Vedanta

Kraft der Wahrheit

von S. Levent Oezkan

Nikolai Ge:

Alles das ist, ist eigentlich wahr. Wir nehmen wahr. In der Mystik der alt-vedischen Brahmanen-Religion verehrte man, was man da schlicht als »Das Wahre« bezeichnete. Es künden davon die 3.000 Jahre alten Mahanarayana-Upanischaden, in denen es heißt:

Durch die Wahrheit weht der Wind.
Durch die Wahrheit strahlt die Sonne am Himmel.
Grundlage der Sprache ist die Wahrheit.
Das All gründet auf Wahrheit.

- Mahanarayana 63:2

Besonders die beiden letzten Sätze geben wieder, was man auch in der Christlichen Mystik findet. Am Anfang des Johannes-Evangeliums lesen wir ja vom Schöpfungswort Gottes:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.

- Johannes 1:1ff

Es sind gerade die Wörter, durch die sich das Wesen der Dinge überhaupt bezeichnen lässt, gesprochen in einer Grammatik, die ihrerseits eine Wahrheit ist. Wenn es zuvor jedoch heißt, dass das All auf Wahrheit gegründet ist, dann ist Wahrheit auch ein Synonym für das Ewige.

Wahrhaftig ist die Kraft des Erschaffenen, eine Energie der Ewigkeit.

Ist das Wirken dieser Kraft jedoch zeitlich begrenzt, so ist auch die Wahrheit nur von bestimmter Dauer. Was wahr ist, aber wirkt fort. Unwahrheit taucht auf, doch verschwindet wieder.

Wer Unwahres sagt, spricht wissentlich über etwas, dass allerdings keinen Bestand hat, so als würde jemand etwas sammeln, etwas zu sich nehmen in dem Glauben, er könne es für immer behalten. Nun ja, gewiss: während seiner Lebenszeit auf Erden wird das vielleicht möglich sein. Doch nichts von dem was er be-sitzt, nützt ihm auch nur im Geringsten im Grab.

Mit diesem Wissen eigentlich sollte man auch das, was man in der Welt für falsch, für unwahr, für nicht richtig hält, als etwas erkennen, dass immer zeitlich begrenzt ist. Ob man seine Richtigstellung jedoch überlebt: Wer soll das schon wissen?

Begrenzt ist auch das Leben von uns Menschen. Zwar kann der sterbliche Körper auf die Wahrheit zeigen, hinweisen auf das was wahr ist, was darunter jedoch die anderen Sterblichen verstehen (können), das steht auf einem anderen Blatt. Einer der die Wahrheit sagt, muss in dieser Welt eben oft Nachteile in Kauf nehmen oder auf etwas verzichten, dass ihm vielleicht eher zuteil würde, wüssten andere von dieser Wahrheit nichts.

Was es bedeuten kann die Wahrheit zu äußern, dass hat besonders einer mit dem Tode bezahlt, über den es im Johannes-Evangelium heißt:

Pilatus sagte zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme. Pilatus sagte zu ihm: Was ist Wahrheit? Und als er das gesagt hatte, ging er wieder hinaus zu den Juden und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm.

- Johannes 18:37f

Pilatus also wandte sich ab, ohne auf die Antwort zu warten. Die Behauptung Jesu, er lege für die Wahrheit Zeugnis ab, wies Pilatus damit zurück, denn anscheinend war diese Wahrheit, von der Jesus sprach, auch eine, die in der Welt eigentlich unerwünscht bleibt.

 

In den Pilatusakten des apokryphen Nikodemus-Evangeliums allerdings, findet sich doch eine Antwort Jesu auf Pilatus' Frage:

»Die Wahrheit stammt vom Himmel.« Und Pilatus: »Gibt es auf Erden keine Wahrheit?« Darauf Jesus zu Pilatus: »Du siehst doch, wie die, welche die Wahrheit sagen, von den irdischen Machthabern gerichtet werden.«

- Nikodemus-Evangelium, Pilatusakten, Teil 1, Cap. III:2

Unwahrheit

Wenden wir unsen Blick wieder nach Indien. Aus dem in alten vedischen Schriften enthaltenen Werk, der »Brahmana der hundert Pfade«, erfahren wir, dass einst Wesen der himmlisch-göttlichen Welt nur von der Wahrheit kündeten. Wohingegen die Dämonen immer nur Scheinwahrheiten und eigentliche Lügen verbreiteten.

Durch die vielen Lügen und Unwahrheiten, die die Dämonen den Menschen einflüsterten, schichtete sich allmählich über das, was noch als ewige Wahrheit überall gegenwärtig schien, ein dunkler Schleier von Unwahrheit. Es ging so alles verschütt, was in dem ewig Wahren enthalten war. Man vergaß und der Wert jener himmlischen Wahrheiten wurde immer weniger geachtet. Und jene, die um diese Wahrheit noch wussten, verschwanden allmählich, so dass bis heute nur noch wenige unter uns sind, die von dieser Wahrheit kosten durften. Nur vereinzelt sieht man sie hier und da, mal als buddhistischer Bettelmönch im fernen Tibet oder als wandernden Derwisch in Indien oder Pakistan, oder auch in unseren Breiten, wie etwa die franziskanischen Mönche christlicher Klöster.

Ist es aber nicht eigenartig, dass sie doch eigentlich jene sind, auch heute noch, die von diesen Wahrheiten wissen, daraus Weisheit freizusetzen vermögen, die ihren Mitmenschen im Leben helfen. Wären es nicht eigentlich sie, die von allen geehrt und bewundert, denen man zu Ruhm verhelfen könnte, zumal ihr Wissen um die Wahrheit doch offenbar von hohem Wert ist?

Stattdessen aber sind sie dennoch arme Menschen, ja wie gesagt manchmal sogar Bettler, von deren Weisheiten und kostbarem Wissen keiner weiß – oder die man aus reiner Ignoranz nur unwissend belächelt.

[...] Die Himmlischen, die beständig die Wahrheit sprachen, wurden scheinbar geringer und ärmer. Darum wird einer, der ständig die Wahrheit spricht, auch heutzutage scheinbar geringer und ärmer. [...]

- Brahmana der Hundert Pfade 9:5:1:16

Und auch wenn die Aussage dieses Verses schon Jahrtausende alt ist, scheint sie sich doch bis heute immer wieder zu bestätigen. Das mag vielleicht auch an unserer modernen Kultur liegen, wo die Menschen ihre Aufmerksamkeit immer mehr jenen schenken, die offensichtlich die Unwahrheit sagen und sei es nur in erfundenen Geschichten über unrechtmäßig handelnde Menschen.

Es mag das wohl auch der allgemeinen Trägheit oder Faulheit vieler Menschen geschuldet sein, was ja eigentlich ins sich wieder Unwahrheiten sind. Der Mensch nämlich ist von Natur aus doch jemand der sich bewegt. Nicht nur im Sinne eines nomadischen Lebens, dass ja noch bis vor ungefähr 6.000 Jahren weit verbreitet war. Worauf hier mit »Bewegung« hingedeutet werden soll, ist eher die Bereitschaft Neues zu erschaffen oder eben neue Vorstellungen in das eigene Leben zu integrieren, um daraus etwas zu gestalten, wie auch die Natur jedes Jahr aufs Neue die Dinge auf so vielgestaltige Weise formt.

Wer jedoch in Faulheit verharrt, der glaubt auch schon einmal Unwahres, wohl um in seinem vermeintlichen Wohlfühlbereich passiv verharren zu können. Unwissenheit und Unwahrheit liegen da nahe bei einander. Wozu aber so etwas führt, das zeigte uns bereits die jüngere Geschichte Europas.

Scheinbar uralten Gesetzmäßigkeiten gemäß aber, und das zeigen uns unzählige Episoden der Menschheitsgeschichte, ist das Unwahre nicht von Dauer. Davon künden auch die 2.500 Jahre alten Brahmana der Hundert Pfade:

Die […] die beständig die Unwahrheit sprachen, glänzten wie Salzboden äußerlich, scheinbar wurden sie reich. Darum glänzt auch heutzutage einer, der ständig die Unwahrheit spricht, wie Salzboden äußerlich, scheinbar wird er reich. Aber schließlich gerät er ins Unglück. Denn schließlich gerieten die Dämonen ins Unglück.

- Brahmana der Hundert Pfade 9:5:1:17

 

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Drei Bestandteile der kosmischen Weltseele

Drei Bestandteile der kosmischen Weltseele

Ich bestehe meiner Natur nach aus Bewusstsein.
Ich bin aus Bewusstsein und Glück gemacht.
Ich bin nicht zweifältig, bin reine Form, absolutes Wissen, absolute Liebe.
Ich bin unveränderbar, frei von Begierde und Wut, bin leidenschaftslos.
Ich bin die Essenz des Einen, bin grenzenloses, vollkommenes Bewusstsein.
Ich bin grenzenlose Glückseligkeit, bin grenzenlose Existenz und transzendetes Glück.
Ich bin Atman, dass sich als sich selbst genießt.
Ich bin das Sat-Chit-Ananda, dass immer währt, erleuchtet und vollkommen rein.

- Aus den Tejobindu Upanischaden

Die indischen Upanischaden sehen Atman und Brahman als Wesenseinheit. Sie repräsentieren das wahre Wesen der Welt, das im Einzelnen als Atman, im Universalen als das Brahman erkannt wird. Zwar besitzt Brahman keine Wesenszüge die die Seele eines Menschen erkennen könnte, doch kennzeichnet es die Dreiheit von Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit.

Nur das was es selbst ist, kann auch aus ihm hervorgehen, wo aus dem Brahman doch die Welt als Ganze hervorging. Brahman kann dabei nicht als gänzlich substanzlos betrachtet werden, da aus ihm, laut indischer Überlieferung, die Materie des Kosmos hervorging. Und so wie alles aus ihm geschaffen wurde, im Geist wie in der Materie, so ist Brahman auch in allem enthalten, als unerdenkliche, nicht wahrnehmbare Kraft.

Was als Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit dem Brahman als seine Attribute zugeschrieben wird, das bezeichnen im Sanskrit, die folgenden drei Wörter:

  • Sat: Die Wahrheit des eigentlichen und realen Seins und aller Existenz.
  • Chit: Die Erkenntnis der Welt, rein, unpersönlich und damit ein Bewusstsein, jenseits aller Dualität und Widersprüche.
  • Ananda: Das Grenzenlose, dass Glück und Freude in der Welt bewirkt.

Man könnte Sat, Chit und Ananda damit auch als eigene Ebenen des Brahman bezeichnen, wo Sat die höchste und Ananda die unterste Stufe ist. Jenseits dieser drei Ebenen, befindet sich der reine Geist des Brahman, der auf ewig unerkannt bleibt.

Chit ließe sich als universelles Bewusstsein bezeichnen, welches in immer dichter werdender Form im erschaffenen Kosmos zu finden ist.

Wenn man nun von einer Heiligkeit der Welt spricht, die uns als Menschen umgibt und aus der im Grunde auch der Mensch selbst erschaffen ist, so die indischen Weisheitslehren der Upanischaden, meint das die reine Freude über die Erkenntnis des Seins an sich. Und in dieser Aussage wieder klingt jene Dreiheit an, von der wir eben sprachen: Sat, Chit und Ananda.

Jeder Mensch kann diese Erkenntnis machen und dabei Glück empfinden, ganz gleich wer oder was er ist. Wahrscheinlicher jedoch ist, dass Sat-Chit-Ananda von jemandem erfahren wird, der sich in großer Not befand. Ja besser noch: Wohl weiß jener zu erkennen, was hier angedeutet wurde, der ganz und gar allen weltlichen oder alltäglichen Seins entbehren muss. Aus der größten Not mag durchaus der größte Segen geboren werden, etwas, losgelöst von allem weltlichen Wünschen. Voraussetzung für dieses Glück allein ist nur der Wunsch danach sich selbst und das Gegenwärtige, unveränderliche erkennen zu wollen, als reines Sein.

 

Jetzt ist die Gegenwart

Jetzt ist die Gegenwart

Wenn ich "heute" sage, spreche ich von der Zeit zwischen gestern und morgen, zwischen Vergangenem und Kommendem. Alles was stattfindet jedoch, ereignet sich heute, denn gestern ist unwiederbringlich vorbei und was morgen sein könnte, kann niemand versprechen.

Zwar kann ich mich an die Vergangenheit, die Geschichte, meine Herkunft oder an die Ursachen meines Daseins erinnern, anwesend aber kann ich nur heute sein, in der Gegenwart, im Jetzt.

Meine Visionen aber können sich am besten entfalten, wenn ich ohne zu hoffen, ohne Angst mir jetzt die Zukunft vorstelle, so wie ich sie gerne hätte.
Zwar wird die Zukunft immer anders sein als das, doch wer weiß: Vielleicht wird sie meiner Vision doch mehr ähneln, als ich zu träumen wagte!

Bleibt also die Frage: Wovon will ich träumen und was davon als Bild vor meinem inneren Auge auferstehen lassen?

Was zeigt das Schaubild an?

Unterhalb der Anzeige des Datums, sieht man vier Spalten, betitelt mit "Geist", "Seele", "Körper" und "Welt".
Diese vier Größen beschreiben die gegenwärtige Phase eines Kräftegleichgewichts, dass sich aus den Synergie-Effekten ergibt, die durch das zyklisch-kosmische Wechselspiel von Erde und Sonne, auf den Menschen ausstrahlen.

Alle angezeigten Werte sind genau errechnet und keine Zufallswerte. Die Bebilderung dient dem intuitiven Erfassen der esoterisch-zeitlichen Motive.

Geistige Vorgänge spielen sich dabei im Zeitraum von Stunden ab, seelische Prozesse innerhalb von Tagen (oder Wochen), körperliche Umwandlungen beziehungsweise unsere Verhaltensweisen in Bezug auf die materielle Welt, innerhalb von Monaten oder sogar Jahren.

In der Spalte "Welt" wird das Thema des Tages angezeigt, dass sich aus dem Datum errechnet und wofür eine entsprechende Karte der Großen Arkana des Tarot angezeigt wird.

Die anderen Bilder stammen aus der Kleinen Arkana und geben das Thema an, dem ihre Spalten zugeordnet sind.

Im unteren, schwarzen Teil des Schaubilds sieht man die Mondphase und in welchem der 12 astrologischen Tierkreiszeichen sich der Mond gegenwärtig befindet.

Nirvana Shatkam: Die Sechs Befreiungen

Nirvana Shatkam: Die Sechs Befreiungen

Ich bin weder Seele, noch Intellekt, noch Ego, noch die Reflexion meines inneren Selbst.
Ich bin nicht die fünf Sinne.
Ich bin jenseits dessen.
Ich bin nicht die sieben Elemente oder die fünf Hüllen.
Ich bin in der Tat, ewiges Wissen und Glückseligkeit, bin das Verheißungsvolle, bin Liebe und reines Bewusstsein.

Weder kann ich bezeichnet werden als Energie,
Noch als die fünf Formen des Atems,
Noch als die sieben materiellen Essenzen,
Noch als die fünf Hüllen.
Weder bin ich das Organ der Sprache,
Noch Hand, Fuß oder Ausscheidungsorgan.
Ich bin in der Tat, ewiges Wissen und Glückseligkeit, bin das Verheißungsvolle, bin Liebe und reines Bewusstsein.

Weder habe ich Hass noch Abneigung,
Noch Beziehung oder Vorliebe,
Noch Gier,
Noch Irrtum,
Noch Stolz oder Hochmut,
Noch Gefühle der Eifersucht oder des Neids.
Ich habe keine Pflicht,
Noch habe ich Geld,
Noch irgendwelche Begierde,
Noch nicht einmal Freiheit.
Ich bin in der Tat, ewiges Wissen und Glückseligkeit, bin das Verheißungsvolle, bin Liebe und reines Bewusstsein.

Ich habe weder Verdienst,
Noch Fehler.
Ich begehe keine Sünden noch erfülle ich gute Taten,
Noch habe ich Glück oder Kummer, Schmerz oder Freude.
Ich brauche kein Motto, keine heiligen Orte, heilige Schriften, Riten oder Opfergaben.
Ich bin nicht die Dreiheit des Beobachtenden oder jemand der wahrnimmt,
Bin nicht der Vorgang der Beobachtung oder der Wahrnehmung,
Oder Etwas das beobachtet oder wahrgenommen wird.
Ich bin in der Tat, ewiges Wissen und Glückseligkeit, bin das Verheißungsvolle, bin Liebe und reines Bewusstsein.

Ich habe keine Angst vor dem Tod,
Wie ich auch den Tod selbst nicht habe.
Ich bin nicht getrennt von meinem wahren Selbst,
Noch habe ich Zweifel über mein Dasein,
Noch unterscheide ich mich auf Basis des Geborenseins.
Ich habe weder Vater noch Mutter,
Noch hatte ich eine Geburt.
Ich bin nicht der Verwandte,
Noch bin ich Freund,
Noch bin ich Guru,
Noch bin ich Jünger.
Ich bin in der Tat, ewiges Wissen und Glückseligkeit, bin das Verheißungsvolle, bin Liebe und reines Bewusstsein.

Ich bin alles durchdringend.
Ich bin ohne Eigenschaften,
Und ohne jede Form.
Weder bin ich gebunden an die Welt,
Noch bedarf ich der Freiheit.
Ich wünsche mir nichts, denn ich bin alles,
Bin überall,
Bin immer und Allezeit im Gleichgewicht.
Ich bin in der Tat, ewiges Wissen und Glückseligkeit, bin das Verheißungsvolle, bin Liebe und reines Bewusstsein.

 

Freundeskreis der Edition Ewige Weisheit

Innere Weisheiten vermitteln - Spirituelle Erfahrungen teilen: Gemeinsam.

Riesige, immer neue Wogen an Informationen münden heute mehr und mehr ins Uferlose. Nur sehr wenig davon verdient als wahres Wissen gewertet zu werden.

Wer aber in Berührung kam mit innerer Welterkenntnis, der vermag auch, jenseits dieser gegenwärtigen Informations-Krise, neue Wege zu entdecken, die ihn zu wahren Weisheiten führen können.

Was man heute Wissen nennt, hat mit Weisheit doch nur wenig zu tun. Eher vergrößert vieles davon die Probleme unseres Daseins, im Informations-Strudel einer sich ständig verändernden Welt der Moderne.

Das, woraus sich unser alltägliches Wissen ursprünglich bildete, geht zurück auf ein inneres, ein esoterisches Wissen, das sich als Urwissen der Menschheit bezeichnen ließe. Vielen Menschen der Gegenwart aber ist nicht bewusst, dass so etwas überhaupt existiert – oder – sie solch Wissen nur oberflächlich betrachtet, als unwichtig einschätzen.

Wer jedoch von dem Urwissen der Ewigen Weisheitstraditionen der Welt erfährt, dem dürfte sich auch der Sinn unseres Daseins allmählich entfalten.

In solch universalem Bewusstsein, für eine allem Wissen zugrunde liegenden Urtradition, können wir entsprechend handeln und unsere gemeinsame Zukunft verantwortungsvoll bewältigen.

Das Ziel des Freundeskreises

Das Wirken des Freundeskreises prägt ein zentrales Ziel: Die traditionellen Weisheitslehren aus West und Ost stärker mit ihrem gesellschaftlichen Umfeld, im deutschsprachigen Raum zu verbinden – durch Bildungsarbeit und die ideelle Unterstützung von Menschen in Ihrer Bewusstseinsfindung.

Er trägt dazu bei, die geistigen und kulturellen Werte, einer allen spirituellen Traditionen zu Grunde liegenden Weisheit, zu fördern und zu verbreiten. Diese Weisheit nahm ihren Ursprung in den alten Menschheitskulturen. In ihr spiegeln sich bis heute die Wesensmerkmale eines inneren Wissens der Menschheit.

Dazu zählen die Weisheiten und Erkenntnisse aus der Hermetik, der Alchemie, der Kabbala, des Neuplatonismus, der Gnosis, der christlichen Mystik,  des Sufismus, des Vedanta, des Taoismus, des Schamanismus und der Traditionen indigener Spiritualität.

Die damit zusammenhängenden Überlieferungen führen den Einzelnen an die Tore höherer Bewusstheit für das, was in ihm verborgen ist, doch erkannt werden will.

Aus der im Freundeskreis erfolgenden Zusammenarbeit, soll im Jahr 2022 eine Stiftung hervorgehen, die Menschen im deutschsprachigen Raum ermöglicht, Freundschaften zu schließen, im Bewusstsein eines gemeinschaftlichen Ursprungs der traditionellen Weisheitslehren der Menschheit.

Diese Stiftung will Orte auf Erden schaffen, die spirituelle Zufluchtsstätten für all jene bereitstellen, die sich dem Trubel der modernen Welt des Alltags entziehen möchten – mit dem Zweck, einen kraftvollen Strang im tief verwurzelten Urwissen der Menschheit für sich zutage zu fördern.

Die Arbeit des Freundeskreises

Das, was aus der Wiege unserer Menschheitskultur, sich als spiritueller Impuls so kraftvoll in Bewegung setzte, um sich auf der Erde auszubreiten, will der Freundeskreis Menschen unserer Gesellschaft vermitteln, die die wesentlichen Weisheitslehren oben genannter Traditionen zu erfahren wünschen.

Es ist im Sinne des Freundeskreises der Edition Ewige Weisheit, wegen einer scheinbar überall aufdämmernden Zeitenwende, möglichst vielen Menschen das nahe zu bringen, was das innere Wissen der Kulturen in West und Ost zu tragen vermag – im Leben des Einzelnen, wie auch im Zusammenleben der Menschen untereinander.

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Interesse mehr zu erfahren?


Schreiben Sie bitte eine Email an: freundeskreis@ewigeweisheit.de

Ischvara: Die Göttliche Persönlichkeit

Ischvara: Die Göttliche Persönlichkeit

Der Sanskritt-Begriff des Ischvara besitzt mehrere Bedeutungen, die im Hinduismus, je nach Zeitepoche für verschiedene Dinge stand. Immer aber war Ischvara der Name für eine Sache edelster Vollkommenheit und damit mal die Bezeichnung für den Obersten Gott, einen Gottkönig, aber gleichzeitig auch das Edelste im menschlichen Dasein, das was man einen persönlichen Gott nennen könnte.

Im klassischen Yoga des Patanjali steht Ischvara für eine spirituelle Inspiration, die jemand direkt und für sich von Gott empfängt. Damit ist die geistige Kraft des Absoluten gemeint, durch die das Selbst des Menschen mit Gott und allen anderen Selbsten verbunden ist. In Patanjalis Yogasutras taucht der Begriff Ischvara in elf Versen auf, worin er, könnte man sagen, aus verschiedenen Perspektiven seine Bedeutung hergeleitet (in den Kapiteln I und II). 

Seiner Herkunft nach setzt sich das Wort Ischvara zusammen aus "ish", was auf eine übergeordnete, herrschende und vollkommene Eigenschaft hindeutet, während der zweite Teil des Namens, "vara", für das Gesegnete steht, etwas dass man allem anderen vorzieht, etwa wegen seiner Schönheit und dem Sehnen danach für was es steht.

Alte Sanskrit-Texte bezeichnen Ischvara mit Wörtern wie "Gott vollkommener Weisheit", "Höchstes Wesen" oder "Höchste Seele". Es ist sozusagen ein spiritueller Hoheitstitel, der den Veden aber noch nicht bekannt war. Gelehrte des Hinduismus versuchten den Begriff also verschieden zu deuten.

Manchmal ist, wie etwa bei Patanjali, bei der Definition des Wortes Ischvara auch ein "persönlicher Gott" oder ein "spezielles Selbst" des Menschen gemeint, womit all das bezeichnet wird, was für ein Individuum eine spirituelle Bedeutung hat.

Vier Hauptziele im Leben, die im Hinduismus eine Rolle spielen

Vier Hauptziele im Leben, die im Hinduismus eine Rolle spielen

Jeder Mensch hat Ziele im Leben. Für den einen sind es kleinere, für andere sind größere Ziele zu erreichen. Im Hinduismus aber kennt man vier grundlegene Lebensziele die ein Mensch haben kann, die in gewisser Weise aber auch mit seinem allegemeinen Werdegang zusammenhängen, auch wenn sich das von Person zu Person unterscheidet.

In der Sprache des Sanskrit stehen dafür die Purusharthas. Das sind die Dinge und Themen menschlichen Strebens, auf die sich im Hinduismus vier eigentliche Lebensziele beziehen:

  • Artha ist der Wohlstand und die weltlichen Werte eines Menschen,
  • Kama ist die Suche nach Befriedigung sinnlicher und emotionaler Freuden,
  • Dharma ist die Verantwortung eines Menschen, auch auf moralisch-religiöser Grundlage, und
  • Moksha ist der Wunsch nach vollkommener Selbstverwirklichung mit dem Ziel den Kreislauf der Wiedergeburten zu verlassen.

Alle vier Purusarthas sind wichtig. Doch über Artha und Kama steht die Ethik des Dharma.

Moksha aber gilt als das erstrebenswerteste Ziel über allen. Es ist das ultimative Ideal menschlichen Lebens.

An dieser Stelle soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass diese hierarchische Gliederung keineswegs Konsens unter allen Hindus ist. Aus Sicht eines Menschen der im Kontext der westlichen Traditionen sozialisiert wurde, erscheint die oben genannte, hierarchische Gliederung mitunter aber einleuchtender.

Diese Sichtweise unterstützt ein weiteres, viergliedriges System des Hinduismus, das Varnashrama, worin vier Phasen des menschlichen Lebens, zu obigen vier Purusarthas hierarchisch in Beziehung gebracht werden können:

  • Brahmacharya steht für die Phase in der ein junger Mensch seine Erziehung und Bildung erfährt, und auch lernt seinen Lebensunterhalt zu verdienen.
  • Grihastha ist die Phase in der viele Menschen sich mit einem Lebenspartner eine Familie gründen.
  • Während dem Vanaprastha zieht sich ein Mensch immer mehr aus dem Leben zurück und verbringt Zeit damit Verantwortung und Anleitung zur Lebensführung an die kommende Generation weiterzugeben.
  • In der Lebensphase des Sanyasa schließlich, widmet sich einer dem Verständnis der Weisheitslehren und lässt von allem materiellem Begehren.

Diese vier beschriebenen Lebensphasen hängen ganz einfach auch zusammen mit der biologischen Konstitution des Menschen. Und so wie der Mensch in seinen vier Lebensphasen, von Kindheit, Jugend, Erwachsensein und Alter, bestimmte Aufgaben zu erfüllen hat, so ließen sich die vier Purusarthas, eben jener gerade dargestellten Viergliederung des Varnashrama ebenso hierarchisch zuordnen.

Es ist jedoch nicht immer einfach die Purusarthas und die Varnashrama gegeneinander abzugleichen. Außerdem fällt ins Gewicht, welchen Lebensweg ein Mensch letztendlich einschlägt, wo einer etwa ein aktives Streben nach Reichtum (Artha) vollkommen ableht oder ein anderer als Asket sich dem sinnlichen Streben (Kama) enthält, um den direkteren Weg zur letztenlichen Befreiung (Moksha) gehen zu können.

In letzterem Falle ist auch die Rede vom Nishkam Karma: einem selbstlosen und wunschlosen Handeln im Leben, das ohne Erwartung von Ergebnissen realisiert wird und damit ganz im Streben von Dharma und Moksha steht.

 

Spiritualität und Brauchtum

von S. Levent Oezkan

René Guénon - ewigeweisheit.de

Der Begriff des Traditionalismus steht bis heute in einem eher dimmen Licht. Nur wenige verstehen was er eigentlich bedeutet. Manche verwenden ihn synonym wenn sie etwas als altmodisch bezeichnen, doch Tradition ist genau das Gegenteil von Mode. Tradition steht für etwas, dass aus entferntester Vergangenheit, von Generation zu Generation gepflegt und weitergegeben wurde, eben genau ohne sich zu verändern.

Für jemanden der sich als modern bezeichnet, könnte es vielleicht weniger erstrebenswert erscheinen, einer besonderen Tradition zu folgen. Doch um dies zu tun, muss man nicht etwa nur Trachten tragen oder Ähnliches. Eine Tradition ist eher etwas, dass je nach Weltregion, mit bestimmten Riten und Gebräuchen in Verbindung steht. Das ist ihre äußere Wirklichkeit.

Eigentlich aber laufen die Wurzeln aller Traditionen in unserer Welt, ihrer inneren Bedeutung nach, in einer allen gemeinsamen Urtradition zusammen, deren Brauchtum auf das Engste verbunden sind mit den Jahreszeiten auf unserer Erde, den Phasen des Mondes und dem Lauf der Gestirne. In der Welt der Moderne markieren diese Jahresereignisse, wenn überhaupt, lediglich Tage im Kalender ohne spirituelle Bedeutung. Da nämlich bestimmen nicht die inneren Vorgänge des Kosmos eine Rolle, sondern das auf der Erdoberfläche stattfindende wirtschaftliche und politische Geschehen, was für sich genommen natürlich seinen eigenen Platz im Leben der Menschen einnimmt.

Réne Guénon

Wer sich über Traditionalismus heute unterhält, stößt unweigerlich auf den französischen Metaphysiker Réne Guénon (1886-1951). Durch sein Werk nämlich gelangte Anfang des 20. Jahrhunderts das wofür das Wort »Traditionalismus« steht, wieder in die Gemüter der Menschen. In seiner damit definierten Philosophie einer Rückbesinnung auf traditionalistische Werte und Riten, schuf er außerdem eine Gegenbewegung zur einer sich immer weiter verbreitenden Bewegung, die man schlicht als die Moderne bezeichnet.

Für Guénon existiert eine Urtradition. Aus ihr wurden ganz grundlegende spirituelle Weisheiten abgeleitet, wie sie sich der Menschheit offenbaren sollte, ganz gleich ob zum Beispiel im östlichen Vedanta, im Sufismus oder auch im Katholizismus der Templer. Im Aufkommen der modernen, säkularisierten Gesellschaften im Westen, wurden diese uralten Überlieferungen immer mehr verdrängt. Die Ration, das Abmessbare, die Menge zählte. Sie verdrängte nach und nach alles was man als Metaphysik bezeichnet, die nicht greifbare und nicht durch die Sinne wahrnehmbare Welt.

Guénons Hoffnung bestand darin, diese Urtradition wieder zu erwecken und damit den Westen in eine angemessene traditionsbewusstere Zivilisation zu überführen, etwas dass zu seiner Zeit im Orient und in Fernost noch zu bestehen schien. Hierbei sollten kleinere Gruppen, spirituell hochentwickelter Menschen dazu beitragen, indem sie seine traditionalistische Philosophie einer Ewigen Weisheit verbreiteten.

Traditionalismus und Anti-Materialismus

Guénon verfolgte eine ganz und gar anti-säkulare, wie auch anti-materialistische Weltanschauung. Dabei berief er sich stets auf die alten Traditionen im Hindusmus. Seine katholische Prägung aber ließ ihn, im Kreise seiner Zuhörer und Leser, als jemanden erscheinen der vergleichende Religionswissenschaften betreibt.

Seine Schriften über Metaphysik schienen den Vorstellungen der Kirche jedoch zu widersprechen, wodurch es schließlich zum Bruch zwischen ihm und dem Katholischen Institut (Institut catholique de Paris) kam. Denn Guénons Lehren waren mit dem katholischen Glauben schlicht unvereinbar. Man unterstellte ihm sogar eine Erneuerung der Gnosis mittels hinduistischer Philosophie zu beabsichtigen. Die Gnosis aber galt der Kirche als Mutter aller Häresien.

Das aber schien auf offizieller Ebene von Nöten gewesen zu sein, denn schließlich fand Guénon andere Partner, die mit ihm seine reformistischen Bemühungen teilten. Dazu zählte wohl sicherlich der katholische Traditionalist und Altertumswissenschaftler Louis Charbonneau-Lassay (1871-1946). Seit 1922 hatte er immer wieder Texte verfasst, die in der Zeitschrift »Regnabit« erschienen. Man nannte es auch das »Internationale Magazin des Herzen Jesu«. Über ihn sollte auch Guénon ab 1925 mit Texten beitragen, darunter etwa über den Heiligen Gral, wie auch mit Schriften, deren Inhalte auf eine gemeinschaftliche Form verschiedener Traditionen hinwies.

Das Herz Jesu verglich er da als Synonym für das Dritte Auge des indischen Gottes Shiva, was jedoch nur zu großer Verwunderung, ja Empörung beitragen sollte, so dass es dazu kam, dass man Guénon aus dem Kreise des Regnabit ausschloss. In dieser Zeit aber sammelte sich bereits eine Gruppe anderer Traditionalisten um Guénon.

Was sich damals in Paris entwickelte, war jedoch eher eine philosophische Strömung, denn das, was man erst später als Traditionalismus bezeichnen könnte. Dennoch vertrat die darin gepflegte Philosophie eine recht radikale Sichtweise auf die Moderne. Durch die Verbreitung der von Guénon und seinem Kreise vertretenen Sichtweisen wollte man eben, dass es letztendlich zu einer Auflösung der Moderne komme.

Auch wenn solch kühne Bestrebungen dem heutigen Geist recht eigenartig vorkommen dürften, wollte man durch eben solche Weisheiten von Einst, diese dem Menschen wieder näherbringen. René Guénon und sein traditionalistischer Kreis wollte zu einem Verständnis beitragen, dass jedem helfen sollte sich von der Moderne zu distanzieren, um den wahren Kern seines urtypischen Menschseins zu erkennen. Ein Studium der Veden oder der Schriften Guénons, sollte hierzu beitragen.

Zu damaliger Zeit aber beschäftigten sich die meisten Menschen mit ganz anderen Themen. Die 1920er Jahre waren in Paris und Berlin ganz und gar nicht traditionell. Man bezeichnete diese Zeit später nicht ganz zufällig als die »Wilden Zwanziger«.

So blieb Guénon und seinen Anhängern nicht nur der Traditionalismus als solcher. Sie sollten sogar den Gegenpol zur modernen Welt bilden. Dabei unterstützten sie die Gebrüder Chacornac, die damals zu den wichtigsten Herausgebern okkulter Schriften in Paris zählten. Insbesondere der »Schleier der Isis« (Originaltitel »Le Voile d'Isis«) wurde von ihnen und dem französischen Okkultisten Papus (1865-1916), seit 1890 herausgegeben. Es war eine Zeitschrift zu der ganz wesentlich auch Guénon beigetragen hatte. Wer sich länger mit der modernen Theosophie Blavatskys befasst, dem dürfte wohl gleich ins Auge fallen, dass sich die Chacornacs bei ihrer Titelwahl wohl anscheinend ganz wesentlich vom Buch »Isis Entschleiert« inspirieren ließen.

Besonders Paul Chacornac sollte in der jüngeren Geschichte des Traditionalismus eine wichtige Rolle einnehmen. Er sah in Guénon ein Genie und schrieb über dessen Werk in höchsten Tönen. Ihm nämlich hat Guénon zu verdanken dass er ab 1928 den »Schleier der Isis« in ein Magazin für Traditionalismus transformierte, ab 1933 aber den Titel änderte in »Traditionalistische Wissenschaft« (Original: »Etudes traditionnelles«).

Ananda Coomaraswamy - ewigeweisheit.de

Der Kunsthistoriker Ananda Coomaraswamy (1877-1947)

Ananda Coomaraswamy

Neben Guénon gab es aber noch einen anderen wichtigen Beitragenden: Ananda Kentish Coomaraswamy, ein angesehener Kunsthistoriker tamilischer Abstammung, der als Kurator am Institut für Indische Kunst am Bostoner Kunstmuseum arbeitete. Im Jahr 1920 schon kam er in Berührung mit den Arbeiten Guénons und glaubte in ihm den bedeutendsten Autor im Bereich des Traditionalismus gefunden zu haben. Zwar basierte der in Folge dessen entstandene Kontakt der beiden, allein auf Grundlage von Briefen, doch zusammen schufen sie etwas, das durchaus als Grundlage eines zeitgenössischen Traditionalismus dienen konnte. Guénon stellte dabei, die für seine Anhänger so großartigen Vorstellungen zum Thema Traditionalismus zur Verfügung, während Coomaraswamy die entsprechenden Forschungen dazu betrieb.

Coomaraswamy verwendete die Begriffe Tradition und Philosophia Perennis (Ewige Weisheit) synonym, was im Übrigen auch für Guénon galt. Ihr Traditionsbegriff war jedoch immer an eine Kultur gebunden, während die Philosophia Perennis für eine übergeordnete Gemeinsamkeit, offensichtlich unabhängiger Prinzipien der Metaphysik stand.

Die eher modernistische Sichtweise auf die Philosophia Perennis, wie sie später etwa durch Aldous Huxley vertreten wurde, lehnte Guénon ab. Er war ein Gegner der modernen, analytischen Philosophie des Westens. Ihm war darum die Unterscheidung wichtig zwischen »Philosophia Perennis« und der ihm geeigneter erscheinende Begriff »Sophia Perennis«. Letztendlich verwendete Guénon in seinen Schriften nur selten einen dieser Begriffe. Er bezog sich stets auf eine ursprüngliche Weltweisheit, eine Urtradition, worin er aber die Sophia Perennis oder eine entsprechende Metaphysik andeutete.

Guénons ablehnende Haltung gegenüber dem modernen Geist, rührte her von der für ihn rein materialistischen Sichtweise vieler seiner Zeitgenossen. Ihre Gesinnung erschien ihm immer mehr als eine Tendenz, die auf den allgemeinen Zerfall der westlichen Gesellschaft zusteuerte, und einer damit einhergehenden Partikularisierung in viele verschiedene Sonderinteressen. Das jedoch versuchte man, so Guénon, um damit dem Individuum eine scheinbare Qualität einzubläuen, um es in Wirklichkeit aber einem bestimmten Konsumzwang auszuliefern, was einher ging mit dem was man auch heute als Mode bezeichnet. Die Essenz des eigentlichen Daseins des Menschen aber wurde so in ein Gewand des Vergessens gehüllt. Im Zentrum der Betrachtung stand die Substanz und nicht mehr die Güte des Menschen. Der Mensch versuchte da immer mehr, eben aus diesem rein materialistisch geprägten Verhalten, neue ichbezogene Vorlieben abzuleiten und dabei auch immer mehr ausleben zu wollen.

Tradition und Moderne – Essenz und Substanz

Unsere Welt setzt sich, wie jeder weiß, nicht nur aus Mengen zusammen. Doch wie es scheint nimmt eine »Wer hat«-Mentalität immer mehr zu, ohne den eigentlichen Unterschied zu kennen zwischen Qualitäten und Quantitäten. In dieser Welt, die den Lebensbereich der Menschen darstellt, erscheinen diese beiden Prinzipien in einer Polarität zwischen Essenz und Substanz.

Gewiss ließe sich diese Polarität auch auf die Wissenschaftsdisziplinen der Menschheit übertragen, in eine nämlich esoterische (innere) und eine exoterische (äußere) Wissenschaft. Guénon galt diese Polarität aber als so wichtig, dass er ihr 1945 ein gesamtes Buch widmete: Die Herrschaft der Quantität und die Zeichen der Zeit (Originaltitel: »Le Règne de la Quantité et les Signes des Temps«). Damit war er seiner Zeit ein gutes Stück weit voraus, wenn auch aus rein pessimistischer Perspektive. Doch der Grund über solch Thema zu schreiben, scheint auf der Hand zu liegen.

In unserem allgemeinen Sprachgebrauch liegen die beiden Begriffe Qualität und Quantität einfach nebeneinander und sind nur ihrer Bedeutung nach definiert. Dabei stand für René Guénon, die Qualität der charakteristischen Eigenschaft eines Objekts, über dem, was wir Quantität nennen: die Menge der Dinge, die ja eigentlich die Voraussetzung bildet für eine Existenz in der sinnlich erfahrbaren, physischen Welt.

Qualität aber erzeugt das was man als Substanz in unserer Welt bezeichnet. Denn aus ihr bilden sich jene Erscheinungen, die wir über unsere Sinne wahrnehmen können. Man sollte aber vorsichtig sein, weil es in der Moderne viel zu häufig vorkommt, dass die Bedeutung von Menge oder Masse oft höher eingeschätzt wird, als sie tatsächlich ist. In solchem Falle nämlich fühlten sich Menschen schon immer dazu verleitet, aus dem Maß die Welt erklären zu wollen, was ja insbesondere der hohe Anspruch der modernen Wissenschaften ist.

Eher galt Guénon das von Bedeutung zu sein, was er als die Realität der Metaphysik bezeichnete, etwas nämlich, dass sich ganz und gar nicht bemessen lässt. In der modernen Welt aber misst man, zählt und baut auf Größe, Geschwindigkeit und Reichtum, während die Einfachheit, deren Essenz, eben die Qualität ist und anscheinend nicht mehr ihrem wahren Wesen nach erkannt wird. Und wenn doch, dann eben nur von ganz wenigen Menschen. Unsere Welt bestimmt also der Empirismus – eine durch Mengen bezifferte, messbare Welt abzählbarer Dinge.

Wenn Guénon nun sogar von einer Urtradition spricht, muss sie aber, wenn sie sich doch über Jahrtausende hindurch erhalten hat, von Anfang an ganz und gar nicht messbar und ganz und gar einfach gewesen sein. Wie sonst hätten sich daraus die heute so vielfältig ausgestalteten Traditionen der Völker entwickeln können?

Zwar war das, was man Quantität nennt, nicht etwas dass Guénon prinzipiell ablehnen konnte, schließlich ist ja jeder Mensch mit seinem körperlichen Dasein ein Teil dieser Welt der Mengen. Doch was ihn am modernen Zeitgeist störte, war die anscheinende Herabsetzung all dessen, was eben kein hohes Mengenmaß beziffern kann, sondern eben die bereits angedeutete Einfachheit ausmacht (das unser Denken mehr und mehr von Mengen beherrscht wird, zeigt uns ja bestens das, was man die »Sozialen Medien« nennt).

Die wahre Essenz unseres Seins umschrieb Guénon folgendermaßen:

Qualität, vorgestellt als das Wesen der Essenz, vorausgesetzt man kann das so sagen, beschränkt sich nicht nur auf unsere Welt, sondern ist anfällig dazu verwechselt zu werden, mit dem was seine eigentliche Wichtigkeit verallgemeinert. Darum dürfte es nicht verwundern, wenn in diesem Zusammenhang die Essenz das höherwertige Prinzip darstellt.

- Aus »Die Herrschaft der Quantität und die Zeichen der Zeit«

Und dieses Verallgemeinern ist eben das, was wir zuvor als Quantität definierten. Wie hoch die Qualität einer Angelegenheit oder Sache eingeschätzt wird, ist allein durch die Intuition des Intellekts wahrnehmbar und lässt sich nicht etwa durch wissenschaftliche Methoden herleiten. Der Grund ist einfach: Qualität ist kein absolutes Maß, da sie eigentlich nicht mittels Mengen bemessen werden kann, auch wenn das heute dennoch versucht wird (zum Beispiel mit einem Punktesystem).

Die Begriffe Qualität und Hierarchie stehen aber ganz eng beieinander. Guénon zog hier die Kreuzsymbolik zu Rate. Darin ordnete er der Welt des Maßes die horizontale Achse zu, der Vertikalen aber eine hierarchische Wahrheit. Somit wäre Quantität also immer nur ein Teil dessen, was sich auf einem bestimmten Grad dieser Vertikale befindet – ganz gleich ob man sich dabei auf Bewusstseinszustände oder die Verhältnisse innerhalb einer Kultur bezieht.

Aus dieser Sichtachse betrachtet, steht die Symbolik der Vertikalen, beziehungsweise des Hierarchischen, in direktem Zusammenhang mit dem was Guénon unter Tradition verstand. Da nämlich ist insbesondere die Hierarchie von Bedeutung, da sich darin die Welten des Bewusstseins gliedern lassen, sowie die Rollen von Organen einer gesellschaftlichen Kultur. Der Gleichheitsbegriff kam erst mit dem politischen Kommunismus ins Spiel, sollte aber Theorie bleiben, wie sich etwa seit dem Kalten Krieg zeigte.

Wenn Spiritualität politisch wird

Im Rahmen der Tradition ist die Hierarchie eben jene Weltordnung, worin sich das menschliche Individuum, insbesondere aus Warte eigentlich aller Religionen, durch seine Qualität auszeichnet. Denn der Mensch steht eben als ein Glied im Verhältnis zu den ihm untergeordneten und übergeordneten Wesenheiten.

Genau aber diese Sichtweise ruft sofort viele Skeptiker auf den Plan, insbesondere wenn so Begriffe wie Unterlegenheit oder Überlegenheit ins Spiel kommen, stehen sie doch ganz und gar für das was man unter »Hierarchie« versteht.

Guénons Lehre ließe sich damit durchaus auf Gesellschaft und Politik übertragen, wäre mit dem eben Gesagten dann aber ganz und gar mit hoher Brisanz behaftet, etwas das ihm die Gegner seiner traditionalistischen Weltanschauung heute vorwerfen.

In diesem Spannungsfeld auf jeden Fall, bewegt sich all das was man als die Charakteristika von Moderne und Tradition bezeichnen könnte. Darin stehen einerseits die wissenschaftliche, quantitativ definierte Welt einer andererseits qualitativ abgestuften Welt der Tradition gegenüber. Sie bilden zwei ganz deutliche Pole.

Wenn man sich den Traditionalismus Guénons damals, als neuartige philosophisch-religiöse Bewegung vorstellte, war sie aber trotzdem das Ergebnis einer Entwicklung, die sich zum einen aus dem Martinismus und andererseits aus der Modernen Theosophie entfaltete, auch wenn Guénon die Bedeutung der Theosophischen Gesellschaft ganz und gar in Frage stellte. Guénons Traditionalismus besaß außerdem nicht die selbe Massentauglichkeit wie Blavatskys Theosophie, aus der ja gewiss auch solch internationale Bewegungen wie das sogenannte »New Age« entstehen sollte.

Ein weiterer wichtiger Unterschied war Guénons allgemeiner Pessimismus und seine apokalyptischen Erwartungen, die man in Kreisen der Theosophischen Gesellschaft eher selten antraf. Für Blavatsky nämlich war die Menschheit gerade inbegriffen in einem Aufstieg aus dem Tiefpunkt des Kali-Yuga, beziehungsweise des Eisernen Zeitalters.

Für Guénon begann aber diese Talfahrt in der Bewegung des gegenwärtigen Menschheitszeitalters, schon lange vor unserer Zeit, nämlich bereits mit der Vernichtung des Templerordens (1312), wie dann später auch der Westfälische Frieden (1648), der zur Kirchentrennung führen sollte. Diese Ereignisse bedeuteten für Guénon den Beginn des spirituellen Niedergangs im Westen. Es waren die Anfänge eines 6000-jährigen Dunklen Zeitalters, wo alle Religion und Tradition schlichtweg ignoriert werden.

Ob Guénon mit dieser eher pessimistischen Weltsicht ganz und gar richtig lag, sei einmal dahingestellt, zumal der Islam, dem Guénon ja angehörte, heute die sich am schnellsten ausbreitende Weltreligion ist.

Dargah des Qutbul Akbar Imam Shadhili - ewigeweisheit.de

Dargah des Qutbul Akbar Imam Shadhili. Eine Dargah ist bei den Sufis ein heiliger Schrein. Gewöhnlich aber wird so auch der Treffpunkt einer Tariqa (Sufischule) bezeichnet.

Die Entstehung der Traditionalistischen Bewegung Guénons

Der große Sufi-Gelehrte Ibn Arabi (1165-1240) war damals und ist auch heute noch, ein viel verehrter Mystiker. Besonders dem schwedischen Maler John Gustaf Agelii (1869–1917) galt er viel. In seinem Werk nämlich wies Ibn Arabi stets hin auf die Wichtigkeit der Überwindung des niederen Egos und einem damit einhergehenden Verzicht auf weltliche Dinge, also eben das, worüber wir im Verlauf des bereits Gesagten ja schon sprachen. Vielmehr gelang einem erst damit die Erreichung des Zustands vom An-Nafs Al-Safiya: dem reinen, geläuterten Ich.

Agelii, besser bekannt als Ivan Aguéli und später als Abd Al-Hadi Al-Aqili, war Muslim und eingeweiht in den Al-Arabiyya Shadhiliyya Sufi-Orden. 1911 gründete er in Paris die Al-Akbariyya-Gesellschaft. Eines seiner ersten Mitglieder war René Guénon, den Aguéli in den Sufismus der eben genannten Tariqa (Bruderschaft) einführte. Von da an trug Guénon auch den muslimischen Namen Abd Al-Wahid.

Die Wirren des Ersten Weltkrieges zerstörten was aus der Modernität der sogenannten Belle Epoque entstanden war (um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert). Nach dem Zweiten Weltkrieg aber formte sich dann zum ersten Mal das, was man später »Traditionalistische Philosophie« nennen sollte und woraus die Traditionalistische Bewegung Guénons wurde. Aus dieser Situation heraus bildeten sich die Gegebenheiten, die in dieser Zeit immer mehr Menschen zum anti-modernen Traditionalismus brachten. Doch gerade als sich Guénons Traditionalistische Bewegung in Gang zu setzen schien, sollten sein Leben einige schicksalshafte Zwischenfälle durcheinanderbringen.

Auf dem Weg nach Kairo

Doch als er 1929 in Paul Chacornacs Buchhandlung die reiche amerikanische Witwe Dina Shillito kennenlernte, selbst Muslima mit einem großen Interesse für Esoterik, sollten sich seine Lebensverhältnisse auf einmal bessern, wenn auch nur für begrenzte Zeit.

Er und Shillito verließen 1930 Paris und siedelten gemeinsam über nach Kairo. Da ihr verstorbener Ehemann Ägypter gewesen war, hatte sie viele Kontakt in die Stadt am Nil. Es wäre damit also nicht falsch anzunehmen, dass die weitere Entwicklung des Traditionalismus, besonders von Shillito abhing. Das sollte eine der wichtigen Voraussetzungen sein dafür, dass Guénons Traditionalismus eine relativ deutliche Einfärbung aus Richtung Islam erhielt.

Nicht lange nach dieser Zeit aber trennten sich Guénon und Shillito, während sie nach Paris zurückkehrte, Guénon aber in Kairo verblieb. Er sollte seine französische Heimat niemals mehr wiedersehen. Nicht aber dass er kein gutes Leben in Kairo hatte. Dort nämlich heiratete er und wurde Vater von vier Kindern, nahm die ägyptische Staatsbürgerschaft an und lebte das Leben eines frommen Muslims und Sufis. Doch trotz seines frommen muslimischen Lebens, blieb er in seinem Glauben dennoch der Sophia Perennis, der Ewigen Weisheit bis zu seinem Tode aufs Engste verbunden.

Er empfand darum auch nicht, als ob er zum Islam konvertiert sei, sondern eher mit seinem Glauben sich in diese Religion hineinbewegte. Was heißt das? Nach Guénons Auffassung konnte jemand der die Einheit aller Traditionen erkannt hat, an sich keinen Glauben annehmen.

Nichts daran besagt, dass etwa eine Form von Tradition, an sich, einer anderen überlegen sei, sondern sich Gründe aufzählen lassen, die auf einen besonderen spirituellen Nutzen basieren.

- Guénon in einem Brief an den Journalisten M. Pierre Colard (1938)

Besonders in seinem Werk erscheint Guénon durchaus als Universalist und Traditionalist, statt als frommer Muslim, der er jedoch war, da er eben einen spirituellen Nutzen im Islam fand. Es mag seine Gründe gehabt haben, dass das Wissen der islamischen Kultur keinen wirklich bemerkenswerten Raum in seinem Werk einnimmt. Auch wenn er fließend Arabisch sprach, sollte er doch nicht über die Religion des Islam viel schreiben. Schließlich nimmt es viele Jahre in Anspruch klassische Arabische Texte in ihrer wirklichen Bedeutung zu verstehen, bevor man darüber sogar zu philosophieren vermag. Wer selbst Muslim ist weiß außerdem, dass man sich mitunter scharfer Kritik aussetzt, wenn man in so einem Selbstverständnis über andere Religionen schreibt (was im Übrigen ja auch jedem Christen so ergehen dürfte), wie das Guénon getan hatte.

Metaphysik und Einweihung

René Guénon galt Metaphysik als das Wissen vom Universalen. Und so ein Wissen erhebt für sich den Anspruch die Prinzipien der kosmischen Ordnung erklären zu können. Für Guénon war das aber keineswegs gleichbedeutend mit etwa der Behauptung, dass man die Inhalte dessen, was man als Metaphysik bezeichnet, auch letztendlich überhaupt definieren kann. Schließlich ist die eigentliche Universalität des Begriffs an sich schon Charakteristikum genug, etwas Allumfassendes also, von dem sich jede nur erdenkliche Definition ableiten lässt – sogar seine eigene.

Metaphysik galt Guénon als Bezeichnung für den Versuch, durch intellektuelles Wissen das Wesen des Seins zu ergründen, ganz seiner wahren Natur gemäß. Doch dies ist dann ein besonderer Vorgang, der durch eine Einweihungserfahrung stattfindet. Und so eine Einweihung ist eine ganz und gar eindeutige Sache, während etwa mystische Erfahrungen die Existenz von etwas sehr Bedeutsamem »nur« ahnen lassen. Das darin Geheime aber zu erkennen bleibt den initiatisch Erfahrenen vorbehalten. Denn die Einweihung ist so eindeutig wie unsere Geburt oder unser Tod: nichts daran muss erklärt oder gedeutet werden. Wer in die Mysterien eingeweiht wurde überwindet aber die Angst vor dem Tod und wird in seinem gegenwärtigen Leben neu geboren. So jemand ist gestorben bevor er stirbt.

Wer aber kann einen Menschen in die Mysterien einweihen? Sicher keiner, der darüber aus Büchern erfuhr und sich etwa daraus ein Initiationsritual zusammenreimte. Initiation heißt, dass einer eingeweiht wird im Rahmen einer dazu ermächtigten traditionellen Institution. Einweihung außerhalb dessen ist nicht möglich, auch wenn manche initiatorische Pseudo-Institutionen von Einweihung sprechen.

Eine traditionell gebundene Mysterien-Organisation steht unter einem spirituellen Einfluss, der dann durch einen Hohepriester auf den Neophyten übertragen wird. Im Sufismus etwa bildet ein Sheikh das neue Glied in der spirituellen Kette (arab. »Silsila«), die ihn bis auf den Propheten Mohammed (as) und damit auf Allah zurückverbindet.

Die Kleinen und die Großen Mysterien

Was durch die Eingeweihten im alten Griechenland weitergegeben wurde und wofür die klassischen Bezeichnungen »Kleine Mysterien« und »Große Mysterien« stehen, sind keine verschiedenen Arten von Einweihungsriten, sondern Grade ein und der selben Initiation. Das heißt, das wer in die Kleinen Mysterien eingeweiht wurde, den führte man in seinem menschlichen Sein zur Vollendung. So jemandem wurden Erfahrungen vermittelt, durch die er den ursprünglichen Zustand seines Menschseins wiederherstellen konnte.

Der italienische Philosoph Dante Alighieri (1265-1321) beschreibt in seiner »Göttlichen Komödie« diesen Zustand, als den Eintritt in das irdische Paradies, von wo aus einer dann ins himmlische Paradies aufzusteigen vermag. Und das schließlich ist was der Initiand in den Großen Mysterien erkennt. Darin nämlich empfindet er etwas Übermenschliches. Das ist was im Hinduismus als Erlösung aus dem Samsara vorgestellt wird, eine Befreiung also aus dem Kreislauf der Wiedergeburten. Dabei erhebt sich ein Mensch auf die Stufe des Moksha und wird damit zum Adepten.

In der islamischen Esoterik ist da die Rede vom Universalen Menschen, einem in dem sich die Taten Gottes direkt widerspiegeln, so dass er selbst wie in Gottes Auftrag auf Erden handelt. Was im alten Griechenland einem Initianden in den Kleinen Mysterien vermittelt wurde, entspricht im esoterischen Islam seiner Bedeutung nach dem Begriff vom »Al-Insan Al-Kadim«, dem ursprünglichen Zustand wahren Menschseins. Während wiederum die Initianden der Großen Mysterien an das Sein als »Al-Insan Al-Kamil« herangeführt wurden, das universale Menschsein.

Diese beiden Initiationsphasen lassen sich in Beziehung stellen zur Kreuzsymbolik. Darin ist das Bild der horizontalen Linie ein Hinweis auf eben jenen Urzustand irdischen Menschseins, das Bild der Vertikalen aber auf den vervollkommneten Zustand eines Adepten.

Aus Sicht der Hermetik sind diese beiden Formen der Initiation gleichbedeutend mit der Königsweihe und der Priesterweihe, wo insbesondere die Kreuzsymbolik Christi ins Spiel kommt, wobei Jesus ja sowohl als König und Priester in Erscheinung trat und als solcher am Kreuz den Tod fand.

Über das Selbst

Für Guénon erfüllte das Selbst des Menschen transzendente und dauerhafte Prinzipien. Damit bedingt das Selbst eine vollkommene Reinheit, so dass es sich weder individualisieren noch ändern kann. Es bedarf auch gar keines eigenen Charakters, da es sich eben durch nichts beeindrucken lässt und darum seiner Natur nach unwandelbar bleibt. Damit wird seine wesentliche Beständigkeit also durch nichts verändert. Das Selbst bleibt ewig bestehen, so wie es immer war.

Die menschliche Persönlichkeit

Wenn es nun aber um das Selbst des Menschen geht, so Guénon, kommt da auch das Wort »Persönlichkeit« ins Spiel. Damit aber bleibt das Selbst die Ursache dessen, was im Übrigen auch für das gilt, was man im Hinduismus »Ischvara« nennt, die »Göttliche Person«, die sich aus einem kosmischen Selbst als universale Erscheinung manifestiert.

Diese Persönlichkeit, sowohl menschlich wie auch göttlich, heißt im Sanskrit »Atma« oder »Paramatma«. Sie beschreibt den universalen Geist. Wenn damit also dem Persönlichen das Selbst zugrundeliegt und Atma dessen Personifikation ist, kann man sagen, dass Atma mit dem Ur-Selbst eigentlich identisch ist. Somit lässt sich der Begriff vom Selbst nur als bestimmte Seinsform differenzieren, etwas also das aus ihm entsteht, als entweder individuelles Sein oder universelles Sein. Hier kommen jene beiden Aspekte der Initiation zum Vorschein, die wir oben kennenlernten, wo der Initiand zuerst in die Kleinen Mysterien und dann in die Großen Mysterien eingeweiht wurde, wobei sich sein individuell veredeltes Sein, in ein überindividuelles, universelles Sein erhebt.

Das Offenbare

Was Rene Guénon als den »Universalen Willen« bezeichnete, galt ihm lediglich als Nicht-Offenbartes. Denn das Nicht-Offenbarte beinhaltet alle Grade jeglicher Offenbarungen und Manifestationen. Hierin liegen alle Möglichkeiten der Entstehung, worin die Vielzahl der Wesenheiten in unserer Welt, mit ihren charakteristischen Formen ausgestattet werden. Hierin liegt das, was man als Individualität bezeichnet, durch die allerdings eine begrenzte Anzahl von Bedingungen den gegebenen Zustand der Existenz beschreibt.

Menschliches Sein

Dieser Zustand ist offenkundig des Menschen körperliches Dasein an sich. Seine Individualität gleicht lediglich den ihm zugehörigen Handlungsweisen. Die nämlich rühren her von einem viel subtiler wirkenden Zustand, der einen Menschen an die außerkörperliche Form seines Seins heranzuführen vermag. Das bedeutet streng genommen, dass alle Formen der Existenz auch für alle anderen individuellen Zustände gelten, da sie sich allesamt ja erst aus einer übergeordneten Struktur zu ihrer energetisch-körperlichen Form verdichten mussten.

Man könnte darum sagen, dass der Mensch als Ganzes auch die Summe seiner Möglichkeiten umfasst. Hieraus aber bilden sich sowohl sein körperliches Dasein, wie auch die ihm zur Verfügung stehenden Arten und Weisen. Auf feinstofflicher Ebene allerdings lassen sich die von einem Menschen begehbaren Wege, noch durch weitere Handlungsweisen vermehren, nämlich dann, wenn sich der Mensch zu erweitern vermag, das heißt, wenn er dazu fähig ist sich über sein rein körperliches Dasein hinaus zu entwickeln.

Diese zwei Seinsformen des Menschen galten Guénon jedoch nicht als hierarchisch geordnet, sondern befinden sich auf der Ebene einer universalen Existenz.

Hieraus folgt, dass des Menschen Individualität zugleich weit mehr als das ist, was Westler glauben das sie sei. Vielmehr erkennen sie darin kaum mehr als eine physische Art und Weise, die jedoch nur den kleinsten Teil ihrer Möglichkeiten beinhaltet; allerdings ist diese Individualität, aber ohne das ganze Wesen zu erkennen, nur ein Zustand ihres Wesens unter einer unbegrenzten Anzahl anderer Zustände. Dazu kommt, dass die Summe aller dieser Zustände trotzdem überhaupt nichts im Vergleich zur Persönlichkeit ist, die das ganze wahre Wesen bedeutet, da es an sich seinen dauernden und unbedingten Zustand darstellt und da es nichts Anderes gibt, dass als absolute Realität betrachtet werden kann.

- Aus »Der Mensch und sein Werden gemäß dem Vedanta«

Esoterik am rechten Rand?

Guénons Einfluss auf seine Nachwelt und die Schule der Traditionalisten ist in ihren Aussagen ganz eindeutig. Das aber führte leider auch dazu, dass zu vielen seiner Bewunderer ebenfalls jene gehörten (und auch heute noch gehören), die man in Europa dem rechten politischen Flügel zuordnet. Das aber ist ein Phänomen, dass eigentlich auch in anderen Bereichen der Esoterik auftaucht. Es geht da eben ganz und gar nicht um Toleranz, was jedoch im Sinne einer Kompromisslosigkeit verstanden werden muss. Mag sein dass Menschen die sich für Esoterik interessieren grundsätzlich verständnisvolle Individuen sind. Wenn es aber um so archaische Arkana wie das Göttliche geht, werden damit höher-hierarchische Gesetzmäßigkeiten beschrieben, die eben über jeglichem Alltagsleben stehen. Eine universale Metaphysik, die die Vorgänge des Jenseits mittels besonderer Gesetzmäßigkeiten zu erklären versucht, bringt immer eine gewisse Gefahr der Missinterpretation mit sich, und zwar immer dann, wenn die Sehnsüchte des Egos mit ins Spiel kommen.

Trotz das Guénon wiederholt betonte, dass er in seinem Werk ganz und gar keine politischen Absichten verfolge, sollten sich doch einige Schriftsteller des rechten politischen Randes, von seinen Äußerungen inspiriert, zu teils rassistischen und politischen Schlussfolgerungen kommen.

In diesem Zusammenhang taucht da etwa der Name Julius Evola (1898-1974) auf, auf den Guénon einen ganz erheblichen Einfluss ausübte. Evola war ein Faschist, der mit seinen spirituellen Schriften etwa auch das Regime Benito Mussolinis beeinflussen sollte. Wer die Schriften Evolas kennt weiß allerdings auch, dass es sich um eine vielschichtigere Angelegenheit handelt, als man sie oberflächlich, nur aus exoterischer Sicht einschätzen kann. Insbesondere mit seinem 1941 veröffentlichten Werk »Grundrisse der faschistischen Rassenlehre«, glaubte man in Evola ein Glanzlicht der italienischen Rassentheorie gefunden zu haben. Auch in den Arbeiten des rumänischen Religionswissenschaftlers Mircea Eliade klingen ähnlich rechte Ideologien an, zu denen er anscheinend auch über Evola und Guénon fand.

In allen Fällen aber sind es die archaischen Gesetze der Esoterik, die schon immer Menschen dazu brachten zu radikalen Ansichten über bestimmte Themen zu kommen. Kein Wunder also dass man das Wort »Geheimwissenschaft« synonym für Esoterik, für das »Innere Wissen« verwendet, ein Wissen also, dass Menschen nur in einem okkulten, von der Öffentlichkeit abgegrenzten Kreis besprechen, um eben genau solche Missverständnisse zu vermeiden.

Das Problem besteht schon allein darin, esoterische Gesetze überhaupt in Wort und Schrift zu kommunizieren, denn jedem der über esoterisches Wissen verfügt, sind Tür und Tor geöffnet, ohne die nötige Reife mal eben bestimmte Motive und Sachverhalte, aus reiner Unwissenheit, dem Gesamtkontext zu entnehmen und zu seinem eigenen Vergnügen vielleicht vollkommen neu zu interpretieren. Aus diesem Grund findet Guénons Werk auch heute noch viel Zustimmung aus Kreisen der Neuen Rechten. Der in Europa umstrittene russische Politikphilosoph Aleksander Dugin ist vom Werk Guénons ebenso beeinflusst, wie auch der Amerikaner Stephen Bannon, der 2017 das Amt des Chef-Strategen im Weißen Haus innehatte, unter jenem umstrittenen amerikanischen Präsidenten, dessen Name hier nicht genannt werden braucht.

Es ist dabei aber immer schwierig, Verfassern von Texten zur Esoterik, eine Verantwortung zuzuschreiben, besonders wenn es darum geht dass sie namhafte Übeltäter der Weltgeschichte inspiriert haben mögen. So soll Adolf Hilter während seiner Inhaftierung das Werk Helena P. Blavatskys gelesen haben, lange nachdem die Autorin tot war. Da stellt sich die Frage ob Esoterik überhaupt etwas ist, worüber jemand veröffentlichen sollte?

Das die alten Meister der Initiation nicht über ihre Geheimnisse sprachen, scheint also einen triftigen Grund gehabt zu haben. Denn mal eben über okkultes Wissen zu erfahren ist nicht das Selbe, wie damit auch verantwortungsvoll umgehen zu können. In der jüdischen Kabbala etwa sprechen Rabbis davon, dass man erst nach dem 40. Lebensjahr beginnen soll die überlieferten kabbalistischen Schriften zu lesen, da man zuvor einfach noch nicht über genügend Lebenserfahrung verfügt.

Ein Gegner des Faschismus

Auch wenn Guénon und Evola miteinander in Beziehung standen, darf dabei nicht unbeachtet bleiben, das Guénon zu den schärfsten Kritikern Evolas zählte. Für ihn war dessen Verwicklung in die Politik Mussolinis und seine engen Verbindungen zum deutschen Nazitum, ganz und gar nicht hinnehmbar. Er fürchtete dabei auch, dass man seines mit dem Werk Evolas identifizieren könnte. Guénon nämlich prangerte die Ideologie der Faschisten scharf an, sowohl schon vor und auch während des Zweiten Weltkriegs. Guénon also einfach in die Ecke der Rechten, Rassisten und Faschisten zu stellen wäre auch darum falsch, da seine Schriften auch viele Linke und unpolitische Autoren beeinflussten und wohl auch noch beeinflussen dürften.

Das Guénon für Akademiker aber niemals eine sonderliche Bedeutung einnahm, mag einfach an der Fehleinschätzung seines Werkes liegen, was eben durch die lauten Stimmen solch radikaler Demagogen ausgefranst wurde.

Rückbesinnung auf eine gemeinsame kulturelle Wurzel

Guénon Einfluss im Bereich der neuen traditionalistischen Strömung fiel tatsächlich ganz wesentlich ins Gewicht. Vor allem sollte im 20. Jahrhundert sein Werk wieder in Erinnerung gerufen werden, denn er beschrieb darin, was man schon lange über die Weisheitslehre der Metaphysik vergessen hatte. Es war die Metaphysik die in den alten Kulturen in West und Ost den Rahmen für die Grundlage eigentlich aller spirituellen Traditionen bilden sollte, ja sogar als Basis überhaupt jeglicher Zivilisation gesehen werden kann.

Zusammen mit Ananda Coomaraswamy und dem schweizerischen Philosophen Frithjof Schuon, entstand das, was man heute als die Traditionalistische Schule bezeichnet. Coomaraswamy, Schuon und Guénon versuchten die grundlegenden Prinzipien einer Urtradition zu beschreiben, um die vergesslichen Gemüter der Moderne wieder daran zu erinnern, was man vielleicht als das »Absolute« zusammenfassen könnte. Nicht aber trat Guénon etwa auf als Weltverbesserer oder gar als Demagoge. Er versuchte wirksam anzudeuten, was lange vergessen war, doch wonach man sich anscheinend wirklich zu erinnern sehnte.

Besonders in Zeiten großer Wirren und Ungewissheit, scheint das was immer Bestand hatte, und sich auf eine Tradition zurückbesinnen kann, ein wichtiger Pol im Leben von immer mehr Menschen zu werden. Die Verantwortung dabei liegt jedoch in der Fähigkeit der Toleranz gegenüber anderen Zweigen, eben jener Urtradition, die nur dann berücksichtigt werden kann, wenn man weiß dass schon immer eine universale Metaphysik existierte, aus der eben alle Traditionen in West und Ost hervorgingen.

 

Titelbild: More magic pictures of the long ago (1920) von Anna Curtis Chandler.

 

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Die Heilige Silbe Om

Die Heilige Silbe Om

Om - ewigeweisheit.de

Gut möglich, dass Sie das Wort Om schon öfter gehört haben. Vielleicht zu Beginn oder am Ende Ihrer Yoga-Stunde? Yogis in Fernost nennen es den »Klang des Universums«. Eine echt umfassende Bedeutung für ein so winziges Wort. Da stellt sich die Frage: Was bedeutet es nun eigentlich?

Om – was manchmal auch »Aum« geschrieben wird – ist im Glauben der Hindus eine mystische Silbe. Doch auch die Anhänger des Sikhismus, die Jains und Buddhisten verwenden diese heilige Silbe in ihrer religiösen Praxis. Da gilt das Om als größtes aller Mantras und als heiligste aller Gebetsformeln.

Neben seiner Wortbedeutung, spielt das Om auch als heiliges Symbol eine zentrale Rolle im Glauben der Hindus: ॐ. So erscheint es häufig in der Ikonographie alter Manuskripte. Man sieht es in Tempeln ebenso wie in den Klöstern der Buddhisten und Jains. In all diesen Religionen besitzt das Symbol Om eine wichtige Bedeutung, auch wenn sie zwischen den verschiedenen Schulrichtungen teilweise differiert.

Die drei Klänge des Om

Diese Silbe setzt sich aus den Sanskrit-Vokalen A und U zusammen, die im Klang eines O verschmelzen. Mit dem Buchstaben für M am Ende, bildet die heilige Silbe eine dreifaltige Klang- und Symbolerscheinung, die mitunter diese heiligen Triaden identifizieren:

  • die drei Welten der Himmel, Erde und Unterwelt,
  • Denken, Sprechen, Handeln,
  • Wachen, Träumen, traumloser Schlaf,
  • die drei materiellen Qualitäten (Gunas) gütiger Weisheit, Leidenschaftlichkeit und dunkler Trägheit,
  • die drei heiligen Veden – Rigveda, Yajurveda und Samaveda,
  • sowie die dreifaltigen Hindugottheiten Brahma (Erschaffer), Vischnu (immerwährender Erhalter) und Schiva (Zerstörer des Erschaffenen).

Eine ausführliche Beschreibung dieser heiligen Silbe Om, finden wir in den Upanischaden – einer Sammlung philosophisch-esoterischer Schriften des Hinduismus.

Alles wird aus dem Om geboren

In den Mandukya-Upanischaden geht es insbesondere um die heilige Silbe Om. In einem Kommentar zu dieser Schrift, schrieb der Weise Shankaracharya (788-820):

Das Wort Om ist all dies. Wie alle facettenreichen Dinge die wir um uns sehen, die alle ihren eigenen Namen haben, unterscheiden sie sich ebenso wenig von den ihnen entsprechenden Namen, wie vom Om an sich. Darum also ist wahrlich alles das Om. So wie ein Ding durch seinen Namen bekannt ist, so ist auch der höchste Name des Brahman bekannt, nur allein durch das Om. Darum ist das höchste Brahman selbst das Om. […] Alles was die Dreiheit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft prägt, ist aus den genannten Gründen ebenfalls das Om. Alles das sich jenseits dieser Dreiheit befindet, also zeitlos ist und doch aber wegen seiner Wirkungen bekannt ist, was man Avyakrta nennt, das Nicht-Manifeste, auch das ist wahrlich das Om.

Om ist universal!

Wichtigstes aller esoterischen Symbole

Das Symbol Om verweist sowohl auf das Atman – das Seelenselbst des Menschen – sowie auf das Brahman – die endgültige Realität des gesamten Universums, seine Göttlichkeit, Wahrheit und sein kosmisches Wissen. Damit steht das Om für den Wesenskern des gesamten Mikrokosmos und Makrokosmos.

Seit dem 6. Jhd. verwendet man das Om-Symbol ॐ, um den Anfang heiliger Texte zu kennzeichnen. Man findet es häufig zu Beginn und am Ende spiritueller Abhandlungen. Doch es wird ebenso üblich in Gebeten, in der Rezitation heiliger Texte, wie auch in sakralen, doch auch in alltäglichen Ritualen und Zeremonien verwendet.

Das Symbol ॐ ist eine Ligatur (zusammengezogene Buchstaben-Verbindung) des Sanskrit-Wortes ओम्. Selbst die 卍 Swastika (Hakenkreuz) gilt als esoterische Darstellung der heiligen Silbe Om.

Betrachtet man nun etwa die Ligatur des arabischen Namens ﷲ Allah, so scheint eine gewisse Ähnlichkeit vorzuliegen. Und auch die Bedeutung dieses arabischen Namens für Gott, ist eigentlich identisch mit dem, was die Hindus in der Bedeutung der Silbe Om ॐ sehen. Auch das im Islam verwendete heilige Wort »Amin«, dass im Judentum und Christentum entsprechend »Amen« heißt, ist seinem Klang nach mit dem »Aum« beziehungsweise »Om« verwandt, beziehungsweise davon abgeleitet.

Om: Sein Zentrum überall – Seine Grenze nirgendwo

Die vielen Bedeutungsebenen dieses kleinen, anscheinend viel erforschten Wortes, sind aber nur einer seiner wichtigsten Aspekte. Denn wer sich seiner wahren Bedeutung bewusst ist (oder wird), verspürt in der Rezitation des Om außerdem die Schwingungen seines Klanges – gesprochen oder gesungen.

Manche sagen in den Worten Om, Amen oder Amin, läge bereits eine mystische Kraft, die auf den Rezitierenden beruhigend, ja sogar heilend wirke. Wohl auch wegen seiner Simplizität, ist es über alle negativen oder störenden Gedanken erhaben. In der einfachen Rezitation dieses Wortes eben, bewegt sich der Geist des Rezitierenden hin, zu dem für was das Wort Om steht: unendliches, ewiges Allsein.

Im Gesang dieser heiligsten aller Silben, bewegt sich alle Zerstreutheit des menschlichen Geistes, hin zu einem Zustand vollkommener Kontemplation über die Essenz individuellen wie ebenso universellen Seins. Denn in der Betrachtung oder Imagination seiner Struktur – als Klang oder als Symbol – finden Wahrnehmenwollen und Denken ein Ende. Der Rezitierende findet Ruhe.

Wenn nun aber das Om alles enthält und in Allem überall und für immer enthalten ist, so wird durch das Singen oder Aufsagen der Silbe, auch eine Verbindung hergestellt, zu allem räumlich und zeitlich weit Entfernten.

Der indische Philosoph Paramahansa Yogananda (1893-1952) sagte dazu:

Wir singen das Om, weil es seit Jahrtausenden vor uns von Yogis gesungen wurde. Und wenn wir es singen, so verbinden wir uns mit diesen Asketen auf geheimnisvolle Weise. Damit ziehen wir ihre praktischen Erfahrungen an, die sie über sehr, sehr lange Zeit des Übens erlangten.

Meditation über die Heilige Silbe Om

Das heilige Om kann auch in der Meditation empfunden werden, ganz gleich ob es nun ertönt oder symbolisiert wurde. Da es überall enthalten ist, kann man es auch übersinnlich wahrnehmen.

  1. In der Meditation stellt man sich das Om vor, als die in aller Materie manifestierte, spirituelle und kosmische Energie.
  2. Diese Energie ist die Essenz aller Schwingungen im Makrokosmos und Mikrokosmos - im Weltall und im menschlichen Körper, sowie im Handeln, Fühlen und Denken.
  3. Diese Heilige Schwingung vibriert im Innern unserer Wirbelsäule, schirrt unsere Lebenskräfte an und ermöglicht uns die Welt als solche wahrzunehmen.
  4. Das Om vibriert als irdischer Klang in den Atomen ebenso, wie wir es in unserem Körper wahrnehmen können: im Herzen, in den Lungen, in unserem Kreislauf, wie auch in Wachstums- und Heilungsprozessen. All das wird angeschirrt vom kosmischen Klang des Om. Dies umfasst das akustische Klangspektrum, wie auch jenes der Schwingungen, die unsere Ohren nicht hören können.
  5. Damit schwingt das Om auch in allem Sichtbaren - im Feuer, im Sonnenlicht, im elektrischen Strom, sowie in den nicht messbaren Astrallichtern.
  6. Doch auch all das, was jenseits sinnlicher Wahrnehmung liegt, durchdringen seine feinstofflichen Schwingungen.

 

Om

 

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