Schamanismus

Vorstellungen über das Selbst in der Tradition der Hawaiianischen Schamanen

von S. Levent Oezkan

Gemälde von Arman Manookian - ewigeweisheit.de

In der hawaiianischen Huna-Tradition, unterscheidet sich das Wesen des Menschen von dem des Tieres dadurch, da er über drei geistige Ebenen verfügt: Das niedere, das mittlere und das höhere Selbst. Das Wort »Huna« steht für eine Geheimlehre, die dem hawaiiansichen Schamanismus der Heiler und Weisen entstammt, den sogenannten »Kahuna«.

Das niedere Selbst

Was diese Kahuna nun als »Unihipili« bezeichnen, steht für das, was bei uns dem psychologischen Konzept des Unter- oder Unbewussten entspricht. Das kahunische Unihipili lässt sich vielleicht verstehen, als eine Art selbstständig funktionierende, feinstoffliche Energiequelle, die ganz eng mit unserer körperlichen Wahrnehmung in Zusammenhang steht. Damit ist es es das festeste, aber auch stärkste der drei Selbste, das über große emotionale und intuitive Willenskräfte verfügt.

Wie auch unser allgemein bezeichnetes Unterbewusstsein, kann es einem Menschen in seiner Entwicklung von großer Hilfe sein, doch mindestens ebenso wirkungsvoll eigenwillig einem das Leben schwer machen, zumal es vielleicht weniger auf der intelligiblen Ebene Fähigkeiten hat, aber eben genau darum unsere wachen und unbewussten Erinnerungen kontrolliert. Physische und visuelle Reize jedoch, vermögen es zu steuern.

Das mittlere Selbst

Man nennt das in der Huna-Tradition »Uhaney«, das wachbewusste Selbst, dass identisch ist mit der menschlichen Fähigkeit zur Sprache. Alle vernunftgesteuerten Entscheidungen sind mit dieser Ebene des Selbst verbunden und lassen sich damit willentlich lenken. Man muss sich dieses, vielleicht könnte man auch von einem »Denkenden Selbst« sprechen, jedoch als eine rein exekutive Funktion des Seins vorstellen, dass als »Denker« dem Diktat des Willens unterliegt, der vom Unihipili her aufsteigt, dem niederen Selbst.

Das höhere Selbst

Wenn die Kahuna vom »Aumakua« sprechen, meinen sie damit das, was vielleicht der Psychologe C. G. Jung kurz einfach »Selbst« nannte – eine Instanz der menschlichen Psyche, die für sich stehend, in einer übergeordneten Bewusstseinsebene, das eigentliche Wesen und die damit verbundene Rolle in dieser Inkarnation ausmacht.

Die Fähigkeiten des Höheren Selbst im Huna, steht weit jenseits dessen, was die beiden anderen Selbste (Unihipili, Uhane) zu bewirken vermögen. Eher gleicht es einem fürsorglichen Geistwesen, dass seinen Träger als solchen kennt und ihn für sein ganzes Dasein, darum in allen Belangen zu unterstützen sucht. Allerdings geschieht das nicht allein auf der materiellen Ebene eines Menschenlebens. Das Aumakua existiert losgelöst von aller Raumzeit. Es steht quasi für sich und vermag darum in der Welt der Form und Vergänglichkeit, außergewöhnliche Dinge zu vollbringen, die mit unter an Wunder grenzen – wozu auch besondere Heilungen von Kranken Menschen zählen.

Kahuna verehren das Aumakua nicht als göttliches Wesen, sondern vielmehr als geistigen Ursprung eines Menschen, aus dem eine Kraft wirkt, die gleich liebevoller Eltern sich um das inkarnierte Individuum sorgt. Daher auch kann man es um Hilfe bitten und es wird sich um einen sorgen – vorausgesetzt, solch Bitte trägt zum Guten bei.

Gut möglich, sagen die Kahuna, dass noch höhere Ebenen des Seins existieren. Doch sie warnen davor, darüber viel zu spekulieren.

Verbindung aufnehmen zum Höheren Selbst

Es scheint naheliegend, dass die Ebene von Ubhane, dem mittleres Selbst, direkt mit dem höheren Selbst, dem Aumakua kommuniziert. Eine direkte Verbindung gibt es zwischen diesen Ebenen des Selbst jedoch nicht. Was zwischen beiden vermittelt, ist das niedere Selbst des Unihipili. Der Grund dafür ist dieser: Alle unbewussten Anteile Unihipilis denken rein intuitiv, in Bildern, durch eine, nennen wir es »kreative Visualisierung«. Wichtig ist dabei, sich dieses Bild ganz klar und deutlich ausmalen zu können, während man sich der Auswirkungen dieser Visualisierung bereits bewusst ist. Einer der  fragt erhält darum auch genau das, was er sich wünscht. Sollten das eigene Denken Beschatten negative Aspekte beschatten, werden die Erfüllungen entsprechend ausfallen.

So ist das hier definierte Höhere Selbst also nur über das niedrige Selbst erreichbar, dass über das mittlere Selbst verbunden, schließlich dorthin seine Wirkungen übermittelt.

Man stelle sich hier etwa an die Messe im orthodoxen oder auch katholischen Christentum vor: Da sieht man in heilige Gewänder gekleideten Priester, die mitunter den andächtigen Beiwohnern einer Messe sakrale Ikonen vorhalten, während die Ohren der Gläubigen dem Gesang des Kirchenchors lauschen, wo heilige Hymnen gesungen und biblische Versen zitiert werden. Man riecht da den Weihrauch, während auf rein körperlicher Empfindungsebene die Gefühle von Stehen, Sitzen oder Knien wechseln. Schließlich werden alle teilnehmenden Christen mit der eucharistischen Speise und dem Trank des heiligen Weines »verköstigt«. All diese Erfahrungen, macht des Gläubigen niederes Selbst aus. Die Kahuna sprechen da nun eben von dem »Unihipili«.

Alles Gelingen und Misslingen ist gänzlich davon abhängig, wie gut diese einfachen Sinnesempfindungen auf körperlicher Ebene im gesamten Ritual erfahren werden. Sonst nämlich, wenn der Geist einen Weg und die Sinneswahrnehmung einen anderen Weg gehen, findet da höchstens eine reine Pflichterfüllung statt, die allein der weiteren Aufblähung des Ego gereicht.

Um mit dem aber in Verbindung zu treten, von dem die hawaiiansischen Schamanen als Lebenskraft sprechen, dem »Mana«, bedarf es einer Kontrolle über das Unihipili, über das niedere Selbst. Dort nämlich entspringt alle Lebenskraft.

Im Namen des Guten

Dem niederen Selbst Unihipli erscheint das höhere Selbst Aumakua, als eine fürsorgliche Kraft, die ihm uneingeschränkt zur Verfügung steht – vorausgesetzt ein Wunsch gereicht auch dem Guten Aller. Ein dem entgegen stehendes Handeln, was man im Christentum als »Sünde« bezeichnet, ist laut der Huna-Philosophie erst dann eine solche, wenn sie für anderen Menschen tatsächlich schädlich ist. Ansonsten sagen die Kahuna ganz klar:

Wenn es niemandem und in keinster Weise schadet, war ein Tun auch keine Sünde.

Ganz gleich also welch Regelwerk dieser und jener spirituellen Tradition übergestülpt ist und teils sehr den Normen und religiösen Vorstellungen anderer Glaubensgemeinschaften widerspricht, geht es am Besten darum zu erkennen, was den eigenen Mitmenschen tatsächlich von Nutzen ist. So erübrigt sich auch jedes Urteil gegenüber anderen Religionen. Für so eine Haltung aber muss ein Mensch wahrhaft tolerant sein, was eigentlich nur dem gelingt, der in seinem eigenen Glauben vollkommen gefestigt im Leben steht, in seinem Denken, Reden und Handeln.

 

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Die Sonnentanz-Zeremonie

von S. Levent Oezkan

Sonnentanz - ewigeweisheit.de

In den Great Plains, den großen Ebenen die sich von Norden nach Süden, mitten durch die Vereinigten Staaten ziehen, praktizieren indigene Stämme den Sonnentanz. Das ist ein wahrhaft intensives Ritual, wo sich die Initianden zum Wohle der Gemeinschaft selbstaufopfern, hiermit aber einen Weg der Einsicht betreten, der sie zu ihren innersten spirituellen Kräften führt.

Es versammelt sich meist die gesamte Stammesgemeinde, Freunde und Familienmitglieder, die neben dem eigentlichen Tanz, in den dazu errichteten Lagern für Heilung beten. Außerdem werden Heilungszeremonien durchgeführt, wo es zu ungewöhnlichen Gesundungserfolgen Betroffener kommen soll.

Die Tänzer aber fasten viele Tage lang, während sie dann im Freien, und auch bei jedem Wetter, das Einweihungsritual des Sonnentanzes vollziehen.

Rückkehr zur alten Tradition

Anfang des 19. Jahrhunderts, als Angehörige der neu gegründeten Vereinigten Staaten von Amerika, in den damals noch »Wilden Westen« vordrangen, kamen die in den Great Plains lebenden Indigenen zunehmend in Bedrängnis. Die Ausübung des Sonnentanzes wurde durch jene Eindringlinge aus Europa untersagt, mit dem Ziel die indigene Kultur zu unterdrücken und die Mitglieder ihrer Stämme zu zwingen, stattdessen mit nach Amerika gebrachte kulturelle Werte zu übernehmen. Auch das Sprechen der indianischen Muttersprache war den in den Great Plains lebenden indigenen Völkern untersagt, wie ihnen auch das Besuchen der heiligen Stätten verboten war.

Die Auswirkungen dessen sind bis heute spürbar, denn nur ein geringer Teil der Nachfahren der Ureinwohner der Great Plains, sprechen die Sprache ihrer Vorfahren. All das steht außerdem im Schatten der Greuel, die an der amerikanisch-indigenen Kultur verübt wurden (Stichwort »Wounded Knee«). Im Fortgang solcher Verläufe des Vergessens, um es einmal so zu nennen, scheinen Vorboten, ja eigentlich böse Omen dessen zu sein, was sich gerade auch andernorts auf unserem Globus, als gigantischer Werteverfall der Menschheitskulturen ereignet.

Seit dem Jahr 1993 leitet der amerikanische Shoshone-Häuptling James Trosper, im Wind-River-Reservat, die dort jährlich stattfindende Sonnentanz-Zeremonie. Er steht in der Traditionskette seines Urgroßvaters John Truhujo (auch genannt »John Trehero«), einem Mann der ein stolzes Alter von 113 Jahren erreichte (1985). Truhujos Wirken sollte dazu führen, dass eine Wiederbelebung der alten Kultur der Plains-Indianer stattfand. Als er in seinen Dreißigern war, übergab ihm seine Mutter den sogenannten »Heiligen Medizinbund«, ein Bündel geweihter Gegenstände, die dem Empfänger der Würden eines Medizinmannes verliehen werden. Die Ausübung seiner damit einhergehenden Arbeit als Heiler und als Leiter der heiligen Zeremonien, war damals jedoch nicht erlaubt.

Die damalige Regierung der Vereinigten Staaten, hatte Anfang des 19. Jahrhunderts die Ausübung solcher Heilarbeit und zeremonieller Riten untersagt, wozu auch der Sonnentanz gehört. Außerdem versuchte man in besonderen Internaten, den jungen Angehörigen indianischer Stämme der Great Plains, ihre Identität auszureden. Es fand damals eine regelrechte Gehirnwäsche statt, wo man den Indianern suggerierte, dass der spirituelle Weg ihres Stammes schlecht sei und nur das gut war, was sie vom Christentum lernen konnten. Alle indianischen Bräuche sollten sich damit als falsch erübrigen, ganz gleich ob es spirituelle oder gesellschaftliche Gepflogenheiten waren.

Der Häuptling John Truhujo ging nun eines Tages zum Vorsteher jener Behörde die die Stammesmitglieder der Shoshone beaufsichtigte. Er erklärte ihm was es mit dem Tipi (typisches kegelförmiges Indianerzelt) auf sich habe, das durch zwölf Holzstäbe aufgerichtet, jedoch ohne Bedeckung nach oben hin offen bleibt, so dass man dadurch zum Himmel blicken kann, während man da die heilige Sonnen-Zeremonie begeht, mit Gebeten, Gesängen und diesem besonderen Tanz, dem, was man den »Sonnentanz« nennt:

Er erklärte diesem Vorsteher all das auf eine Weise, wodurch dieser Mann die Bedeutung des Tipi und des indianischen Weges auch verstehen konnte. Und er wusste, dass dieser Mann ein Christ war, weshalb er zu ihm in Begriffen sprach, die er auch verstehen konnte und er erzählte ihm vom Mittelpunkt und sagte: 'Wissen Sie, der Mittelpunkt ist ein Medium zwischen uns und dem Schöpfer. An diesen Mittelpunkt richten wir unsere Gebete, von wo aus dann Segnungen auf jeden von uns niederkommen, als Antwort auf unsere Gebete. In gewisser Weise ähnelt es dem, was sie als Jesus Christus bezeichnen. Es ist das was uns der Mittelpunkt bedeutet.' Und er sprach: 'Diese zwölf Polstäbe, die das Tipi stützen, gleichen den Jüngern Christi.'

- Aus einem Vortrag von Häuptling James Trosper im Rahmen der Londoner Temenos Academy

John Truhujo hatte nämlich längst verstanden gehabt, dass beide Religionen, die der Christen und die der Shoshone, vom Großen Geist beflügelt sind, auch wenn er niemals die beiden Erscheinungen ihrer Form nach miteinander zu vermischen oder zu vergleichen versuchte.

Was er jedoch dem Vorsteher dieser Kontrollbehörde vermittelte, sollte im Jahr 1934 dazu führen, dass die Shoshone wieder ihren traditionellen Sonnentanz offiziell, doch nur unter sich ausüben durften, was außerdem zum Wendepunkt in der Geschichte der gesamten amerikanische Ureinwohner der Great Plains führen sollte (im sogenannten »Indian Re-organization Act«). Es sollte jedoch bis in die späten 1970er Jahre dauern, bis die indigenen Völker Nordamerikas ihre Zeremonien öffentlich ausüben durften (»American Indian Religious Freedom Act« von 1978).

Sonnentanz - ewigeweisheit.de

Ein Ritual solarer Kraft

Was in der Sonnentanz-Zeremonie vollzogen wird, beinhaltet eine ganz klare symbolische Bedeutung, die für jeden Teilnehmenden tatsächlich als überwältigendes Erlebnis in Erinnerung bleibt. Das schrieb der schweizerische Traditionalist Frithjof Schuon (1907-1998) über seine eigene Erfahrung damit. Schuon war 1980 nach Bloomington umgesiedelt, im amerikanischen Bundesstaat Indiana. Dort sollte er ein enger Freund von Thomas Yellowtail (1903-1993) werden, dem wichtigsten Sonnentanz-Häuptling des 20. Jahrhunderts.

Über den Sonnentanz und seine Symbolik schrieb Schuon:

Der Baum ist die Achse, und das ist in unserem Herzen; Die verschiedenen Elemente unserer Seele drehen sich um diese Achse und bewegen sich in Veräußerlichung und Verinnerlichung, Unterscheidung und Vereinigung hin und her. An diesem Baum aber hängt der mit Salbeizweigen geschmückte Büffelkopf, dessen Blick auf den Sonnenuntergang gerichtet ist. Ein Adler aber blickt auf den Sonnenaufgang.

Die Salbeizweige hängen von den Augen des Büffels herab, der die heilige Urkraft und Fruchtbarkeit der Erde symbolisiert. Der Adler ist Symbol des Lichts, das von oben kommt, als Offenbarung; der Büffel ist der symbolische Berg oder Felsen, und der Adler eine Allegorie auf den Himmel und den Blitz. Der Büffel ist jedoch auch die Sonne beziehungsweise ihr irdisches Abbild.

Im Sonnentanz erlebt man ein Erinnern an Gott, eine Reinigung von Vielheit und Äußerlichkeit, eine Vereinigung mit dem Einen und dem Realen.

- Aus Frithjof Schuons Reisetagebuch

Ablauf und Ereignisse des Sonnentanzes

In den Legenden und Erzählungen der Lakota (der westlichsten Stammesgruppe der Sioux), erfährt man von der »Weißen Büffelfrau«. Als Tochter des Großen Geistes, überbrachte sie ihnen sieben heilige Riten, wovon eine der Sonnentanz war.

In dieser besonderen Zeremonie tanzen die Initanden, unter Führung des Sonnentanz-Häuptlings, zu besonderen Trommelklängen und Gesängen, einen dafür vorgesehenen Tanz. Zuvor werden gemeinsam bestimmte Pflanzen gepflückt, die man während der Zeremonie rituell verwendet. Außerdem geht dem Ritus des Sonnentanzes eine Fastenzeit voraus und erfolgt dann, als eine, sagen wir, aktive Form des Gebets. Denn alle Sinne werden dabei miteinbezogen, womit ein dafür ganz eigenes Gemeinschaftsgefühl einhergeht, sowohl mit den Angehörigen des Stammes, wie auch mit den Ahnen und dem Großen Geist.

Nicht aber, dass dieser Tanz alleine zur Unterhaltung stattfände. Es ist eine wirklich erfahrene, wenn nicht sogar sehr anstrengende Sache für die Tänzer. Sie werden dabei nicht nur spirituell einer Prüfung unterzogen, sondern auch physisch, mit dem Ziel sich selbst als Opfer für ihr Volk darzubieten.

Einige der Sonnentänzer durchstechen sich hierzu die Haut an Brust oder Rücken. Durch diese blutenden Stellen schieben sie sich kleine Holzpflöcke, an denen Rohleder-Riemen befestig werden. Man nennt das »Piercing«. Diese Riemen werden dann an dem in der Mitte des Sonnenzeltes errichteten Baum, dem zentralen Pol, befestigt, um den die Tänzer dann vier Tage lang, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang tanzen – ohne Schatten, Nahrung oder Wasser. Dies findet zwar in einzelnen Runden mit Pausen statt, doch ist wohl etwas, dass uns durchaus drastisch erscheinen dürfte, wenn nicht gar unmöglich für einen Normalsterblichen vorzustellen. Denn die Initianden lassen sich dann letzten Endes sogar mit ihrem ganzen Körpergewicht an den Riemen hängen, bis die unter der Haut befestigen Holzpflöcke aus ihrem Körper reißen. Durch diese schlimmen Torturen soll der Tänzer einen »todesähnlichen Zustand« erreichen. Und aus der dabei gemachten tranceartigen Erfahrung, steigen in ihm besondere Visionen auf, die ihm grundlegende Fragen des Lebens beantworten oder aber aufwerfen.

Denkt man hierbei etwa an die Symbolik der Kreuzigung Christi, dürften einem einige Parallelen auffallen. Besonders die Indianer Nordamerikas sind solchen Betrachtungen durchaus aufgeschlossen (auch wenn man sie über so lange Zeit zwang den christlichen Glauben anzunehmen und sie ihrer alte Kultur zu entreißen). Wer auf das Leben Jesu Christi schaut, entdeckt darin viele Parallelen zum eigenen Ritus des Sonnentanzes. Auch an der bildlichen Allegorie von Jesus am Kreuz, lässt sich eine solare Thematik ablesen.

Christus wurde gekreuzigt, aber die Indianer kreuzigten sich auf dem Pappelbaum; Das Kreuz Christi war aus Eichenholz gewesen, während der Sonnentanzbaum genau das Pappelholz war. Ein Querschnitt durch einen Ast dieses Baumes zeigte immer einen goldenen Stern.

- Aus Frithjof Schuons Reisetagebuch

Wir wissen ja außerdem, dass die frühen Christen trotz der Verfolgungen, denen sie vor etwa 2.000 Jahren wegen ihrer religiösen Bekenntnis ausgesetzt waren, dennoch nicht von ihrem Glauben abließen. Man peinigte, ja folterte sie, um ihnen ihren »christlichen Irrglauben« auszutreiben. Wie könnte darum, mit all den vielen Parallelen zum Christentum, den indigenen Stämmen Nordamerikas ihr eigener Glaube ausgeredet werden? Ja mehr noch: Wäre es überhaupt verwunderlich, wenn manche unter ihnen dem Christentum sogar noch etwas abgewinnen könnten?

Viele Indianer glauben nämlich, dass das was sie unter einer transzendenten Realität verstehen, dadurch bereichert wird, wenn sie nur dazu bereit sind die unterschiedlichen Sichtweisen ein und der selben Realität zu betrachten. Was wir nämlich zuvor im Vergleich der Sonnentanz-Piercings zum christlichen Kreuzigungsereignis sagten, erschien ihnen eben nur als verschiedene Offenbarungen eines selben Prinzips: Das wahre, innere Erkenntnis nämlich nur auf Grundlage von echtem Leid erfolgt. Das ist eine Vorstellung, die bestimmt unzählige Menschen ablehnen, da sie vielleicht auch einen möglichen Grund für die eigentliche Besiedelung unseres Planeten, nie in Frage stellten.

Alle Menschen sollten, ganz unabhängig von ihrem Glauben, sich vereinen und zusammen beten. Du hast den verschiedenen Menschen auf der ganzen Welt eben verschiedene Wege gegeben (»Du« meint hier den »Großen Geist«). Wie wir wissen, ist diese Erde rund wie ein Wagenrad. Bei einem Wagenrad sind alle Speichen um die Mitte herum angeordnet. Der Kreis des Rades ist rund und alle Speichen kommen aus der Mitte und die Mitte bist Du, Acbadadea, Schöpfer aller himmlischen Dinge.

Jede Speiche kann als eine andere Religion der Welt betrachtet werden, die Du den verschiedenen Menschen und Rassen gegeben hast. Alle Menschen auf der Welt sitzen am Rand dieses Rades und müssen einer dieser Speichen folgen, um zum Zentrum zu gelangen. Die verschiedenen Wege wurden uns gegeben, aber sie führen alle zum selben Ort. Wir alle beten zum selben Gott, zu Dir. Hilf uns, diese Weisheit zu erkennen. Aho! Aho!

- Häuptling Thomas Yellowtail, in Frithjof Schuons »The Feathered Sun: Plains Indians in Art and Philosophy«

 

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Im Bauch der Schwitzhütte

von S. Levent Oezkan

Schwitzhütte - ewigeweisheit.de

Das wohl wichtigste Reinigungsritual der indigenen Völker Amerikas, ist die Schwitzhütten-Zeremonie. Sie wird ebenso zur Vorbereitung auf das Sonnentanz-Ritual vollzogen, wie auch als Ritus zur Gesunderhaltung oder zur Heilung Kranker.

Am Eingang zur Schwitzhütte befindet sich die dafür und für die Feuerstelle ausgehobene und aufgeschüttete Erde. Diesen kleinen Hügel, der sich etwa in der Mitte auf dem Weg zur Feuerstelle befindet, nennt man den »Heiligen Altar«. Vor dem Betreten der Schwitzhütte legen die Teilnehmer der Zeremonie, darauf ihre Opfergaben ab.

Das brennende Feuer vor der Hütte symbolisiert die Sonne, während die Hütte selbst ein Sinnbild für Mutter Erde ist. Sie nämlich erhält ihre Energie von der Sonne, so wie die Schwitzhütte ihre Wärme von der Feuerstelle erhält. Darum werden die Steine für das Ritual »Samen von Großvater Sonne« genannt. Je nach Art des dabei durchgeführten Rituals, werden mal 32 (Reinigung), ein andermal 64 Steine (Heilung) verwendet.

Der Eingang zur Schwitzhütte öffnet sich in Richtung Osten, was auf den Sonnenaufgang deutet. Die darin wirkende kosmische Kraft, symbolisieren die rot glühenden Steine, die aus dem flackernden Licht des Lagerfeuers, vom Feuermeister in die Mitte der Schwitzhütte, ins Zentrum der Teilnehmenden gelegt werden.

Meister des Rituals

Die eigentliche Zeremonie aber darf nur von einem Ältesten, einem dafür eingeweihten Schamanen durchgeführt werden. Es werden von ihm besondere Opfergaben an die Welt der Geister und Ahnen übergeben und im rhythmischen Klang der Schamanentrommel dazu entsprechend gesungen.

Dieser Schamane aber, der die Zeremonie leitet, kennt die benötigen Sprüche und dazu gesungenen Lieder, sowie die zu diesem Zweck vorgesehenen Sicherheitsmaßnahmen, um das Ritual ordnungsgemäß durchzuführen. Er ist jemand, der dafür über viele Jahre hinweg intensiv vorbereitet wurde, um diese Zeremonie zu leiten. Auch muss er die Sprache seines Stammes beherrschen, damit er die gesungenen Gebete auch versteht und entsprechend intonieren kann. So ein Ältester ist also nicht etwa einer, der sich dazu selbst ernannte, sondern nur wer dazu vorher von einem anderen Ältesten auserwählt wurde. Es soll damit auch vermieden werden, dass die in der Zeremonie durchgeführten Rituale, an Außenstehende weitergegeben werden, die diese am Ende gar noch verkaufen.

Viel zu oft schon waren Nachahmer mit schwerwiegende Konsequenzen konfrontiert, wo es selbst zu Todesfällen kam! Es handelt sich also keineswegs um irgendein neuartiges »New Age«-Wellness-Spektakel, sondern geht es dabei tatsächlich um eine weitere Initiation in die Mysterien von Mensch, Erde und Sonne.

Aufbau und Zweck

Für diese Zeremonie wird die Schwitzhütte aus einfachen Naturmaterialien gebaut. Sie ist ein flacher, kuppelförmiger und handgefertigter Bau, der an einem geeigneten Ort errichtet wird und sich optimalerweise auch in einem geomantischen Kraftfeld befindet. Meist wird hierzu eine kleine Erdgrube ausgeschaufelt, in der die Schwitzhütte dann errichtet wird.

In einem rituellen Vorgang wird in traditioneller Form das Gerüst der Schwitzhütte gebaut, aus Weiden- oder Haselnussholz-Ruten. Dazu sticht man mehrere, meist 16 kleine Löcher in die Erde, worin dann die entsprechend zu Bogen gekrümmten Ruten, überkreuzt gesteckt werden. Dieses kuppelförmige Geflecht wird dann zur Stabilisierung gebunden und mit Decken oder Fellen bedeckt. Für die Schwitzhütten-Zeremonie werden dann, in einem außerhalb der Hütte brennenden Feuer, glühende Steine in eine kleine, dafür gegrabene Grube inmitten der Hütte gelegt.

Wer sich mit den anderen in die Schwitzhütte begeben und an der Zeremonie teilnehmen will, hilft auch bei der Vorbereitung. Man sammelt gemeinsam Brennholz, schließlich soll das Feuer mehrere Stunden brennen. Auch die Steine werden gemeinsam gesucht und zur Schwitzhütte gebracht. Die Arbeit des Feuermeisters besteht in der Vorbereitung des Feuerplatzes, sowie die kunstvolle Aufschichtung von Brennholz und Steinen an diesem Kraftplatz. Er ist außerdem für den äußeren Schutz der Zeremonie verantwortlich und auch derjenige, der das Zeremonialfeuer entzündet. Während dieses feierlichen Akts, wird er von Trommelklängen, heiligen Gesängen und Gebeten begleitet.

Vom Sinn der Aufgüsse

Während der Schwitzhüttenzeremonie erhitzt nun der Feuerhüter die dafür ausgesuchten Steine. Er nimmt sie darauf aus den Flammen und trägt sie in die Hütte, wo sie in der dafür vorbereiteten Mulde gelegt, mit besonderen Duftkräutern bestreut und mit Wasser übergossen werden. Dieser Vorgang wird während des gesamten Rituals mehrere Male wiederholt.

Wie bereits angedeutet, werden Schwitzhüttenzeremonien auch durchgeführt, um die teilnehmenden Menschen für den Sonnentanz zu reinigen und darauf einzustimmen. Jeder erhält dabei einen vom Schamanen zugewiesenen Platz, der seiner entsprechenden Lebensthematik entspricht.

Zu Beginn des Schwitzhüttenrituals, lädt der Älteste die Ahnen und Geister dazu ein daran teilzunehmen. Sie sollen mit ihrer Kraft zum Erfolg des Rituals beitragen. Bei den Lakota ist das gesamte Ritual in der Schwitzhütte, unterteilt in vier Runden. Zu Beginn jeder Runde trägt der Feuermeister Steine in die Hütte.

  • In der ersten Runde bedanken sich die Teilnehmenden für alles was sie in ihrem Leben erlebt und gelernt haben.
  • Danach geht es darum zu empfangen. Man bittet um Kraft, Inspiration und Erkenntnisse, die aber nicht nur für einen selbst, sondern zum Wohle aller empfangen werden.
  • Am Anfang der dritten Runde reicht der Schamane jedem Teilnehmer Trinkwasser, denn jetzt geht es darum zu geben. All die Geschenke an andere Menschen werden nun visualisiert, sei es Liebe, die Weitergabe von Wissen oder Kraft, die man jemandem geben will. Doch es wird in dieser Runde auch abgelassen von negativen Gedanken und schlechten Angewohnheiten. In den dabei gesprochenen Gebeten wird eine Wiedervereinigung mit dem Großen Geist bewirkt, damit der Teilnehmer nach dem Ritual, als Mensch im Grunde neu geboren wird.
  • Zum Schluss öffnet man sich schließlich für die Eingebungen vom Großen Geist und damit einhergehende Erkenntnisse.

Jede Runde bewirtet der Feuermeister, wobei er in der ersten Runde vier, in der zweiten sieben, in der dritten zehn, und in der letzten Runde so viele Aufgüsse macht, wie eben gerade nötig sind, damit das Ritual zu einem gewandten Abschluss findet.

Symbolik der Wiedergeburt

Die Kuppel der Schwitzhütte ist ein Symbol für den Bauch einer Schwangeren, die auf der Erde liegend wartet, die Geburt ihres Kindes zu vollziehen. Da es sich während des Rituals also um eine Art Schwangerschaft handelt, dürfen die Teilnehmer die Schwitzhütte während der vier Runden nicht verlassen (wobei andere Traditionen ein Verlassen der Hütte während des Rituals zulassen). Schließlich geht es in diesem Ritual um den Aufbruch in einen anderen Lebensabschnitt, was sich damit ja nur einmal ereignen kann. In diesem Bewusstsein kehren die Teilnehmer zunächst in diesen symbolischen Bauch von Mutter Erde zurück, um darin von den durch den Schamanen angerufenen Kräften und der Hitze der Steine, ihre rituelle Reinigung zu erfahren.

Besondere religiöse Bedeutung hat, wie der Name der Zeremonie ja bereits andeutet, der dabei austretende Schweiß. Er dient dem Gebet und der Heilung. Das Schwitzen bildet dabei eine äußere Reinigung, die während des Rituals vollzogenen Gebete eine innere Reinigung.

Am Ende des Zeremoniells, wenn die Teilnehmer die Schwitzhütte verlassen, werden sie neu geboren, als innerlich und äußerlich Gereinigte, deren Lebensenergie erneuert und deren Erkenntniskraft in diesem Ritual beflügelt wurde.

 

Titelfoto: Sweat Lodge; Quelle: Wikimedia; Lizenz CC BY-SA 4.0

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Indianisches Traumfasten und die Vision des Schutzgeistes

von S. Levent Oezkan

Anrufung des Schutzgeistes - ewigeweisheit.de

Zahlreiche amerikanische Ureinwohner praktizierten den Ritus der Visionssuche. Jugendlichen in der Pubertät, wird damit die Möglichkeit gegeben eine deutliche Richtungsweisung für ihr Leben zu erfahren. Aber auch älteren Menschen kann eine solche Visionssuche dabei helfen einen Lebenssinn zu finden.

Diese Form der Initiation erfolgt bei den indigenen Völkern Amerikas von Stamm zu Stamm verschieden und kann einmal intensiver, ein andermal weniger heftig erlebt werden. In den meisten Fällen aber ereignet sich diese Visionssuche, die oft auch unter dem englischen Wort »Vision-Quest« bekannt ist, in Form einer übernatürlichen Erfahrung – einer Vision eben. Hierbei versucht der Initiand mit seinem individuellen Schutzgeist Verbindung aufzunehmen, was normalerweise ein besonderes Krafttier ist. Mit ihm in Kontakt getreten, kann er seinen Schutzgeist dann um Rat bitten und erfährt dabei einen Weg, wie er von ihm besondere, beschützende Kräfte empfangen kann.

Für die Visionssuche jedoch muss der Initiand entsprechend vorbereitet werden. Ja, einer der Stammesältesten schaut zuerst sogar, ob das betroffene Individuum überhaupt über eine dafür notwendige Aufrichtigkeit verfügt, um sich bei dieser schamanischen Einweihung entsprechend einzubringen.

Es kann durchaus vorkommen, dass sich der Suchende dafür mehrere Tage allein in die Wildnis begeben muss, um sich dabei auf jene geistige Welt der Totems und Tierwesen einzustellen. Andere Stämme verlangen dafür von der Person, sich in Abgeschiedenheit zu begeben, um dabei, in einem kleinen Raum eingesperrt, in einen anderen Bewusstseinszustand zu geraten, was natürlich nur unter Leitung eines Medizinmannes beziehungsweise Schamanen erfolgen darf.

Dieser Visionssuche geht aber immer auch eine Fastenzeit voraus, wo in der Regel für drei Tage und Nächte weder gegessen noch getrunken werden darf, und der Initiand auch nicht schläft. In der hierdurch eingeleiteten tranceartigen Verfassung, kann er in einer Art Wachtraum dann mit der Welt des Manitu, des Großen Geistes Wakan Tanka Verbindung aufnehmen. Während dieser Zeit vollkommenen Entbehrens, begibt sich das Individuum auf die Suche nach seinem Schutzgeist. Sobald ihm dieses Wesen erschien und er seine Zeichen vernommen hat, erkennt der Sucher dabei seine Lebensaufgabe und die Richtung, die er von nun an einschlagen muss.

Nach dieser sehr eindringlichen Erfahrung, kehrt der Initiierte damit zu seinem Stamm zurück, um seinen vorgegebenen Lebensweg nun anzutreten, doch auch als jemand der dazu in der Lage ist, die zuvor gegebenen Maßstäbe der Stammesgemeinschaft weiterhin einzuhalten.

 

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Der Große Geist

von S. Levent Oezkan

Manitu - ewigeweisheit.de

Was die Sioux oder die Algonquin den Großen Geist nennen, ist bei ihnen, wie auch bei vielen anderen indigenen Kulturen Amerikas, das Höchste Wesen – anders gesagt: Gott. In der Sprache der Lakota-Sioux wird die damit gemeinte universale, spirituelle Kraft, auch als das Große Geheimnis bezeichnet.

Mit diesem Geheimnis aber geht die Vorstellung einher, dass es sich da um eine menschenähnliche, anthropomorphe Gestalt handelt, die als Himmelsgottheit und Schöpfer, Welt und Mensch erschuf und darin, wie auch außerhalb dieses Geschaffenen, in alle Ewigkeit fortbesteht.

Wie auch in den abrahamitischen Traditionen denken sich die Stammesältesten der Sioux und auch anderer indigener Stämme, dass diese Gottheit als ein Wesen in der Welt wirkt, dass in die Geschicke des Diesseits eingreift und dabei auch das Schicksal der Menschen lenkt.

Und was etwa im Christentum, Judentum und im Islam die Rolle der Propheten ist, dass nennen die indigenen Völker in ihrer Religion den »Sprecher«, der wie eben jener Prophet in unserer Kultur, ein Auserwählter ist, der die heiligen Offenbarung auszulegen vermag und sie als solche, dem göttlichen Willen entsprechend, den Angehörigen seines Stammes überliefert. Als solch prophetischen Vermittler des Großen Geistes, verpflichtet sich ein Stammesangehöriger dann im Namen seiner spirituellen Traditionen beziehungsweise der jeweiligen, spirituellen Linie seiner Ahnen.

Aber auch eine Gemeinschaft kann sich der Führung des Großen Geistes anvertrauen, was in der Regel durch verschiedene rituelle und zeremonielle Praktiken erfolgt, wie etwa dem Heiligen Sonnentanz. Auf welche Weise jedoch der Große Geist der Gemeinschaft oder dem Einzelnen eines indigenen Stammes erscheint oder in kommunikativen Austausch tritt, ist je nach indigener Kultur unterschiedlich. Denn unter den heute 70 Millionen Angehörigen indigener Traditionen, herrschen unterschiedliche Glaubensüberzeugungen darüber, wie die Menschheit vom Großen Geist beeinflusst wird und mit ihm in Wechselbeziehung steht.

Meist aber ähneln sich die vielen Geschichten, Gleichnisse und Fabeln, die das Wesen des Großen Geistes beschreiben. Hierzu sollen im Folgenden drei Vorbilder gegeben werden, die für viele Menschen unter den indigenen Kulturen Amerikas von Bedeutung sind.

Wakan Tanka

Die heilige Kraft dessen, was durch den Großen Geist wirkt, beschreiben die Angehörigen der Lakota als Wakan Tanka. Diese Kraft ist allgegenwärtig und durchdringt das gesamte Universum. Dabei stehen die Wörter »Wakan« für das Heilige und »Tanka« für die große Kraft.

Seit Urzeiten gilt den Lakota diese heilige Große Kraft, als Überbegriff für eine ganze Gruppe heiliger Wesenheiten, deren Wege jedoch als geheimnisvoll angesehen werden, jenseits allen menschlichen Verstehens. Das könnte durchaus als Hinweis gedeutet werden, dass wie auch einst in Mesopotamien und dem alten Europa, aus einem Vielgötterglauben ein Monotheismus wurde, der dann eben als das Große Geheimnis bezeichnet, jedes Erklärungsversuchs entbehrt.

Manitu

So wie die Irokesen, nehmen auch die Algonquin den Großen Geist wahr, als geistige und grundlegende Lebenskraft, die sie »Manitu« nennen. Wie auch Wakan Tanka, sehen sie in Manitu eine allgegenwärtige Kraft, die sich in allen Dingen manifestiert, in allen Organismen der Natur, wie auch im Menschen mit den sich in seinem Leben ereignenden Vorgängen.

Die Manifestation des Manitu geht jedoch auch einher mit der Vorstellung eines großen Dualismus, wo alles Seiende der Wirkungen von Gut und Böse unterliegt. Da ist die Rede von Aasha Monetu, dem »Guten Geist« und Otshee Monetu, dem »Schlechten Geist«. Der Legende nach gab der Gute Geist, Aasha Monetu, den indigenen Völkern ihr Land, als die Welt erschaffen wurde. So erzählt es das Indianervolk der Shawnee.

Gitche Manitu

In der indigenen Kultur der Anischinaabe-Kultur, Stammes-Abkömmlingen der Cree und eines der heute größten Indianervölker Nordamerikas, ist die Rede von Gitche Manitu, der als Schöpfer aller Dinge und allen Lebens angesehen wird und als das Große Geheimnis im Universum wirkt.

Wie auch die Lakota, glaubten die Anishinaabe einst an eine Vielzahl von Geistern und Gottheiten. Ihre heiligen Bildnisse platzierten sie zum Schutz in der Nähe von Türen und Eingängen. Diese Gottwesenheiten aber stammen laut Legende, alle aus dem Land von Michilimackinac, das der Insel Mackinac im amerikanischen Bundesstaat Michigan entspricht. Auch heute noch pilgern Angehörige der Anischinaabe-Stämme zu Ritualen auf diese Insel, die sie dort dem Großen Geist Gitche Manitu widmen. Wer seine Seele da mit dem Großen Geist zu verbinden sucht, dem hilft Gitche Ojichaag, der sich in seiner Rolle als göttliches Mittlerwesen, gewiss mit dem Heiligen Geist christlicher Vorstellung vergleichen ließe.

 

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Freundeskreis der Edition Ewige Weisheit

Innere Weisheiten vermitteln - Spirituelle Erfahrungen teilen: Gemeinsam.

Riesige, immer neue Wogen an Informationen münden heute mehr und mehr ins Uferlose. Nur sehr wenig davon verdient als wahres Wissen gewertet zu werden.

Wer aber in Berührung kam mit innerer Welterkenntnis, der vermag auch, jenseits dieser gegenwärtigen Informations-Krise, neue Wege zu entdecken, die ihn zu wahren Weisheiten führen können.

Was man heute Wissen nennt, hat mit Weisheit doch nur wenig zu tun. Eher vergrößert vieles davon die Probleme unseres Daseins, im Informations-Strudel einer sich ständig verändernden Welt der Moderne.

Das, woraus sich unser alltägliches Wissen ursprünglich bildete, geht zurück auf ein inneres, ein esoterisches Wissen, das sich als Urwissen der Menschheit bezeichnen ließe. Vielen Menschen der Gegenwart aber ist nicht bewusst, dass so etwas überhaupt existiert – oder – sie solch Wissen nur oberflächlich betrachtet, als unwichtig einschätzen.

Wer jedoch von dem Urwissen der Ewigen Weisheitstraditionen der Welt erfährt, dem dürfte sich auch der Sinn unseres Daseins allmählich entfalten.

In solch universalem Bewusstsein, für eine allem Wissen zugrunde liegenden Urtradition, können wir entsprechend handeln und unsere gemeinsame Zukunft verantwortungsvoll bewältigen.

Das Ziel des Freundeskreises

Das Wirken des Freundeskreises prägt ein zentrales Ziel: Die traditionellen Weisheitslehren aus West und Ost stärker mit ihrem gesellschaftlichen Umfeld, im deutschsprachigen Raum zu verbinden – durch Bildungsarbeit und die ideelle Unterstützung von Menschen in Ihrer Bewusstseinsfindung.

Er trägt dazu bei, die geistigen und kulturellen Werte, einer allen spirituellen Traditionen zu Grunde liegenden Weisheit, zu fördern und zu verbreiten. Diese Weisheit nahm ihren Ursprung in den alten Menschheitskulturen. In ihr spiegeln sich bis heute die Wesensmerkmale eines inneren Wissens der Menschheit.

Dazu zählen die Weisheiten und Erkenntnisse aus der Hermetik, der Alchemie, der Kabbala, des Neuplatonismus, der Gnosis, der christlichen Mystik,  des Sufismus, des Vedanta, des Taoismus, des Schamanismus und der Traditionen indigener Spiritualität.

Die damit zusammenhängenden Überlieferungen führen den Einzelnen an die Tore höherer Bewusstheit für das, was in ihm verborgen ist, doch erkannt werden will.

Aus der im Freundeskreis erfolgenden Zusammenarbeit, soll im Jahr 2022 eine Stiftung hervorgehen, die Menschen im deutschsprachigen Raum ermöglicht, Freundschaften zu schließen, im Bewusstsein eines gemeinschaftlichen Ursprungs der traditionellen Weisheitslehren der Menschheit.

Diese Stiftung will Orte auf Erden schaffen, die spirituelle Zufluchtsstätten für all jene bereitstellen, die sich dem Trubel der modernen Welt des Alltags entziehen möchten – mit dem Zweck, einen kraftvollen Strang im tief verwurzelten Urwissen der Menschheit für sich zutage zu fördern.

Die Arbeit des Freundeskreises

Das, was aus der Wiege unserer Menschheitskultur, sich als spiritueller Impuls so kraftvoll in Bewegung setzte, um sich auf der Erde auszubreiten, will der Freundeskreis Menschen unserer Gesellschaft vermitteln, die die wesentlichen Weisheitslehren oben genannter Traditionen zu erfahren wünschen.

Es ist im Sinne des Freundeskreises der Edition Ewige Weisheit, wegen einer scheinbar überall aufdämmernden Zeitenwende, möglichst vielen Menschen das nahe zu bringen, was das innere Wissen der Kulturen in West und Ost zu tragen vermag – im Leben des Einzelnen, wie auch im Zusammenleben der Menschen untereinander.

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Ursprung von Krankheit und Medizin gemäß den Überlieferungen der Cherokee-Schamanen

von S. Levent Oezkan

Cherokee - ewigeweisheit.de

In alter Zeit konnten alle Vierbeiner, Vögel, Fische und Insekten sprechen, so dass sie die Menschen verstanden. Damals waren sie mit den Tieren verbrüdert. Im Laufe der Zeit aber vermehrten sich die Menschen so rapide, dass sie die ganze Erde besiedelten. Immer weniger Land blieb den Tieren. Die Menschen hatten Waffen erfunden und verdrängten die Tiere damit immer weiter.

Hinzu kam, dass die Menschen Pfeil und Bogen, Messer, Blasrohre und Speere erfanden und damit begannen die Tiere wegen ihrer Häute und Felle hinzumetzeln. Kleinere Tiere wie Frösche oder Würmer wurden aus reiner Unachtsamkeit totgetreten.

Darum beschlossen die Tiere gegen die Menschen vorzugehen, um für die Sicherheit ihrer Nachkommen zu sorgen.

Der Rat der Bären

Die Bären gründeten unter dem Vorsitz von Alter Weißer Bär einen heiligen Rat auf dem Berg Clingman's Dome in den Smoky-Mountains.

Man beklagte damals dass die Menschen ihre befreundeten Tiere mordeten, ihr Fleisch verschlangen und ihre Häute missbrauchten, um sich damit selbst zu bekleiden.

Nachdem alle Bären ihren Unmut darüber geäußert hatten, beschloss man einstimmig in den Krieg gegen das Menschengeschlecht zu ziehen.

Zuerst versuchten sie die selben Waffen herzustellen, wie sie auch die Menschen verwendeten. Doch sie sahen, dass diese Waffen nicht für sie geeignet waren. Die Bären begriffen gleich dass sie nur mit den eigenen Klauen und Reißzähnen die Menschen an ihrer weiteren Ausbreitung hindern konnten.

Alter Weißer Bär löste die Versammlung auf und die Bären liefen auseinander, zurück in ihre Jagdgründe der großen Wälder. Leider aber hatten sie nicht beschlossen, wie sie letztendlich gegen die Menschen vorgehen könnten. Hätten die Bären aber einen anderen Beschluss gefasst, wären die Menschen von nun an in Gefahr gewesen. Doch wie es scheint ahnte davon kein Mensch. Weiter wurden die Bären ermordet, ohne sie um Gnade zu bitten.

Der Rat der Hirsche

Als Nächstes versammelten sich die Hirsche, unter Vorsitz ihres Häuptlings Kleiner Hirsch. Er war schnell wie der Wind und keine der Waffen der Menschen konnte ihn verwunden.

Nachdem sich die Hirsche versammelt und beraten hatten kamen sie zu einem Beschluss: jeder Jäger der bei einem gejagten Tier nicht um Verzeihung bitten würde, ihn solle schlimmes Rheuma plagen. Hierzu entsandte der Rat der Hirsche jemanden, der die Menschen der nahegelegenen Indianersiedlung über ihren Beschluss unterrichtete:

Wann immer einer von euch einen der Hirsche töten muss, soll er danach den Geist des Getöteten um Sanftmut bitten. Nur so kann er sich mit dem Stamm der Hirsche wieder aussöhnen.

Wenn nun also ein indianischer Jäger einen Hirsch erlegte, sprang Kleiner Hirsch an jenen Ort, wo der Mensch Blut vergoss. Dort fragte er den Geist des Hirsches, ob sich der Jäger in einem Gebet beim erlegten Hirsch entschuldigte. War die Antwort des Tiergeists ein Ja, war alles in Ordnung und Kleiner Hirsch zog seines Weges. Wenn sich der Jäger aber undankbar entfernte, so verfolgte Kleiner Hirsch die Blutspur, bis er das Lager des Jägers fand. Als unsichtbarer Geist näherte er sich dann dem Menschen und schlug jenen gleichgültigen Jäger mit schlimmem Rheuma, sogar so leidig, dass dieser danach zu einem hilflosen Krüppel verkümmerte.

Ein kluger Jäger dem an seiner Gesundheit liegt, wird darum natürlich das gejagte Wild um Vergebung bitten. Doch es gibt manche, die das rechte Vergebungsritual nie geübt oder gelernt haben. Sie versuchen die Heimsuchung von Kleiner Hirsch damit zu umgehen, dass sie ihre Spur hinter sich durch Feuer beseitigen.

Der Rat der Fische und Reptilien

Als nächstes versammelten sich die Fische und Reptilien. Auch sie grollten gegen das Menschengeschlecht.

In ihrem Rat beschlossen sie, ihren Opfern schlimme Alpträume einzugeben. Nachts sollten in ihren Träumen Schlangen erscheinen, die an ihren Körpern entlangkriechen und sich nach und nach um ihre Glieder winden. Dann fänden sie sich in übelriechenden, schleimigen Pferchen eingeengt, wo man sie zwingt fauligen Fisch zu essen. Wer aber aus solch einem Alptraum erwachte, der würde seinen Appetit verlieren, allmählich krank werden und schließlich sterben.

Darum verschworen sich die Schlangen und Fische, den Menschen diese Alpträume durch die Magie ihrer bösen Geister einzugeben.

Der Rat der kleinen Tiere

Schließlich versammelten sich die Vögel, Insekten und andere kleine Tiere, darunter Frösche, Würmer und Käfer. Auch sie berieten sich aus ähnlichem Grund wie die Bären, Hirsche, Fische und Schlangen. Ihr Vorsteher war die Käferlarve.

Jeder der Anwesenden sollte nun seine Ansichten über die Menschen vortragen und entscheiden, ob man sie als Schuldige ansähe. Sieben stimmten den Menschen zu verurteilen. Wegen seiner Grausamkeit und Ungerechtigkeit gegen die anderen Tiere, sollten die Menschen mit dem Tode bestraft werden.

Zuerst sprach der Frosch:

Wir müssen dafür sorgen, etwas gegen die weitere Zunahme der menschlichen Bevölkerung zu tun. Denn wenn wir ihr keinen Einhalt gebieten, werden wir Tiere gänzlich von dieser Erde verdrängt. Der Mensch sagt, ich sei hässlich - und er tritt nach mir darum. Seht nur die Narben auf meinem Rücken.

Da zeigte er den Anwesenden seine Verletzungen.

Als nächstes trat der Vogel vor die Versammlung und sprach:

Der Mensch reißt mir das Gefieder vom Leibe und verbrennt mir die Zehen. Ein Jäger erschießt meine Artgenossen, spießt sie auf und brät sie über dem Feuer.

Auch andere Tiere stimmten dem zu.

Nur das Murmeltier hatte weniger kritische Worte für den Menschen übrig. Denn nur selten würde es der Mensch verletzen oder gar töten, denn es ist so klein, dass er an ihm kein Interesse hat. Das aber machte die anderen Tiere der Versammlung so wütend, dass sie über das Murmeltier herfielen und es mit ihren Zähnen und Klauen verstümmelten, damit es auch einen vernarbten Rücken bekomme.

Nun schmiedeten die Teilnehmer der Versammlung einen Plan. Jeder nannte eine Krankheit, die dem Menschen schaden und ihn töten solle. Jede neue Krankheit die eines der Tiere erfand wurde von der Käferlarve bejubelt. Die Liste der Krankheiten wurde immer länger und länger, bis eines der Tiere vorschlug, es sollten die Menstruationen der Menschenfrauen gelegentlich tödlich verlaufen. Damit aber war die Liste der Krankheiten beendet. Denn die Vorsteherin der Versammlung, die Käferlarve, war darüber so sehr entzückt, dass sie vor Dank aufsprang und schrie:

Ich bin so froh darüber das manche von ihnen sterben werden, denn manche von ihnen werden so fett, dass sie einfach auf mir herumtrampeln.

Doch da begann die Käferlarve zu taumeln und fiel Kopf über um und schaffte nicht mehr sich wieder aufzurichten. Von da an musste sie sich auf ihrem Bauch kriechen.

Damit scheiterte der Plan der Tiere, ihrer Liste immer neue Krankheiten hinzuzufügen. Wäre das nämlich geschehen, hätte es wohl die gesamte Menschheit ausgerottet.

Als die Pflanzen den Menschen zu Hilfe kamen

Die Pflanzen waren den Menschen gut gesonnen. Als sie von den üblen Machenschaften der Tiere erfuhren, beschlossen sie den Menschen zu helfen. Jeder Baum, Busch und jedes Kraut, selbst Gräser und Mose, beschlossen sich für einige der genannten Krankheiten, als Heilmittel zur Verfügung zu stellen.

Ich sollte dem Menschen eine Helferin sein, wenn er mich in seiner Not in Anspruch nehmen möchte.

So entstanden Heilkunde und Medizin. Jede der Pflanzen aber hat eine Verwendung für alle die Kenntnis ihrer Heilkräfte besitzen. Sie können sie als Heilmittel gegen den teuflischen Pakt der rachsüchtigen Tiere verwenden.

Selbst wenn ein Heiler nicht genau weiß wie er einen Kranken behandeln soll, kann er den Pflanzengeist anrufen, der ihm ein angemessenes pflanzliches Heilmittel zeigt.

 

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Peyote: ein spirituelles Heilmittel

von S. Levent Oezkan

Peyote - ewigeweisheit.de

Wissenschaftler bestätigen: den Peyote-Kaktus verwenden die Schamanen Amerikas seit mindestens 10000 Jahren, als höher-spirituell wirkende Medizin. Im Süden des amerikanischen Bundesstaates Texas etwa, fand man Überreste von Peyote-Zeremonien, die auf etwa 3700 v. Chr. zurückreichen. Darauf verweisen eigenartige Skulpturen, wie man sie etwa in den Höhlen von Shumla fand, in der Nähe des Rio Grande.

Eigenartig an dieser Kaktee ist, dass sie nur im Süden von Texas und Norden Mexikos verbreitet ist, so dass sie ursprünglich nur von den dort lebenden indigenen Kulturen als Kraftpflanze verwendet wurde. Erst Anfang des 16. Jhd. verboten katholische Geistliche der einheimischen Bevölkerung den Konsum des Peyote. Man drang die Einheimischen zum Alkoholkonsum (Tequila), der weiter legal blieb, während man den Peyote-Kult als reinen Aberglauben oder sogar schwarze Magie abstempelte.

Gegen Ende des 18. Jhd. begann sich der Kult erneut zu verbreiten und drang auch weiter in die Vereinigten Staaten vor. Indianische Weise, wie etwa der Comanchenhäuptling Quanah Parker, involvierten im 19. Jhd. christliche Aspekte in den historischen Peyote-Kult. Parker soll bei einer schweren Verletzung und der Einnahme des Peyote, eine Vision von Jesus Christus gehabt haben.

Quanah Parker gilt als Begründer der Native American Church, der Religion des Peyote-Kults (auch: Peyotismus), der bis heute in den USA unter indigenen Völkern, die am weitesten verbreitete Religion ist.

Anfang des 20. Jhd. gab es in den USA und Mexiko wahrscheinlich zehntausende Angehörige dieser neuen Peyote-Religion. Wegen der besonderen Entwicklung des Kults, entstand 1927 eine erste ausführliche Studie zu dem im Peyote enthaltenden Alkaloid Meskalin, durch den deutschen Neurologen, Psychiater und Psychonauten Kurt Beringer (1893-1949) - einem Pionier der Drogenforschung.

In den folgenden Jahren gab es eine ganze Reihe neuer Studien und Selbstversuche, von Medizinern und Psychiatern, insbesondere in den USA. Selbst die amerikanische Marine (US-Navy) beteiligte sich nach dem Zweiten Weltkrieg an dieser Forschung, unter dem Decknamen "Project Chatter" (1947).

Vom Wesen der Peyote-Zeremonie

In alter Zeit sprach ein Medizinmann ein Gebet und führte danach die Teilnehmer in das Wesen des Peyote-Kults ein. Man sang gemeinsam das Peyote-Lied. Diese Zeremonie wurde von Trommeln begleitet. Nach einer weiteren kurzen Ansprache, gab der Zeremonienmeister seine Trommel und Insignien an einen Assistenten zu seiner Rechten.

Nun sang jener ein anderes Peyote-Lied und sprach danach zu den anderen Teilnehmern. Dieser gab Trommel und Ornate dann an einen Dritten zu seiner Rechten, jener an einen Vierten und so setzte sich die Zeremonie fort. War der letzte schließlich mit seiner Ansprache fertig, gab er alles an den Medizinmann zurück.

Diese zeremonielle Handlung des wiederholten Übergebens der heiligen Insignien, heiligen Gesänge und Ansprachen, wird die bis um Mitternacht vollzogen. Ab Mitternacht dann, beginnt der Geist des Peyote in den Teilnehmern zu wirken. Jeder von ihnen spricht dann über seine Unterlassungen und Fehler, klagt sich vor den anderen selbst an. Doch danach geht man aufeinander zu, bittet um Vergebung und gibt sich die Hände.

Quanah Parker - ewigeweisheit.de

Quanah Parker (nach 1840-1911): Comanchen-Häuptling und legendärer Begründer der Native American Church.

Bericht eines Peyote-Essers

Um Mitternacht aßen wir vom Peyote. Doch ich bekam riesige Angst als ich plötzlich fühlte, wie etwas Lebendiges in mich eindrang.

Ich fragte mich, was in der Welt mich dazu veranlasst hatte tatsächlich vom Peyote zu essen. Denn mit einem Mal wusste ich, dass ich von einer vielleicht tödlichen Droge gegessen hatte. Sicher würde es mir schaden, dachte ich. Konnte ich es nicht erbrechen, so dass das Gift des Peyote aus mir trat? Ich versuchte also mich zu übergeben. Doch nach ein paar Versuchen gab ich auf. Erst war ich ganz versessen darauf und setzte alles daran, an dieser Peyote-Zeremonie teilzunehmen. Doch jetzt hatte ich mich vergiftet und wusste, dass es mir einfach nur schaden würde.

Was ging hier bloß vor sich? Es war doch nur dieses eine Stück Kaktus das ich aß. Jetzt aber, wo es sich in meinem Magen befindet, scheint es lebendig geworden zu sein und bewegt sich innerhalb meines Bauches.

Ich hatte Angst - schreckliche Angst. Wären doch nur meine Lieben bei mir! Dann wüssten sie, was mit mir los ist und ich wäre nicht so verloren wie jetzt: ich habe mich selbst getötet!

Was aber nun passierte war noch unheimlicher, denn das, was sich zuvor in meinem Magen bewegte, schien nun herauskommen zu wollen. Nein, bitte nicht! Es war schon fast draußen und ich fühlte entsetzt mit meiner Hand nach dem Etwas. Dann aber schien es wieder umzukehren.

Wieso nur, fragte ich mich erneut, hatte ich bloß davon gegessen? Besser ich hätte es nie eingenommen. Jetzt war ich mir sicher, ich würde sterben. Und so ging es weiter bis zum Morgengrauen. Als die Sonne schon hoch über dem Horizont stand, sahen ich und die anderen Teilnehmer uns an und begannen zu lachen. Doch während der nächtlichen Peyote-Erfahrung, war wirklich überhaupt nicht danach zu Mute.

Die zweite Nacht

Trotz dass ich in der vergangenen Nacht vollkommen sicher war, dass ich einen Fehler begangen hatte, aßen wir am folgenden Abend wieder von dem magischen Kaktus. Jeder von uns kaute sieben Stücke Peyote.

Und da: Plötzlich war ich eine riesige Schlange. Ungaublich war meine Bestürzung darüber. Was alles noch schlimmer machte, war eine andere Schlange, die plötzlich mit ihrer schuppigen Haut über meinen Rücken glitt. Keine Ahung was sich da abspielte. Es schien mir etwas im Nacken zu sitzen. Als ich mich erkundigend umwand, um zu sehen was sich auf meinem Rücken befindet, sah ich plötzlich ein gigantisches Reptil, das drauf und dran war mich zu verschlingen. Doch es war kein mir bekanntes Reptil, sondern glich eher einem Drachen, denn es hatte Arme und Beine. Sein Schwanz aber glich einem langen Speer. 

Wieder überkam mich schreckliche Todesangst. Dann schaute ich in eine andere Richtung. Da war ein gehörnter Mann mit langen Klauen, der in seiner Hand einen Speer hielt. Er sprang vor mich hin, doch vor Schreck warf ich mich zu Boden, so dass mich sein Speer knapp verfehlte. Als ich mich umsah, warf er erneut seinen Speer auf mich, doch wieder sprang ich zur Seite. Bei all dem Graus, schien es für mich aber keinen Ausweg zu geben.

Plötzlich wurde mir klar, dass all das was ich gerade erfuhr, durch den Peyote verursacht wurde. Drum schrie ich um Hilfe, bat dabei sogar den Peyote selbst. Ich wusste er war heilig und würde meine Rufe erhören. Dann plötzlich endeten die schrecklichen Visionen und meine grausamen Leiden fanden ein Ende.

Nun aber wusste ich, dass ich im Peyote einen Verbündeten gefunden hatte: Ein helfendes Wesen voller Kraft und Heilung.

Diese Erfahrung war durch und durch positiv, ja eigentlich heilig. Sie hielt an für einen ganzen Tag und eine ganze Nacht, in der ich nicht schlief.

Die dritte Nacht

Der Tag war bereits angebrochen. Wir frühstückten. Am Abend aber aß ich erneut acht Stücke Peyote.

Um Mitternacht erlebte ich etwas Außergewöhliches: mir war, als ahnte ich was Gott wirklich sei. Mir schien als spürte ich seine Gegenwart und betete darum um Hilfe und um Wissen. Ich fleht ihn an, er möge mir helfen keine bösen Taten mehr zu begehen. Bat ich aber eigentlich den eingenommenen Peyote um Hilfe?

Die Pflanze in mir fühlte sich an wie ein Ahne. Der Peyote war wie ein lieber Großvater für mich, dem ich voll und ganz vertraute. Ihn bat ich um Hilfe, denn ich wollte verstehen was die Welt und was Gott ist.

Danach saß ich ruhig da und verfolgte das morgendliche Spektakel der rötlichen Dämmerung. Da sah ich den Morgenstern leuchten und genoss seine himmlische Erscheinung. Sein Licht tat mir gut.

Während ich mich Nachts fürchtete, fühlte ich mich nun vollkommen selig. Als der Tag anbrach befand ich mich in einem Zustand vollkommener Klarheit. Nichts schien sich vor meinem alles durchdingenden Blick verbergen zu können. Ich konnte gar in weite Ferne blicken. Da sah ich das Haus in dem ich lebte. Obwohl es so weit weg war, konnte ich es direkt vor mir stehen sehen. Am Fenster spielten meine Kinder. Plötzlich aber erschien da ein Fremder. Es war ein Trunkenbold. Er machte auch meine Familie trunken und belästigte sie. Dann aber rannte er fort und ich dachte nur, dass es eben das sei, was sie mit uns Menschen taten: sie machten uns zu verschlafenen Trunkenbolden, die Ausflüchte im Leben suchen mussten, um sich selbst in dieser Welt zu ertragen.
Jetzt erblickte ich meine Frau. Sie stand vor mir, gehüllt in ein rotes Tuch. Es schien als müsse sie eine Entscheidung treffen.

Doch eigentlich ging es Allen gut - meinem Bruder, meiner Schwester und auch meinen Eltern. Das gab mir ein Gefühl tiefer Zufriedenheit.

So also wusste ich, dass mein Peyote-Großvater es gut mit mir meinte. Er war eben eine heilige Pflanze, der ich mich ganz und gar hinzugeben traute.

Während all der Jahre die ich auf der Erde wandle, wusste ich eigentlich nie, was das Wort "heilig" eigentlich bedeutet. Drei Tage und Nächte aß ich vom Peyote und ebenso lange schlief ich nicht. Jetzt aber verstand ich zum ersten Mal das Unaussprechliche und worauf das Wort "heilig" eigentlich hindeutet.

Peyote-Trommler - ewigeweisheit.de

Foto eines Peyote-Trommlers von Edward Sheriff Curtis (1868-1952) (cc).

Was ein Peyote-Ritual bewirken kann

Peyote-Zeremonien haben einen ganz klaren Zweck: Jemand der die Pflanze einnimmt, öffnet sich seiner inneren, höheren Geistigkeit. Ihm wird klar, dass er über viel größere Kräfte verfügt, als er eigentlich glaubte. Damit wächst er quasi über sein bisheriges Selbst hinaus. Denn durch die Peyote-Erfahrung leuchtet das Licht einer höheren Wahrnehmungm jene Begrenzungen des Peyote-Initianden aus, die ihm in seinem Leben im Weg stehen. Es kommt auch vor, so zumindest berichten Peyote-Esser, dass das, was jemanden im Leben in seinem Denken behindert, dabei sogar sofort aus dem Weg geschafft wird.

Jemand der Peyote einnimmt lernt, wie seine negativen Einstellungen auf sein gesamtes Leben einen Schatten werfen. Dabei geht es aber gar nicht einmal darum, sich von sich selbst zu entfernen. Vielmehr versucht der Peyote-Esser das sich der Geist des Kaktus, mit den eigenen, angeborenen geistigen Fähigkeiten vermengt. Dies geschieht in einem fließenden Vorgang, der in etwa zwei Schlangen gleicht, die sich um einander winden. Die Weisheit die dabei erfahren wird ist aber keine Kopfsache, sondern wird als tiefer Frieden im Herzen empfunden.

Nie aber scheint sich die Welt weiter entfernt zu haben von diesem inneren Frieden, als heute. Unter Geistigkeit nämlich versteht man alleine die Fähigkeiten des Gehirns, während diese Herzensverbindung die meisten Menschen anscheinend verloren haben. Doch genau dort im Herzen wartet jene große geistige Seeligkeit erweckt zu werden.

Kopfdenken ist von unserem Ego gesteuert. Das Herzdenken aber von unserem höheren Selbst. Unserer Ängste und unser häufiges Unbehagen in bestimmten Lebenssituationen, basiert in Wirklichkeit auf mangelhaftem Wissen über die eigenen, höheren Fähigkeiten. Nur darum neigen wir dazu, nach Ersatzbefriedigungen zu suchen. Doch wie jeder weiß, sind das nur Ausflüchte, die schon bald durch neue oder häufigere Ausflüchte kompensiert werden wollen. Das Loch dass wir so aber in uns immer mehr ausweiten, lässt sich irgendwann einfach nicht mehr füllen.

Die Frustration aller unbewusst lebenden Menschen, die nach irgendwelchen, nicht (mehr) erfüllbaren Sehnsüchten lechzen, hat sich aufaddiert zu einer weltweit verbreiteten Krankheit zerstörender Schlagkraft. Je mehr Menschen aber aus ihrem Alltagsschlaf erwachen, desto wahrscheinlicher ist, dass dieser globale Alptraum ein Ende findet.

 

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Das indianische Medizinrad: Symbol der Unversehrtheit

von S. Levent Oezkan

Medizinrad - ewigeweisheit.de

Die Symbolelemente des Medizinrades verbinden die essentiellen Wesensmerkmale von Himmel, Mensch und Erde. Aus den vielschichtigen Bedeutungen dieses heiligen Zeichens, lassen sich die Einflüsse der Himmelsbewegungen ebenso ablesen, wie auch die Effekte ganzheitlicher Heilweisen. So beschreibt das Medizinrad, als Symbol indianischer Religion, die Eigenarten der Stammesrituale und der Lebensführung eines jeden Menschen.

Die makrokosmische Bedeutung dieses Symbols, stellt das religiöse Wesen menschlichen Zusammenlebens dar, im Einklang mit der Natur, Erde und Himmel. In seiner mikrokosmischen Bedeutung, erklärt es die Harmonie der Lebensaspekte im Individuum.

Das Wort "Medizin" im Namen aber, erstreckt sich über einen weiteren Bedeutungshorizont, als wofür wir es in unserer Sprache verwenden. Im Medizinrad nämlich verbirgt sich ein tiefgehendes System, dass im Kontext innerer Spiritualität gesehen werden muss. Das heißt, es hilft nicht allein dem Menschen bei Heilungsvorgängen, sondern führt jemanden zu erleuchtenden Erkenntnissen und Erfahrungen.

Im Folgenden wollen wir uns zuerst mit den äußeren, himmlisch-irdischen Aspekten des Medizinrades befassen, wie später dann mit den in ihm symbolisierten, inneren, menschlichen Aspekten.

Awwakkulé: Die magischen Menschen des Kleinen Volkes

Zu Ehren des Sonnengottes, begingen die amerikanischen Ureinwohner ihre Jahresfeste. Im Mittsommer fand der heilige Sonnentanz statt, an dem neue Initianden in die Geheimnisse der Medizinrades eingeweiht wurden. Das Wissen zur Durchführung dieser Initiationsriten aber, erhielten die Medizinmänner und Häuptlinge von sagenhaften Menschenwesen: den Awwakkulé. So nennt man in der Sprache der Crow, das geheimnisvolle "Kleine Volk". In verschiedenen mündlichen Traditionen werden sie als elfenartige, zwergwüchsige Menschen beschrieben.

Lange bevor die europäischen Invasoren auf den amerikanischen Kontinent kamen, erzählten sich die Arapaho, die Lakota-Sioux, die Cheyenne und die Crow, Legenden von diesem sagenhaften Kleinen Volk. Sie, so heißt es, waren Heiler mit magischen Fähigkeiten, die über eine besondere Medizin verfügten.

Zwergenmumie von San Pedro

Die Zwergmumie von San Pedro: Einst Magierin der Awwakkulé?

Begegnungen mit den Geistzwergen

Ist die Legende von den Awwakkulé aber nichts als nur ein indianisches Märchen?
Archäologische Funde weisen anscheinend auf das Gegenteil hin: 1932 stießen Goldgräber, auf eine sehr gut erhaltene, etwa 40 cm große Mumie einer Frau, die einst Mitglied dieses sagenhaften Volkes war. Man fand den kunstvoll mumifizierten Körper in einer Höhle, in den Bergen von San Pedro, im amerikanischen Bundesstaat Wyoming.

Jenen außergewöhnlichen Menschen, begegneten Anfang des 19. Jhd. aber auch Forscher einer Expedition. Auf ihrer Reise in den Westen der heutigen USA, im Jahre 1804, trafen die Offiziere Meriwether Lewis und William Clark, Angehörige des Kleinen Volkes in der Nähe eines heiligen Ortes: dem Medizinberg. Wie Lewis in seinem Tagebuch vermerkte, waren die Menschen etwa 45 cm groß, trugen riesige Köpfe auf kurzen Hälsen. Ihre kleinen Körper hatten runde Bäuche, doch ihre Arme und Beine waren außergewöhnlich muskulös. Daher die Redewendung der Crow, jemand sei "stark wie ein Zwerg".

Diese eigenartigen Zwerge beobachteten die Eindringlinge sehr genau, waren jene doch auf dem Weg, in eigentlich ihr Territorium, worin sich der heilige Medizinberg befindet. Jeden aber der sich diesem heiligen Ort zu nähern versuchte, töteten sie mit giftigem Pfeil. Das klingt recht märchenhaft, scheint aber weit mehr als eine Legende zu sein. Lewis vermerkte in seinem Tagebuch nämlich, dass die Angehörigen der Stämme der Omaha, Otoe und Lakota-Sioux, das Kleine Volk aus Angst mieden und sich überhaupt nicht erst in die Region des Medizinberges bewegten. So erzählt etwa eine Lakota-Sioux-Legende, wie einst hunderte Krieger wegen des Kleinen Volkes ihr Leben verloren, als sie versuchten sich dem Berg-Heiligtum zu nähern.

In den Volkssagen der Crow sind die Angehörigen des Kleinen Volkes, Menschen mit magischen Heilfähigkeiten. Jedes Jahr brachten darum die Crow, dem Kleinen Volk Opfergaben dar, um sie milde zu stimmen. Man wusste nämlich, dass die Menschen des Kleinen Volkes, Segnungen auf einen Günstling der Crow übertragen und ihn in die Gesetze der spirituellen Welt einweihen konnten. Darum also begaben sich Stammesmitglieder der Crow dennoch in dieses Gebiet, wo sich ein steinernes Medizinrad befindet.

In den Höhlen unterhalb dieses Medizinrades, sollen schon seit mehr als 10.000 Jahren die Angehörigen des magischen Kleinen Volkes gelebt haben. Ihre unterirdische Wohnstatt war angeblich über einen Steinhaufen im Innern des Medizinrades zugänglich.

Vom geheimnisvollen Sinn der indianischen Steinkreise

Einer der ältesten Medizinrad-Steinkreise, befindet sich im kanadischen Majorville und ist archäologischer Schätzungen nach, mehr als 5.000 Jahre alt.
Wie bei diesem befinden sich im Zentrum aller anderen Medizinräder, aufgehäufte Felsbrocken. Diesen Mittelpunkt des Medizinrades umringen Steinkreise, die strahlenförmige Steinlegungen mit dem Zentrum verbinden.

Die alten Medizinräder wurden jedoch immer wieder nachkorrigiert, verschiebt sich der Punkt der Frühlingstagundnachtgleiche doch alle 72 Jahre um 1°. Das heißt, die horizontale Position des Sonnenaufgangs rückt ganz allmählich immer weiter nach Westen.

Auf Grundlage dieser und anderer astronomischer Fakten, erforschte man die Himmelsausrichtungen einiger Medizinräder Kanadas und der USA. Dabei fand man, dass der innere Steinhaufen, der Ausrichtung des Betrachters diente, über dem er den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende beobachten konnte. Die Speichen der Medizinräder halfen dem Betrachter dann, kurz vor Sonnenaufgang, bestimmte Sterne am Horizont zu sehen. Sie waren, wie wir im Folgenden sehen werden, wichtig für die Bestimmung sakral günstiger Zeitpunkte.

Astrotheologische Bedeutung des Medizinrades

Ein verblüffendes Detail liefert das Medizinrad von Bighorn, im amerikanischen Bundesstaat Wyoming. Dieses, wohl aus dem 13. Jhd. stammende Steinmonument, befindet sich nahe eines 3.000 m hohen Gipfels.

Gemäß indianischer Tradition begaben und begeben sich auch heute noch, die Stammesangehörigen zum Medizinberg, um an diesem heiligen Ort zu beten, Visionen zu empfangen und so mit ihren Ahnengeistern Verbindung aufzunehmen. Der Steinhaufen in der Mitte des Medizinrades, diente auch als Opferplatz. So lag dort auch der Totenschädel eines Büffels, in Richtung des Sonnenaufganges.

Medizinrad – ewigeweisheit.de

Alte Fotografie des Medizinrades

Wegen seiner Höhenlage, ist das Bighorn-Medizinrad nur in der Sommerzeit, um die Jahresmitte zugänglich. Das sind die windstillsten Monate mit den längsten Sonnenstunden. Den Rest des Jahres bedecken das Medizinrad Eis und Schnee. Dann ist dieser Ort unzugänglich.

In der warmen Phase des Jahres, konnte man dort, kurz vor Sonnenaufgang, bestimmte Sterne am Horizont aufgehen sehen. Die Ausrichtung der Linien des Medizinrades deuteten damals auf die Positionen von vier Sternen: Formalhaut, Aldebaran, Rigel und Sirius – vier der hellsten Sterne am Himmel.

Was wollten die alten Medizinmänner daran ablesen?

Genau 28 Tage vor der Sommersonnenwende, ereignete sich der heliakische Aufgang des Sternes Formalhaut (den Aufgang eines Sterns nennt man heliakisch, wenn er am Horizont erscheint, kurz bevor er vom Licht des Sonnenaufgangs überstrahlt wird). Sein morgendliches Aufleuchten war ein wichtiges, astronomisches Zeitmaß, denn wenn nach dieser 28-tägigen Periode, kurz vor Sonennaufgang, dann der Stern Aldebaran am Morgenhimmel, über dem Horizont flimmerte, wusste man: in Kürze findet die Sommersonnenwende statt.

Weitere Himmelsmarker waren dann, wiederum 28 Tage später, der heliakische Aufgang des Rigel und weitere 28 Tage später, das heliakische Erscheinen des Hundssterns Sirius. Entsprechend dieser Perioden, die also jeweils 28 Tage dauern, etwa einen lunaren Monat, erbaute man das Bighorn-Medizinrad mit seinen 28 Speichen. Diese Zeitabschnitte von jeweils 28 Tagen, markierten einen sakralen Zeitpunkt, der für die Riten der Crow von Bedeutung war: das Fest des Sonnentanzes.

Skizze des Medizinrades – ewigeweisheit.de

Skizze der Positionen des Medizinrades:
A = Aufgangspunkt Aldebaran, B = Aufgangspunkt Rigel, C = Aufgangspunkt Sirius, D = Aufgangspunkt Formalhaut, E = Standpunkt des Beobachters des Sonnenaufgangs zur Sommersonnenwende, F = Beobachtungspunkt der heliakischen Aufgänge der vier Sterne, G = Zentrum des Steinkreises

Der Sonnentanz

Kehren wir noch einmal zurück zu den sagenhaften Awwakkulé. Sie spielten im Glauben der Crow, eine ganz zentrale Rolle. Von ihnen bekamen sie das spirituelle System, dass hinter der Sonnentanz-Zeremonie steht. Und dieser sakrale Tanz, so die indianischen Weisen der Crow, gehört zu den ältesten Zeremonien der Menschheit.

Um den Sonnentanz zu feiern, baute man die sogenannten Sonnenzelte, deren Runddach 28 strahlenförmige Zeltbalken zusammenhielten – ebenso wie die 28 Steinstrahlen des Medizinrades. In dessen Mitte befand sich die zentrale Zeltstütze. Hieran banden sich die Teilnehmer fest. Dieser Stamm in der Mitt des Zeltes war ein Symbol für die Weltachse, über die die Erde mit der Welt des Himmlisch-Göttlichen verbunden ist. Die 28 strahlenförmigen Dachbalken, standen für den Zyklus von Licht und Finsternis, wie ihn der Mond reflektiert. Auch sind sie ein Abbild des heiligen Büffels, dessen Brust 28 Rippen zusammenhalten. Der Büffel bedeutete den Indianer in alter Zeit sehr viel. Er gab Nahrung und Kleidung, man stellte aus seinem Gerippe Werkzeuge und Geräte her. Aus Dankbarkeit dafür verehrte man die Seelen dieser heiligen Tiere, als Geistwesen, da sie den Indianern alles gaben, was sie zum Überleben benötigten.

Heilige Rituale im Sonnenzelt

Die Sonnenzelte nun, baute man zu Ehren der Awwakkulé. Eines der Ratsmitglieder des Sonnentanzes, war selbst Mitglied der sagenhaften Awwakkulé, durch das den Teilnehmern die Visionen und geistigen Einsichten übertragen wurden. Auch wer als bester Tänzer auserkoren wurde, oblag dem Ratsmitglied der Awwakkulé.

Diese Zeremonie aber wurde vor allem zur Sommersonnenwende gefeiert und dauerte 28 Tage lang, die man mit vier sehr intensiven Tagen des Rituals beschloss. Die darin ausgeführten Zeremonien ähnelten auch jenen anderer Stämme und waren begleitet von Tänzen, Gesängen und Trommelmusik. Man betete, meditierte und fastete.

Manche der Teilnehmer empfingen Visionen in das Geheimnis des Todes. Jene Initiationserfahrung aber war nur den Anwärtern der Krieger vorbehalten. Für die anderen Mitglieder bestand die Sonnentanz-Zeremonie überwiegend aus Gebeten, die man für sich oder einen Verwandten ausübte. Auf anderer Ebene, diente das Sonnentanzfest vor Allem der Sippe und der Erde.

Im Glauben der Crow hoffte man durch den Sonnentanz, regenerierende Himmelskräfte auf die Erde zu führen und damit das irdische Treiben, jedes Jahr zur Sommersonnenwende neu zu beleben – war das doch die Phase, in dem die Tage des Jahres wieder kürzer wurden und die Mächte des Todes wieder Einzug in das Leben von Mensch und Natur nehmen.

Indianischer Sonnentanz – ewigeweisheit.de

Indianischer Sonnentanz: ein wichtiger Bestandteil der Tradition des Medizinrades.

Eine äußerst schmerzhafte Einweihungszeremonie

Im Sonnentanz trafen die Stammesangehörigen zusammen, um ihren Glauben zu festigen. Der Sonnentanz hatte also eine spirituelle und auch soziale Bedeutung. Traditionell waren es Männer, die am Sonnentanz teilnahmen. Durch die besonderen Rituale des Sonnentanzes erkannten sie die Wesensbeschaffenheit des Universums und des Übernatürlichen.

Man erbrachte Opfer, teils durch besonders schmerzhafte Selbstkasteiungen, um sich dabei an die Todesgrenze zu führen. In einer so gesteigerten Trance, empfingen die Tänzer besondere Visionen, woraus sie Antworten auf ihre Lebensfragen erhielten. Sie durchstachen dazu ihre Haut an verschiedenen Stellen, durchzogen sie mit Schnüren und ließen sich daran aufhängen. Ziel dieser absichtlich herbeigeführten Schmerzerfahrung, war, das Leid der Frauen während der Geburt zu erleben. Man wollte so das Geheimnis des Blutes und des Schmerzes ergründen, ohne Krieg führen zu müssen.

Medizinrad der Lakota – ewigeweisheit.de

Das Medizinrad der Lakota-Sioux.

Das Medizinrad der Lakota-Sioux

Dieses Medizinrad bildet ein Kreis, der ein Kreuz umringt. Grundlegend stellt dieses Symbol den Erdkreis und die vier Himmelsrichtungen dar: Osten, Norden, Westen und Süden. Zwar stehen sich die Himmelsrichtungen gegenüber, wodurch sich das innere Kreuz bildet, doch seine Enden sind dennoch miteinander verbunden; dafür steht der äußere Kreis. Das also sind die vier Dimensionen des Medizinrades.

Würde man dieses Medizinrad horizontal legen, wiese der Kreuzungspunkte der Ost-West- und der Nord-Süd-Linien, nach oben und nach unten: die fünfte und sechste Dimension. Jene Kreuzung aber ist das Zentrum und bildet damit eine siebte Dimension. Das Medizinrad repräsentiert die Dimensionen, deren harmonisches Zusammenwirken sowohl Lebenszyklen, als auch die menschliche Gesundheit begünstigen:

  • Die vier Himmelsrichtungen,
  • das himmlische Prinzip des Vaters,
  • das irdische Prinzip der Mutter und
  • der Zauberbaum, als Symbol des Weltenpols.

Heilung mit dem Medizinrad: spirituell, psychisch, körperlich, emotional

Im Folgenden nun, wollen wir uns mit den vier ersten Dimensionen des Medizinrades befassen. Ihnen teilte man die vier Farben Gelb, Weiß, Schwarz und Rot zu. Sie stehen für die vier alten Kontinente in der Welt, die einst den Urkontinent Atlantis umgaben und heute bekannt sind unter den Namen Asien, Europa, Afrika und Amerika. Wäre die Welt heute vollkommenen, strebten die Menschen dieser Kontinente danach, sich miteinander zu verbinden. Unglücklicherweise, scheint das gegenwärtig jedoch nur schwer möglich zu sein.

Die Medizinmänner der Lakota-Sioux sagen, dass wir aus den vier Himmelsrichtungen heilige Gaben des großen Geistes (Gott) bekommen - in Form der vier Elemente Feuer, Wind, Wasser und Erde. Da nun jede dieser Himmelsachsen durch den Erdkreis miteinander verbunden sind, führen Ungleichgewichte im Süden (zum Beispiel Abholzung der Regenwälder, Störung des Erdelements) zu Ungleichgewichten im Norden (wie durch Stürme, sich als Störung des Windelements auswirkend). Und was sich im Großen abspielt, ähnelt auch dem, was im Leben eines Menschen vor sich geht: wer unter Depressionen leidet (Süden), dessen Denken (Norden) ist verwirrt.

Anmerkung:
Weiter unten im Text befindet sich eine Tabelle. Darin finden Sie die Zuordnungen der vier Himmelsrichtungen zu verschiedener Ebenen des Medizinrades. Wenn nun hinter einem Begriff oder Konzept, in Klammern eine Himmelsrichtung steht, soll Ihnen dass dabei helfen, in der Zuordnungstabelle Entsprechungen zu finden.

Das Wort Medizin im Namen dieses Symbols, steht für das menschliche Sein. Aus dem Osten strömt dem Menschen seine spirituelle Fähigkeit zu, aus dem Norden sein Intellekt, aus dem West seine Körperlichkeit und aus dem Süden seine Emotionen.

Kommt es zu einem Ungleichgewicht im Medizinrad, wird ein Mensch krank. Bei den Lakota-Sioux helfen die Medizinmänner, diese Disharmonien auszugleichen und beherrschen die große Fähigkeit, alle vier Aspekte im Gesamtzusammenhang zu betrachten und Menschen zu helfen wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Sie "entfernen" keine Krankheiten, wie es in der modernen Medizin der Fall ist, sondern helfen dem Betroffenen, seinen Symptomen entsprechend, sich aus sich selbst heraus zu heilen. So spielt der Kranke seine eigene Rolle im Heilungsprozess.

Noch immer versucht die moderne Medizin, diese verschiedenen Dimensionen menschlichen Daseins, voneinander zu trennen. Der Mensch aber steht eigentlich im Zentrum des Medizinrades und ist für die Wirkungen, die ihm aus den vier Himmelsrichtungen zuströmen, selbst verantwortlich. Dennoch glauben die meisten, dass sich andere um diese göttlichen Gaben kümmern müssen. Sie brauchen dann einen Priester oder Guru, der ihnen ihre Spiritualität (Osten) liefern soll. Das heißt natürlich nicht, dass wir nicht durch einen spirituellen Lehrer schneller ans Ziel kämen, als alleine. Eher soll auf die Passivität vieler Menschen hingewiesen werden, die vollkommen von ihrer spirituellen Kraftquelle abgeschnitten sind und auch nicht glauben, dass Spiritualität zuerst in ihnen selbst empfunden werden kann.
Für psychische Probleme (Norden) ist ein Therapeut wichtig. Natürlich kann er einem helfen, die eigenen Probleme selbst zu lösen. Was aber die westliche Medizin, zumindest mir vermittelt, ist, dass man zu jemandem geht, der einem ein Problem entfernt. Aus diesem Grund wird in der Chirurgie auch viel operiert und herausgeschnitten. Es scheint einfach an Zeit zu fehlen, die Ursachen der Unausgewogenheiten im individuellen Medizinrad zu erkennen. Wem das aber gelingt, kann Mangelerscheinungen durch die eigenen Stärken harmonisieren und ins Gleichgewicht zu bringen. Voraussetzung dafür aber ist die Kenntnis der eigenen Stärken. Heutzutage sind die meisten Menschen jedoch mit allem anderen beschäftigt, haben sich und ihr innerstes Wesen aber anscheinend vergessen.

Wer körperliche Beschwerden hat (Westen) geht einfach zu einem Arzt, der einem zum Beispiel etwas gibt, dass man einnimmt – ein Mittel aus dem Außen, dass das innere Problem beseitigen muss.
Man sollte aber vorsichtig sein, einfach nur die Schulmedizin als negativ abzustempeln, was in der alternativen Heilerszene viel zu häufig geschieht. Chirurgie und Allopathie einfach zu verteufeln, ist sicherlich ein falscher Weg. Denn beide gehören zum physischen Aspekt (Westen) des Medizinrades und erfüllen durchaus ihren Sinn.

Es sind eben alle vier Aspekte des Medizinrades untereinander verbunden und weisen ganz deutlich auf das oben angedeutete Problem: die meisten Menschen fühlen sich als Opfer äußerer Umstände, da sie nicht mehr über die zeitlichen, mentalen oder emotionalen Kapazitäten verfügen, um in sich, nach den Ursachen ihrer Probleme zu suchen.
Denn auch was unsere Emotionen angeht (Süden), dafür scheinen die meisten Menschen, am liebsten ihre Freunde und Familienangehörigen verantwortlich zu machen. Steht man dann nicht vollkommen unter der Kontrolle seiner Außenwelt?

So bleibt jemand unfähig alle vier Aspekte seines Daseins zu kontrollieren. Wie auch sollte er etwas in Griff bekommen, hat er doch für jeden Aspekt andere Menschen, die sich darum kümmern. Wer aber lernt, sich selbst im Zentrum seines individuellen Medizinrades zu sehen, kontrolliert diese vier Aspekte von innen heraus und wirt dabei gleichzeitig auch positiv auf seine Umwelt.

Wer den Glauben verloren hat, findet ihn wieder im Gebet. Wer nervös, verwirrt oder ängstlich ist, dem wird Meditation helfen. Einen kranken Körper und emotionale Probleme können Pflanzen heilen.

Das Medizinrad und die Kreisläufe des Lebens

Viele von uns haben bereits die Erfahrung gemacht, dass sich geistig-nervliche Belastungen (Norden) negativ auf unser körperliches Befinden (Westen) auswirken, während körperliche Beschwerden auf die Dauer emotionale Depressionen (Süden) begünstigen (zum Beispiel bei Übergewicht). Doch wenn ein Mensch weiß, dass die vier Aspekte seines Daseins alle miteinander verbunden sind, kann er sich selbst helfen und mit einem dieser Aspekte, der am stärksten ausgeprägt ist, zur Harmonisierung der anderen Aspekte beitragen. Somit könnte eine spirituelle Ausrichtung (Osten) zur Harmonisierung des intellektuellen, emotionalen und körperlichen Wohlbefindens beitragen. Das diese Annahme berechtigt ist, zeigt uns etwa die Tatsache, dass Menschen, die sehr krank sind oder im Krankenhaus liegen, sich plötzlich öffnen und nach Rat eines Priesters suchen.

Alle vier Aspekte des Medizinrades sind also miteinander verbunden und wirken aufeinander.

Unsere Werte (Osten) sind der Maßstab für unsere Entscheidungen (Norden). Sie wiederum realisieren wir in unseren Handlungen (Westen), die uns zu bestimmten Reaktionen (Süden) bringen, woraus unsere Emotionen entstehen. Diese wiederum bestätigen oder erübrigen die Bedeutung unserer Werte (Osten). Damit schließt sich der Kreis und beginnt von Neuem. Verwenden wir also die Qualitäten, die uns aus den vier Himmelsrichtungen zuströmen auf diese, kreisläufige Weise, können wir jeder Zeit damit beginnen, unser Leben zu verändern und auch zu etwas Besserem zu führen.

Es scheint also, als wurzelte alles was wir tun, in unserer Spiritualität – dem was im Medizinrad dem Ort der aufgehenden Sonne entspricht: dem Osten. Alle Entscheidungen (Norden) die wir treffen, unsere Handlungen (Westen) und Reaktionen (Süden), entspringen unserem Wertesystem (Osten) – sei es religiös oder säkular, traditionell oder modern. Genau darum sprechen die Stammesältesten der Lakota-Sioux, von der Heiligkeit unseres Lebens und der eigentlichen Spiritualität, der all unsere Handlungen zu Grunde liegen. Sie sagen, dass wir auf unsere Gefühle hören sollten, stets unserer Werte bewusst. Damit stärken wir unsere Fähigkeit, richtige Entscheidungen zu treffen und ihnen gemäß, rechtschaffen zu handeln. So werden wir in uns selbst und in unserer Umwelt Harmonie vorfinden und zum Wohle allen Lebens beitragen.

  Rot Weiß Gelb Schwarz
Richtung Süden Norden Osten Westen
Kontinent Amerika Europa Asien Afrika
Tageszeit Mittag Mitternacht Morgen Abend
Jahreszeit Sommer Winter Frühling Herbst
Lebenszeit Jugend Alter Geburt Tod
Elemente Erde Wind Feuer Wasser
Krafttier Wolf Bison Adler Bär
Kraftpflanze Mariengras Zeder Tabak Salbei
Symbole Herz Geist Seele Leib
Empfinden Emotional Intellektuell Spirituell Körperlich
Verhalten Reaktionen Entscheidungen Werte Aktionen
Handlung Geben Empfangen Bestimmen Halten
Typus Lehrer Krieger Seher Heiler
Tugend Großzügigkeit Tapferkeit Weisheit Seelenstärke

Die mündliche Geheim-Tradition

Wir hatten uns im Verlauf dieses Textes nun mit den Wissensaspekten beschäftigt, die über das Medizinrad bekannt sind. Das magische Bild, dass die Symbolik des Medizinrades auf makrokosmischer, wie auf mikrokosmischer Ebene projiziert, zeigt ganz deutlich seinen universalen Sinngehalt. Sicher aber finden sich in den mündlichen Traditionen der noch heute lebenden Indianer, viele weitere Aspekte dieses heiligen Symbols, die für uns aber leider verborgen bleiben und vielleicht nur den Eingeweihten von Mund zu Ohr übermittelt werden.

Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass solch verborgenes Wissen ganz und gar nicht kompliziert sein muss, wie vielleicht manche glauben mögen. Naheliegend erscheint mir deshalb, dass es in einer mündlichen Tradition, um die Vollendung des hier vorgestellten Systems gehen könnte.

Wir sprachen ja über die verschiedenen Ebenen, die sich nach vier Himmelsrichtungen hin ausbreiten (siehe Tabelle). Was sich jedoch ausbreitet, hat einen Ursprung und bildet die Mitte. Sie ist die fünfte Himmelsrichtung im Medizinrad. Es ist eine polare Größe in der Welt: die kosmische Senkrechte. Sie durchstrahlt die unveränderlichen Wesensmittelpunkte von Himmel, Mensch und Erde. Auf der Erde repräsentiert sie die Polachse, um die sich unser Heimatplanet ununterbrochen dreht. Von der Himmelsmitte aus, erstrahlt das Licht ihres astralen Repräsentanten, ausgehend vom Hauptstern der himmlischen Konstellation des Kleinen Bären: Polaris.

Und so wie diese kosmische Senkrechte, als Weltachse Himmel und Erde durchragt, berührt ihr Strahl auch das Herz des Menschen. Dieses große Geheimnis erfahrend, wünscht sich der Initiand sein Leben mit den zyklischen Gesetzen dieser kosmischen Größen in Einklang zu bringen. Damit symbolisiert das Medizinrad den Weg des Herzens, auf dem einer zum ursprünglichen, wahren Menschsein zurückfinden kann.

Die besondere Struktur des Medizinrades ist, wie wir sehen konnten, universal, denn seit jeher verwendeten es die indianischen Weisen als Bestimmungsmittel für sakrale Zeitpunkte, Orte und Begebenheiten – zum Heil der Erde und der auf ihr lebenden Menschen. Daher vielleicht die Aussage mancher indianischer Weiser, dass das Medizinrad durch den Sonnengott vom Himmel auf die Erde kam. Schließlich bilden sich seine Symbolelemente (Kreuz, Pol und Kreis) ja genau dem kosmischen Tanz von Sonne und Erde entsprechend.

Wie wir sehen konnten, ist das Medizinrad ein universales Symbol zur Harmonisierung der Natur, eines Volkes und seiner Menschen. Seit bereits über 10.000 Jahren wird das Symbol darum zu diesen Zwecken verwendet. Wer also den Anweisungen folgt, die sich aus seiner Symbolik ablesen lassen, wird dazu befähigt, sein Leben zu Harmonie und Gleichgewicht zu führen.

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