

  • Menschen, die von verstorbenen Angehörigen belästigt werden
  • Kinder, die Angst haben, weil Geister umgehen
  • Menschen, die durch negatives Denken Dämonen kreieren
  • Uvm.

 

Wer kann wirklich helfen?

Um einen Heilungsprozess in Gang zu setzen ist es unausweichlich, sich anderen zu öffnen, sich gegenüber sich selbst zu öffnen und sich in erster Linie für Veränderungen und gegenüber der Liebe zu öffnen. Da jeder Mensch individuell ist, gibt es in der Tat viele verschiedene Ansätze, um eine optimale Gesundheit zu erreichen, die alle ihre Bedeutung haben. Wichtig ist, selbst zu verstehen was ich erlebe, und mir dabei von anderen auf deren jeweiligen Fachgebiet helfen zu lassen.

 

Vor 15 Jahren war der Begriff »Geistheiler« mal wieder in aller Munde.
Und heute?

Geistiges, energetisches Heilen ist eine uralte und dennoch moderne Heilmethode und bietet sich für ganzheitlich denkende und an ihrer Entwicklung interessierten Menschen an – zu allen Zeiten.

 

Gibt es unheilbare Krankheiten?

Alle Beschwerden und jede Krankheit lassen sich heilen, wenn ich zu Veränderungen bereit bin und einen neuen und positiven Blick auf jede Situation richte die ich erlebe – und mag es noch so schwer sein!

 

Krankheit als Weg?

Mir gefällt gut die Aussage von Rüdiger Dahlke, der sagt: hat ein Mensch einmal den Unterschied zwischen Krankheit und Symptom begriffen, so ändert sich schlagartig seine Grundhaltung und sein Umgang mit Krankheit. Er betrachtet nicht länger das Symptom als seinen großen Feind, dessen Bekämpfung und Vernichtung sein höchstes Ziel ist, sondern entdeckt im Symptom einen Partner, der ihm helfen kann, das ihm Fehlende zu finden und so das eigentliche Kranksein zu überwinden. Jetzt wird das Symptom zu einer Art Lehrer, der hilft, uns um unsere eigene Entwicklung und Bewusstwerdung zu kümmern, und der auch viel Strenge und Härte zeigen kann, wenn wir dieses, unser oberstes Gesetz missachten. Krankheit kennt nur ein Ziel: uns heil werden zu lassen.

 

Frauenkrankheiten und Männerkrankheiten: Welche grundsätzlichen Unterschiede gibt es?

Männer und Frauen sind grundsätzlich verschieden, ganz abgesehen von der metaphysischen Ursache für eine Gesundheitsstörung, und das ist inzwischen auch wissenschaftlich erwiesen.

Ein mythologischer Aspekt: Die Menses symbolisiert die Verletzung der zerrissenen Einheit von Mann und Frau. In der griechischen Mythologie wird diese Einheit als Kugel beschrieben, die in Mann und Frau geteilt wurde. Die Aufgabe sich wieder zu finden, ist mit schmerzhaften Erfahrungen verbunden, die sich z. B. im Ablauf der Menses und im Menstruationsschmerz der Frau zeigen. Die Erfahrungsmuster von Männern und Frauen sind gewöhnlich sehr unterschiedlich, sodass es im Kontakt miteinander zu Verletzungen und Missverständnissen kommt.

 

Haben Krankheiten auch, was sich vielleicht als Vorteil bewerten ließe?

Die Tatsache, dass wir die Ursache eines Leidens „aufdecken“, bringt uns dazu uns loszulösen und somit aus der „Opferhaltung“ zu kommen – in dem Sinne, in dem wir eine Krankheit positiv betrachten und uns somit von dem negativen Einfluss befreien.

 

Gibt es immer Beweggründe, auch wieder gesund werden zu wollen?

Wir sollten uns glücklich schätzen, wenn wir die Ursache unserer Leiden wissen, denn dann stellen sich fast zwingend die wichtigsten Fragen des Lebens:

  • Wer bin ich?
  • Was ist der Sinn meines Lebens?
  • Wo komme ich her?
  • Wo gehe ich hin?

 

Was können wir von Krankheiten lernen?

Jede Krankheit hat einen Sinn und ein Ziel! Wichtig ist, dass Muster bzw. die WIRKLICHE URSACHE dahinter zu erkennen, und dafür muss die seelische Ebene unbedingt beachtet und bearbeitet werden!

 

Krankheit erleben und die dabei gemachten Erfahrungen: Lassen sie sich nutzbar machen für einen selbst und auch für andere?

Krankheiten zu erleben bedeutet immer eine persönliche Entwicklung bzw. sich im weiteren Sinne seiner geistigen Entwicklung bewusst zu werden. Und dann tut sich vage die Erkenntnis auf, dass sich alle Krankheiten als Mangel an Liebe erklären lassen. Liebe sei die einzige Heilkundige, heißt es. In der Tat kann die Liebe Türen auftun, damit Heilung stattfinden kann – diese Erfahrung verändert nicht nur mich als Betroffenen, und nicht nur das gesamte Umfeld, sondern das gesamte Universum!

Wahre Therapie ist eine Tat der Liebe, und die muss gefühlt werden!

 

Führt eine Krankheit manchmal auf einen neuen Lebensweg?

Immer!

 

Webseite von Claudia Trauth:

www.energiezentrum-kandel.de

Kontrolle aus Angst vor Bestrafung

Aus Angst vor Bestrafung - ganz gleich ob diese Strafe gerechtfertigt oder ungerechtfertigt ist - erwächst ein Verlangen nach Kontrolle.

Und damit einher geht ein Drang, vermeintliche Pflichten sofort erfüllen zu wollen.
Denn glaubt man eine Pflicht nicht erfüllen zu können, führt das ja wieder zu einer Befürchtung, dafür bestraft zu werden.

Wäre es vielleicht angebracht, die Angst vor Bestrafung, als Illusion anzuerkennen?

Daraus nämlich erwüchse Vertrauen - uns selbst und gegenüber anderen Menschen.

Und wer anderen vertraut, der gewinnt auch neue Freunde, wenn er will.

Und wer Freunde hat, der findet Rat.

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